Germany Trade & Invest sieht in Algerien wachsende Chancen für deutsche Maschinenbauer, Energieunternehmen und Infrastrukturkonzerne. Die Einschätzung wurde Anfang Juli 2026 bekannt, wenige Wochen vor dem geplanten Arbeitsbesuch des algerischen Präsidenten in Deutschland am 16. Juli. Algeriens Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um 3,7 bis 4,5 Prozent wachsen. Zugleich bleibt das Land stark von den Einnahmen aus Öl und Gas abhängig.
Die deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing nennt Algerien einen „interessanten Markt für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer“. Hohe Energieeinnahmen, staatliche Investitionen und eine wachsende Binnennachfrage stützen demnach die wirtschaftliche Entwicklung.
Besondere Geschäftsmöglichkeiten sieht GTAI in den Bereichen Energie, Bergbau, Lebensmittelverarbeitung, Pharmazie, Automobilindustrie und Infrastruktur. Die Deutsch-Algerische Industrie- und Handelskammer griff die Einschätzung in ihrer Berichterstattung über die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes auf.
Algerien plant Milliardeninvestitionen im Energiesektor
Die algerische Regierung will bis 2030 rund 60 Milliarden US-Dollar in den Energiesektor investieren. Neben der Förderung und Verarbeitung fossiler Energieträger soll auch der Ausbau erneuerbarer Energien vorankommen.
Bis 2035 strebt Algerien eine installierte Leistung von 15 Gigawatt aus erneuerbaren Quellen an. Das Land verfügt über große Flächen mit hoher Sonneneinstrahlung und will diese Voraussetzungen zunehmend für Solarenergie und die Produktion von grünem Wasserstoff nutzen.
Algerien ist zugleich ein bedeutender Gaslieferant der Europäischen Union. Im Jahr 2025 war das nordafrikanische Land der zweitgrößte Lieferant von Pipelinegas in die EU. Seit dem Rückgang russischer Lieferungen hat Algeriens Rolle bei der europäischen Diversifizierung der Energieversorgung zugenommen.
Europäische Energiekonzerne bauen ihre Aktivitäten aus. Der italienische Konzern Eni kündigte 2025 Investitionen von acht Milliarden Euro in Algerien an.
Öl und Gas bleiben das wirtschaftliche Fundament
Die Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdgas finanzieren einen großen Teil der staatlichen Ausgaben und Investitionsprogramme. Sie treiben den Ausbau von Straßen, Bahnstrecken, Industrieanlagen und Versorgungsnetzen voran.
Gleichzeitig machen sie Algerien anfällig für Schwankungen der internationalen Energiepreise. Sinkende Öl- und Gaspreise belasten den Staatshaushalt, die Importfähigkeit und öffentliche Investitionen.
GTAI erkennt erste Fortschritte bei der wirtschaftlichen Diversifizierung. Einnahmen aus dem Energiesektor fließen zunehmend in Bergbau, Lebensmittelproduktion, Pharmaindustrie und Fahrzeugbau.

Algerien versucht seit mehreren Jahren, mehr Waren im eigenen Land herzustellen und Importe durch lokale Produktion zu ersetzen. Die Regierung verbindet die Vergabe von Einfuhrgenehmigungen und Marktzugängen teilweise mit Investitions- und Produktionsauflagen.
Deutsche Maschinenexporte legen deutlich zu
Deutschland war 2025 der sechstgrößte Lieferant Algeriens. Deutsche Unternehmen exportierten Waren im Wert von rund 2,1 Milliarden Euro in das Land. Im ersten Quartal 2026 gingen die deutschen Ausfuhren allerdings um 5,6 Prozent zurück.
Bei Maschinen und Anlagen entwickelte sich der Handel stärker. Die deutschen Maschinenexporte nach Algerien stiegen 2025 um 23 Prozent auf 462 Millionen Euro.
Die hohe Investitionstätigkeit in der algerischen Industrie schafft Nachfrage nach Produktionsanlagen, Maschinen, Ersatzteilen und technischer Ausrüstung. Deutsche Anbieter verfügen in diesen Bereichen traditionell über eine starke Marktposition.
Unternehmen wie Siemens, Liebherr, BASF und Knauf sind bereits seit Jahrzehnten in Algerien vertreten. Deutschland liefert vor allem Maschinen, chemische Erzeugnisse und Fahrzeuge.
Fahrzeugexporte brechen um 36 Prozent ein
Deutlich schwächer entwickelte sich der Handel mit Kraftfahrzeugen und Fahrzeugteilen. Die deutschen Exporte in diesem Bereich sanken 2025 um 36 Prozent.
GTAI führt den Rückgang auf die stark regulierten algerischen Fahrzeugimporte zurück. Die Regierung begrenzt die Einfuhr fertiger Autos und setzt stärker auf eine Produktion im eigenen Land.
Ausländische Fahrzeughersteller müssen sich daher zunehmend mit lokalen Partnern, Montagewerken und Vorgaben zur Verwendung algerischer Komponenten befassen. Die Regulierung soll Devisen sparen, industrielle Arbeitsplätze schaffen und die heimische Wertschöpfung erhöhen.
China gewinnt in Algerien weiter an Einfluss
Deutschland steht auf dem algerischen Markt in wachsendem Wettbewerb mit China. Chinesische Unternehmen beteiligen sich an Großprojekten in Landwirtschaft, Fahrzeugbau, Eisenbahnwesen und Infrastruktur.
GTAI stellt fest, dass China in nahezu allen Wirtschaftsbereichen an Bedeutung gewinnt. Der Ausbau chinesischer Präsenz reicht von der Finanzierung und Errichtung großer Anlagen bis zur Lieferung von Maschinen und Industrieprodukten.
Auch Frankreich und Italien bleiben wichtige Handelspartner Algeriens. Italien verfügt durch seine Energieunternehmen und die direkte Gasverbindung über eine besonders enge wirtschaftliche Beziehung zu dem nordafrikanischen Staat.
Deutsche Importe aus Algerien steigen
Algeriens Ausfuhren nach Deutschland erreichten 2025 rund 1,4 Milliarden Euro. Das entsprach einem Zuwachs von etwa elf Prozent.
Im ersten Quartal 2026 stiegen die deutschen Importe aus Algerien erneut um 20 Prozent. Sie bestehen überwiegend aus Rohöl, Erdgas und Mineralölprodukten.
Die Entwicklung des algerischen Exportwerts hängt daher stark von den Preisen auf den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten ab. Industriegüter und verarbeitete Produkte spielen im Handel mit Deutschland bislang eine geringere Rolle.
Wasserstoffkorridor soll Algerien mit Deutschland verbinden
Neben Erdgas rückt grüner Wasserstoff in den deutsch-algerischen Wirtschaftsbeziehungen stärker in den Blick. Beide Länder sind am geplanten SoutH2 Corridor beteiligt.
Die Verbindung soll Wasserstoff aus Algerien über Tunesien, Italien und Österreich bis nach Deutschland transportieren. Das Projekt sieht den Transport von bis zu vier Millionen Tonnen grünem Wasserstoff vor.
Der Korridor soll teilweise auf bestehenden Leitungsnetzen aufbauen. Algerien könnte damit neben Öl und Gas einen weiteren Energieträger nach Europa liefern, während deutsche Unternehmen an Produktion, Transport, Anlagenbau und technischer Ausrüstung beteiligt werden könnten.

