Eritrea fordert mehr afrikanische Einheit im globalen Wettbewerb

Afrika dürfe bei internationalen Entscheidungen nicht länger zurückgelassen werden, fordert Eritreas Außenminister Osman Saleh. In Asmara warb er für mehr Einheit, gemeinsame Ressourcennutzung und sichere Wasserversorgung.

Eritreas Außenminister Osman Saleh hat die afrikanischen Staaten zu engerer Zusammenarbeit, verantwortlicher Nutzung ihrer Rohstoffe und größerer Eigenständigkeit in internationalen Entscheidungen aufgerufen. Die Rede hielt er am Samstag, 13. Juni 2026, bei einer Feier zum 63. Jahrestag des Afrika-Tages in Asmara. Angesichts wachsender Konkurrenz um Ressourcen und strategische Partnerschaften müsse der Kontinent seine wirtschaftlichen Möglichkeiten stärker gemeinsam nutzen. Zugleich verwies Saleh auf anhaltende Armut, Konflikte und eine aus seiner Sicht unzureichende regionale Integration.

Das eritreische Außenministerium und die in Eritrea vertretenen afrikanischen Staaten veranstalteten die Feier im Asmara Palace Hotel unter dem Motto „Afrika: Ein Herz, ein Land, ein Schicksal“. An der Veranstaltung nahmen Regierungsmitglieder, hochrangige Vertreter der Regierungspartei Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit, Botschafter und weitere Diplomaten teil.

Saleh verlangt Bestandsaufnahme afrikanischer Entwicklung

Afrika verfüge über enorme natürliche Reichtümer, während große Teile seiner Bevölkerung weiterhin in Armut lebten, sagte Saleh. Gleichzeitig zerstörten bewaffnete Konflikte Menschenleben, Eigentum und wirtschaftliche Chancen.

Der Kontinent müsse deshalb seine gegenwärtige Lage grundlegend bewerten und Strategien entwickeln, um Armut und Konflikte zu überwinden. Eine stärkere wirtschaftliche Ergänzung zwischen den Staaten und Regionen sei notwendig, damit Afrika geschlossen handeln könne.

Die in der Agenda 2063 der Afrikanischen Union formulierte Vision eines integrierten, wohlhabenden und friedlichen Kontinents bleibe erreichbar. Die bisherigen Fortschritte entsprächen jedoch noch nicht den selbst gesetzten Zielen, erklärte der Außenminister.

Die Agenda 2063 ist das langfristige Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union. Sie verbindet wirtschaftliche Integration, Frieden, politische Zusammenarbeit und eine stärkere internationale Rolle Afrikas.

Wettbewerb um Ressourcen nimmt zu

Saleh stellte seine Forderungen in den Zusammenhang einer sich verändernden internationalen Ordnung. Neue Machtzentren entstünden, technologische Entwicklungen beschleunigten sich und die wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen Staaten nehme zu.

Gleichzeitig wachse der Wettbewerb um Rohstoffe und strategische Partnerschaften. Klimatische Belastungen, Gesundheitskrisen und soziale Ungleichheit könnten nicht allein auf nationaler Ebene bewältigt werden.

Afrika müsse seine natürlichen Ressourcen „mit Integrität, Disziplin und einer gemeinsamen langfristigen Vision“ verwalten, sagte Saleh. Sie könnten eine Grundlage für breiter verteiltes Wirtschaftswachstum und nachhaltige Entwicklung bilden.

„Wir werden nicht länger akzeptieren, bei internationalen Entscheidungen zurückgelassen zu werden“, erklärte der Minister. Afrika könne seinen politischen und wirtschaftlichen Platz in der Welt nur durch Solidarität und gemeinsames Handeln stärken.

Wasser und Sanitärversorgung als AU-Schwerpunkt

Die Veranstaltung griff zugleich das Jahresthema der Afrikanischen Union auf. Es lautet 2026: „Nachhaltige Wasserverfügbarkeit und sichere Sanitärsysteme gewährleisten, um die Ziele der Agenda 2063 zu erreichen.“

Saleh bezeichnete den Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung als Grundlage für Gesundheit, Menschenwürde und wirtschaftliche Entwicklung. Eine verlässliche Wasserversorgung ermögliche Hygiene, Sauberkeit und die Vorbeugung gegen Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden.

Der Außenminister verwies dabei auf die besonderen klimatischen Bedingungen Eritreas. Das Land ist in weiten Teilen trocken und regelmäßig von Wasserknappheit betroffen.

Die eritreische Regierung habe große, mittlere und kleinere Dämme sowie Wasserspeicher errichtet, um Niederschläge aufzufangen und länger nutzbar zu machen, erklärte Saleh. Die Maßnahmen folgten dem Grundsatz, „jeden Tropfen Wasser zu bewahren“.

Er bezeichnete die Projekte als Ergebnis langfristiger Planung und konsequenter Ressourcenschonung. Auch die Sanitärversorgung werde weiter ausgebaut. Unabhängige Zahlen zur landesweiten Verfügbarkeit von Trinkwasser und sicheren Sanitäranlagen nannte der Minister in seiner Rede nicht.

Südafrika wirbt für gemeinsame Partnerschaften

Der südafrikanische Botschafter in Eritrea, Percy Mbuzeli Kumsha, bezeichnete den Afrika-Tag als Gelegenheit für eine gemeinsame Bestandsaufnahme des Kontinents.

„Der Afrika-Tag ist mehr als ein Gedenken. Er ist eine Bekräftigung unseres gemeinsamen Weges und der Tatsache, dass uns ein gemeinsames Schicksal verbindet“, sagte Kumsha.

Kein afrikanischer Staat könne die bestehenden Aufgaben allein bewältigen. Der Kontinent benötige deshalb „intelligente Partnerschaften“, die gemeinsames Handeln ermöglichten.

Asmara stellt gemeinsame Identität heraus

Das für die Feier in Asmara gewählte Motto „Ein Herz, ein Land, ein Schicksal“ solle die gemeinsame Geschichte und Identität Afrikas ausdrücken, erklärte Saleh. Trotz unterschiedlicher Sprachen, Regionen und gesellschaftlicher Hintergründe seien die Staaten des Kontinents durch Werte wie Solidarität, Gastfreundschaft und gegenseitige Unterstützung verbunden.

Das „eine Herz“ stehe für gemeinsame Ziele, das „eine Land“ für das afrikanische Erbe und die Verantwortung gegenüber den natürlichen Ressourcen. Das gemeinsame Schicksal müsse von Afrikanern selbst gestaltet werden.

Der zentralen Veranstaltung waren mehrere gemeinsame Aktivitäten vorausgegangen. Dazu gehörten eine Podiumsdiskussion über afrikanische Einheit in einer veränderten Weltordnung und ein Fußballspiel zwischen Mitarbeitern des eritreischen Außenministeriums und einer Auswahl afrikanischer Botschaften in Asmara.

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