Südafrikas Regierungspartei African National Congress (ANC) steht bei den Kommunalwahlen vor ihrem bislang schlechtesten Ergebnis und könnte in zahlreichen Städten weiter an Einfluss verlieren. Die Wahl fand am Mittwoch, 4. November 2026, statt. Nach Auszählung von mehr als 70 Prozent der Wahlbezirke erreicht der ANC landesweit nur noch rund 32 Prozent der Stimmen. Die oppositionelle Democratic Alliance (DA) führt in der wirtschaftlich bedeutenden Provinz Gauteng, während die Partei des früheren Präsidenten Jacob Zuma in KwaZulu-Natal vorne liegt.
Die Ergebnisse der südafrikanischen Wahlkommission IEC zeigen einen deutlichen Rückgang für den ANC, der die Politik des Landes seit dem Ende der Apartheid 1994 dominiert. Bei den Kommunalwahlen 2021 hatte die Partei noch rund 45 Prozent der Stimmen für Direktkandidaten erhalten.
ANC verliert mehr als 13 Prozentpunkte gegenüber 2021
Am Freitagmorgen, 6. November, waren in der fortgeschrittenen Auszählung rund 73 Prozent der 23.696 Wahlbezirke erfasst. Die IEC-basierte Ergebnisauswertung wies folgende landesweite Stimmenanteile aus:
- African National Congress (ANC): rund 31,8 Prozent
- Democratic Alliance (DA): rund 24,5 Prozent
- uMkhonto weSizwe Party (MKP): rund 9,1 Prozent
- Economic Freedom Fighters (EFF): rund 6,2 Prozent
- Inkatha Freedom Party (IFP): rund 4,6 Prozent
- ActionSA: rund 4,5 Prozent
Die Werte beziehen sich auf die Stimmen für Direktkandidaten in den Kommunalwahlbezirken und sind noch nicht endgültig. Die Wahl umfasst zusätzlich Listenstimmen und in bestimmten Gemeinden Stimmen für die Distrikträte.
Der ANC verliert damit gegenüber seinem Ergebnis von rund 45 Prozent bei den Direktkandidatenstimmen 2021 mehr als 13 Prozentpunkte. Bereits damals hatte die Partei erhebliche Verluste hinnehmen müssen und erstmals bei einer Kommunalwahl landesweit weniger als die Hälfte der Stimmen erhalten.
Auch die Economic Freedom Fighters, die linksgerichtete Partei von Julius Malema, liegen deutlich unter ihrem damaligen Ergebnis. Sie hatten 2021 bei den Direktkandidatenstimmen rund 10,2 Prozent erreicht.
Dagegen legt die DA gegenüber ihren rund 21,6 Prozent von 2021 zu. Die MK-Partei, die erst nach der letzten Kommunalwahl gegründet wurde, etabliert sich bei ihrer ersten landesweiten Kommunalwahl als drittstärkste politische Kraft.
Democratic Alliance führt in Johannesburg und Gauteng
Besonders ausgeprägt sind die Verschiebungen in Gauteng, der wirtschaftlich wichtigsten Provinz Südafrikas. Dort liegt die Democratic Alliance mit rund 35 Prozent der bislang ausgezählten Direktkandidatenstimmen an erster Stelle. Der ANC erreicht nur etwa 21 Prozent, während ActionSA auf knapp 16 Prozent kommt.
In der Provinz liegen die drei Metropolgemeinden Johannesburg, Tshwane mit der Hauptstadt Pretoria sowie Ekurhuleni. In allen drei Städten führt die DA nach den bisherigen Teilergebnissen.
Johannesburg, das größte Wirtschaftszentrum des Landes, gehört zu den wichtigsten politischen Schauplätzen der Kommunalwahl. Die DA liegt dort in der bisherigen Auszählung deutlich vor dem ANC. ActionSA zählt ebenfalls zu den größeren politischen Kräften.
Die Kontrolle über die Metropolen ist seit Jahren umkämpft. Nach früheren Kommunalwahlen mussten mehrere Städte durch wechselnde Mehrparteienbündnisse regiert werden. In Johannesburg kam es wiederholt zu Wechseln an der Spitze der Stadtverwaltung.
Auch im Westkap behauptet die DA ihre führende Stellung. In der Provinz mit der Metropole Kapstadt liegt sie nach dem bisherigen Stand bei rund 55 Prozent der Direktkandidatenstimmen.
Anders als in Gauteng liegt die Partei dort weiterhin deutlich über der Marke von 50 Prozent. Die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse in den einzelnen Kommunalräten hängen jedoch von den abschließenden Ergebnissen und der Sitzverteilung ab.
Jacob Zumas MK-Partei verdrängt ANC in KwaZulu-Natal
In KwaZulu-Natal zeichnet sich eine weitere Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse ab. Die uMkhonto weSizwe Party des früheren Präsidenten Jacob Zuma führt in der Provinz mit rund 34 Prozent der bislang erfassten Direktkandidatenstimmen.
Die MK-Partei war bereits bei den südafrikanischen Parlamentswahlen 2024 zu einer bedeutenden politischen Kraft aufgestiegen. Besonders in KwaZulu-Natal konnte sie zahlreiche frühere ANC-Wähler mobilisieren.
Zuma hatte Südafrika von 2009 bis 2018 als Präsident geführt. Nach seinem Bruch mit dem ANC unterstützte er die neue MK-Partei, die seither insbesondere in seiner politischen Heimatregion mit der früheren Regierungspartei konkurriert.
Auch die Inkatha Freedom Party gehört in KwaZulu-Natal zu den bedeutenden politischen Akteuren. Die Partei verfügt über eine langjährige regionale Verankerung und tritt in zahlreichen Kommunen als Konkurrentin sowohl des ANC als auch der MK-Partei auf.
In der Metropolgemeinde eThekwini mit Durban, einem der wichtigsten Häfen Afrikas, zeichnet sich ebenfalls ein intensiver Wettbewerb um die künftige Ratsmehrheit ab.
Bereits zahlreiche Kommunen ohne klare Mehrheit

In der vorläufigen Ergebnisübersicht waren bei einem Auszählungsstand von rund 71 Prozent bereits 76 Kommunen ohne absolute Mandatsmehrheit einer einzelnen Partei ausgewiesen. In 31 Kommunen wurde eine absolute Mehrheit für eine Partei angezeigt, während für 106 Kommunen noch keine entsprechende abschließende Berechnung vorlag.
Damit könnten Koalitionsverhandlungen erneut eine zentrale Rolle spielen. Besonders in den großen Metropolen müssen Parteien für die Wahl der Stadtspitzen und die Verabschiedung kommunaler Haushalte gegebenenfalls gemeinsame Mehrheiten organisieren.
Die politischen Verhältnisse unterscheiden sich dabei erheblich zwischen den einzelnen Provinzen. Während die DA in Gauteng und im Westkap führt und die MK-Partei in KwaZulu-Natal vorne liegt, bleibt der ANC in sechs der neun Provinzen nach bisherigen Stimmenanteilen stärkste Kraft.
Zu seinen vergleichsweise stärkeren Regionen gehört Limpopo, wo die Partei weiterhin mehr als die Hälfte der bislang ausgezählten Direktkandidatenstimmen erreicht. Im Ostkap, in Mpumalanga, North West, Northern Cape und Free State führt der ANC ebenfalls, allerdings mit unterschiedlichen Abständen zu seinen Konkurrenten.
Wahlkommission erwartet Abschluss der Auszählung am Wochenende
Die südafrikanische Wahlkommission erklärte am Donnerstag, dass die Erfassung und Kontrolle der Ergebnisse kontinuierlich voranschreite.
IEC-Vorsitzender Mosotho Moepya teilte bei einer Pressekonferenz im nationalen Ergebniszentrum in Midrand mit, dass bis 17 Uhr bereits mehr als 60 Prozent der insgesamt 66.073 Ergebnisprotokolle erfasst worden seien. Rund 40.202 Protokolle waren zu diesem Zeitpunkt eingescannt und 32.238 unabhängig überprüft worden.
Die Zahl der Ergebnisprotokolle liegt deutlich über der Zahl der Wahlbezirke, weil bei den Kommunalwahlen mehrere unterschiedliche Stimmzettel ausgewertet werden.
Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz hatten 65 der 213 Kommunen sämtliche vorgesehenen Schritte der Erfassung, Überprüfung und Bearbeitung abgeschlossen. Die Wahlkommission rechnet damit, die landesweite Zusammenstellung der Ergebnisse bis zum Wochenende abschließen zu können.
Moepya betonte, dass die Ergebnisse bis zur Prüfung möglicher wahlerheblicher Einsprüche vorläufig bleiben. Die IEC forderte politische Parteien, Kandidaten und Medien auf, ausschließlich überprüfte Wahldaten zu verwenden und keine unbestätigten Informationen über die Ergebnisse zu verbreiten.
Für die Kommunalwahlen waren landesweit 23.696 Wahlbezirke eingerichtet worden. Die Wähler entschieden über die Zusammensetzung von 213 kommunalen Räten, darunter acht Metropolgemeinden. Zu deren Aufgaben gehören unter anderem die kommunale Wasser- und Stromversorgung, Abfallentsorgung und wichtige Teile der örtlichen Infrastruktur.

