Global Risks Report 2026: Warum Afrika im Zeitalter geopolitischer Konkurrenz stärker unter Druck gerät

Der Global Risks Report 2026 des World Economic Forum zeichnet das Bild einer Welt am Rand zunehmender geopolitischer und geökonomischer Spannungen. Afrika erscheint dabei als Region, die besonders von geökonomischer Konfrontation, Klimarisiken, Ungleichheit und strukturellen Verschiebungen betroffen ist. Der Bericht basiert auf einer weltweiten Befragung von mehr als 1.300 Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Er analysiert Risiken für die Jahre 2026, 2028 und 2036 und ordnet diese in einen globalen Wettbewerbsrahmen ein.

Ein globales Risikoumfeld im Zeichen der Konkurrenz

Laut dem Bericht ist Unsicherheit das prägende Merkmal des globalen Risikoumfelds zu Beginn des Jahres 2026. Rund die Hälfte der Befragten erwartet in den kommenden zwei Jahren eine turbulente oder stürmische Entwicklung. Für den Zehnjahreshorizont steigt dieser Anteil weiter an. Der Bericht beschreibt diese Phase als ein Zeitalter der Konkurrenz, in dem multilaterale Kooperationsmechanismen an Wirkung verlieren und nationale Interessen stärker in den Vordergrund treten.

Im Zentrum steht die geökonomische Konfrontation. Sie wird von den Befragten als das Risiko mit dem höchsten kurzfristigen Eskalationspotenzial eingestuft. Gemeint ist der strategische Einsatz wirtschaftlicher Instrumente wie Sanktionen, Handelsbeschränkungen, Investitionskontrollen oder Subventionen zur Durchsetzung geopolitischer Ziele. Diese Dynamik prägt laut Bericht zunehmend auch die Beziehungen zu und innerhalb Afrikas.

Afrikas Rolle in einer fragmentierten Weltordnung

Der Bericht verortet Afrika in einer sich herausbildenden multipolaren Ordnung ohne tragfähigen Multilateralismus. In diesem Umfeld konkurrieren Groß und Mittelmächte um Einfluss, Ressourcen und Lieferketten. Afrika rückt dabei vor allem als Standort strategischer Rohstoffe und als Knotenpunkt globaler Wertschöpfungsketten in den Fokus.

Die Konzentration strategischer Ressourcen und Technologien zählt laut Bericht zu den Risiken, deren Bedeutung über die kommenden Jahre zunimmt. Für afrikanische Staaten bedeutet dies steigenden externen Druck auf Bergbau, Energieinfrastruktur und Transportkorridore. Gleichzeitig erhöht sich die Verwundbarkeit gegenüber Handelskonflikten und einseitigen politischen Maßnahmen externer Akteure.

Geökonomische Konfrontation als zentrales Kurzfrist-Risiko

In der Rangliste der kurzfristigen Risiken für 2026 nimmt die geökonomische Konfrontation den ersten Platz ein. Sie wird von 18 Prozent der Befragten als das wahrscheinlichste Auslöserrisiko für eine globale Krise genannt. Der Bericht stellt fest, dass diese Entwicklung nicht auf einzelne Regionen begrenzt ist, sondern weltweit nationale Risikowahrnehmungen prägt, auch in exportorientierten Volkswirtschaften.

Für Afrika bedeutet dies eine zunehmende Instrumentalisierung wirtschaftlicher Beziehungen. Handelszugänge, Entwicklungsfinanzierung und Investitionen stehen stärker unter geopolitischem Vorbehalt. Die Fähigkeit afrikanischer Staaten, eigenständige wirtschaftspolitische Strategien zu verfolgen, wird dadurch eingeschränkt.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Risiken verstärken sich gegenseitig

Neben geopolitischen Spannungen identifiziert der Bericht eine deutliche Zunahme wirtschaftlicher Risiken. Ein globaler Wirtschaftsabschwung, steigende Inflation und das Platzen von Vermögensblasen werden im Kurzfristvergleich deutlich höher eingestuft als im Vorjahr. Diese Risiken wirken sich laut Bericht besonders stark auf Regionen mit hoher sozialer Ungleichheit aus.

Ungleichheit wird erneut als das am stärksten vernetzte globale Risiko beschrieben. Sie verstärkt andere Risikofelder wie gesellschaftliche Polarisierung, politische Instabilität und Erosion von Vertrauen in staatliche Institutionen. In vielen afrikanischen Ländern treffen wirtschaftliche Schocks auf bereits angespannte soziale Strukturen, was die Resilienz weiter schwächt.

Umwelt- und Klimarisiken langfristig dominant

Während Umwelt- und Klimarisiken im kurzfristigen Zeithorizont an relativer Priorität verlieren, bleiben sie für den Zeitraum bis 2036 die gravierendsten globalen Risiken. Extremwetterereignisse, Biodiversitätsverlust und kritische Veränderungen der Erdsysteme belegen die Spitzenplätze der Langfristrangliste.

Der Bericht verweist darauf, dass Afrika besonders stark von diesen Entwicklungen betroffen ist. Dürreperioden, Überschwemmungen und Belastungen für bestehende Infrastruktur verschärfen wirtschaftliche und gesellschaftliche Spannungen. Gleichzeitig wird festgestellt, dass Umweltfragen im politischen Entscheidungsprozess vieler Staaten kurzfristig hinter geostrategischen und wirtschaftlichen Prioritäten zurücktreten.

Technologische Risiken und Informationsräume

Technologische Risiken gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Desinformation und Fehlinformation zählen zu den größten kurzfristigen Risiken weltweit. Cyberunsicherheit und die langfristigen Folgen Künstlicher Intelligenz steigen im Zehnjahreshorizont deutlich im Risikoranking.

Für afrikanische Gesellschaften bedeutet dies wachsende Herausforderungen im digitalen Raum. Der Bericht beschreibt, wie technologische Entwicklungen bestehende gesellschaftliche Spaltungen vertiefen und politische Entscheidungsprozesse beeinflussen können. Gleichzeitig fehlt es in vielen Ländern an institutionellen Kapazitäten zur Regulierung dieser Risiken.

Rückzug des Multilateralismus und institutionelle Schwächen

Ein wiederkehrendes Motiv des Berichts ist der Rückzug von Staaten aus multilateralen Strukturen. Der Bericht spricht von einem schwindenden Vertrauen in internationale Regeln, Transparenz und Rechtsstaatlichkeit. Diese Entwicklung erhöht laut Analyse das Risiko von Konflikten und erschwert kollektive Antworten auf grenzüberschreitende Herausforderungen.

Afrika ist davon in besonderer Weise betroffen, da viele sicherheits, handels und klimapolitische Herausforderungen nur im regionalen oder multilateralen Rahmen bewältigt werden können. Die Schwächung internationaler Institutionen verschiebt Verantwortung auf nationale Ebenen, die vielfach nur begrenzte Ressourcen haben.

Ein Risikoumfeld mit struktureller Tiefe

Der Global Risks Report 2026 ordnet diese Entwicklungen in vier langfristige Strukturkräfte ein. Dazu zählen technologische Beschleunigung, geostrategische Verschiebungen, Klimawandel und demografische Spaltung. Diese Kräfte wirken global, entfalten ihre Folgen jedoch regional unterschiedlich.

Für Afrika beschreibt der Bericht ein Umfeld, in dem externe Konkurrenz, interne Ungleichgewichte und langfristige Umweltveränderungen gleichzeitig wirksam sind. Diese Überlagerung erhöht die Wahrscheinlichkeit sich gegenseitig verstärkender Krisen. Laut Angaben des World Economic Forum verdeutlicht der Bericht damit nicht einzelne Ereignisse, sondern strukturelle Risiken eines zunehmend fragmentierten globalen Systems

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