Kap Verde lässt das Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ nach einem Hantavirus-Ausbruch vor Praia nicht anlegen und meldet drei Menschen mit Symptomen an Bord – darunter eine Person aus Deutschland.
Am Montag aktualisierte das Gesundheitsministerium die Lage, nachdem am Vortag von zwei Betroffenen die Rede gewesen war.
Das Schiff kam aus Argentinien und liegt vor dem Hafen der kapverdischen Hauptstadt unter Quarantäne. An Bord befinden sich 147 Menschen, darunter Passagiere und Besatzungsmitglieder. Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte drei Todesfälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch.
Drei Menschen mit Symptomen an Bord
Das Gesundheitsministerium von Kap Verde erklärte, die Entscheidung gegen ein Anlegen im Hafen von Praia sei nach einer technischen und epidemiologischen Bewertung getroffen worden. Ziel sei der Schutz der öffentlichen Gesundheit im Land.
Das Schiff bleibe vor der Küste unter dauerhafter Aufsicht der Gesundheitsbehörden. Das Ministerium erklärte zugleich, die Lage sei unter Kontrolle und es bestehe kein Risiko für die Bevölkerung an Land.
Die Präsidentin des Nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit, Maria da Luz, hatte am Sonntagabend dem kapverdischen Rundfunk RCV gesagt, die Passagiere würden in Kap Verde nicht von Bord gehen. „Das Schiff soll seine Route fortsetzen, und hier im Land werden die Passagiere nicht aussteigen, um die Bevölkerung zu schützen“, sagte sie.
Medizinische Teams an Bord
Kapverdische Gesundheitsteams waren nach Angaben der Behörden mehrfach an Bord der „MV Hondius“. Ein Erkrankter, der medizinische Hilfe benötigte, wurde bereits behandelt.
Das Gesundheitsministerium erklärte, die Betreuung werde durch ein eigens eingesetztes Team aus Fachärzten, Pflegekräften und Labortechnikern sichergestellt. Auch das Hospital Dr. Agostinho Neto in Praia habe Vorkehrungen für den Fall getroffen, dass spezialisierte Versorgung nötig werde.
An der Reaktion sind die Nationale Gesundheitsdirektion, lokale Gesundheitsstrukturen, das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit, maritime und Hafenbehörden sowie die Weltgesundheitsorganisation in Kap Verde und in der afrikanischen Regionalstruktur beteiligt. Auch Kontaktstellen der Internationalen Gesundheitsvorschriften sowie Behörden der Niederlande und des Vereinigten Königreichs wurden eingebunden.
Drei Todesfälle bestätigt
Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte nach Angaben kapverdischer Medien drei Todesfälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch. Bei den Toten handelt es sich demnach um ein europäisches Ehepaar und einen britischen Staatsbürger.
Ein 70-jähriger Mann starb an Bord des Schiffes. Seine 69-jährige Ehefrau und der britische Staatsbürger wurden nach Johannesburg in Südafrika ausgeflogen und starben dort im Krankenhaus. Zuletzt wurde dort ein weiterer Erkrankter intensivmedizinisch behandelt.

Die „MV Hondius“ ist ein Expeditionskreuzfahrtschiff des niederländischen Anbieters Oceanwide Expeditions. Das Schiff verfügt über Kapazitäten für 170 Passagiere und 70 Besatzungsmitglieder.
Infektion wird meist durch Nagetiere übertragen
Hantaviren werden vor allem durch wildlebende Nagetiere übertragen. Eine Ansteckung erfolgt häufig durch das Einatmen von Partikeln aus Urin, Kot oder Speichel infizierter Tiere, etwa in verunreinigten Räumen.

Das kapverdische Gesundheitsministerium nennt auch weitere mögliche Übertragungswege: Verletzungen oder Bisse durch Nagetiere, Kontakt mit Schleimhäuten über kontaminierte Hände sowie eine selten berichtete Übertragung von Mensch zu Mensch. Diese wurde bisher vor allem in Argentinien und Chile im Zusammenhang mit dem Andes-Hantavirus beschrieben.
Die Inkubationszeit liegt im Durchschnitt zwischen einer und fünf Wochen, kann aber zwischen drei und 60 Tagen variieren. Erste Symptome ähneln häufig einer Grippe, darunter Müdigkeit, Fieber und Muskelschmerzen. In schweren Fällen kann die Erkrankung rasch zu Husten, Atemnot und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge führen.

