Großbritannien verstärkt seine Zusammenarbeit mit Äthiopien und der Afrikanischen Union, um irreguläre Migration aus dem Horn von Afrika zu begrenzen und wirtschaftliche Perspektiven in der Region zu fördern. Das erklärte die britische Außenministerin Yvette Cooper am 2. Februar 2026 bei ihrem ersten offiziellen Afrika-Besuch in Addis Abeba. Im Mittelpunkt stehen Investitionen, sicherheitspolitische Kooperation und eine engere Abstimmung mit afrikanischen Institutionen.
Horn von Afrika als migrationspolitischer Schwerpunkt
Nach Angaben des britischen Außenministeriums hat sich das Horn von Afrika zu einer zentralen Herkunftsregion irregulärer Migration in Richtung Europa und Großbritannien entwickelt. Rund 30 Prozent der über den Ärmelkanal eingereisten Personen der vergangenen zwei Jahre stammen demnach aus Äthiopien, Eritrea, Somalia und Sudan. London reagiert darauf mit einer Ausweitung der Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitstaaten entlang der Migrationsrouten.
I’m here in Ethiopia 🇪🇹 meeting the PM, ministers, UK and Ethiopian businesses & groups to talk about jobs, trade, sustainable growth, tackling illegal migration, promoting regional security and preventing conflict.
— Yvette Cooper (@YvetteCooperMP) February 2, 2026
The partnerships we build abroad make us stronger at home. pic.twitter.com/BKPGBONsWh
Wirtschaftliche Kooperation und Jobschaffung in Äthiopien

Ein Kernpunkt der Reise ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Äthiopien. Cooper traf unter anderem Vertreter des Telekommunikationsunternehmens Safaricom, das von einem internationalen Konsortium mit britischer Beteiligung getragen wird. Ziel ist es, Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort zu stärken und wirtschaftliche Abwanderungsgründe zu reduzieren.
Zudem unterzeichnete die Außenministerin eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung für zwei Energieübertragungsprojekte im Gesamtwert von über 400 Millionen US-Dollar. Die Vorhaben werden von Gridworks entwickelt, einem Unternehmen der British International Investment. Parallel dazu wurde ein Memorandum of Understanding mit dem äthiopischen Finanzministerium zur Ethiopia Investment Advisory Facility II abgeschlossen, die als zentrales Instrument der britisch-äthiopischen Wirtschaftspartnerschaft gilt.
Sicherheitspolitische Zusammenarbeit gegen Schleusernetzwerke
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der sicherheitspolitischen Kooperation. Großbritannien will gemeinsam mit äthiopischen Behörden gegen Schleusernetzwerke vorgehen, die irreguläre Migration aus dem Horn von Afrika organisieren. Geplant sind unter anderem Unterstützungsleistungen für Ermittlungen, bessere Informationsweitergabe sowie eine Beschleunigung von Rückführungen äthiopischer Staatsangehöriger ohne Aufenthaltsrecht im Vereinigten Königreich.

Die Maßnahmen werden unter anderem durch Mittel des britischen Border Security Command unterstützt und beinhalten eine engere Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden, einschließlich der National Crime Agency.
Abstimmung mit Afrikanischer Union zu regionalen Konflikten
Im Rahmen ihres Aufenthalts traf Cooper auch den Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Unio, am Sitz der Organisation in Addis Abeba. Beide Seiten bekräftigten die Bedeutung der Afrika–UK-Partnerschaft und die gemeinsame Unterstützung multilateraler Strukturen.

Im Fokus der Gespräche standen regionale Konflikte, insbesondere im Sudan und in der Sahelzone, sowie die Unterstützung von AU-Friedensmissionen in Somalia. Angesichts der sich verschärfenden humanitären Lage im Sudan riefen beide Seiten zu einer Waffenruhe und zu ungehindertem humanitärem Zugang auf. Zudem wurde vereinbart, ein hochrangiges strategisches Treffen zwischen der Afrikanischen Union und Großbritannien noch in diesem Jahr in London abzuhalten.
Humanitäre Unterstützung für Äthiopien
Begleitend zur politischen Agenda kündigte Großbritannien zusätzliche humanitäre Hilfen für Äthiopien an. Dazu zählen fünf Millionen Pfund zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, vier Millionen Pfund für UNICEF zur Versorgung mangelernährter Kinder sowie acht Millionen Pfund für Programme des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Die Mittel sollen unter anderem den Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Nahrungsmittelsicherheit für Binnenvertriebene verbessern.