Die Bundesregierung hat anhaltende Engpässe bei Schengen-Visa eingeräumt und zugleich am Einsatz externer Dienstleister wie TLScontact festgehalten. Am 18. März 2026 antwortete sie auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion zu Terminproblemen, Bot-Angriffen und der Aufsicht des Auswärtigen Amts. Betroffen sind auch mehrere afrikanische Staaten, darunter Marokko, Ägypten, Kenia, Südafrika, Tunesien, Uganda und Tansania. Die Bundesregierung betont, dass neue Termine regelmäßig freigeschaltet werden und die Auslandsvertretungen die größtmögliche Zahl an Antragsfenstern bereitstellen.
Damit rückt ein Problem in den Fokus, das für Familien, Reisende und Geschäftsleute in mehreren Ländern spürbar ist. Zwar sollen externe Dienstleister nach den Vorgaben des Auswärtigen Amts genug Termine anbieten, um die Nachfrage ohne Wartezeiten zu bedienen. In der Praxis stoßen diese Systeme nach Darstellung der Bundesregierung jedoch an Grenzen, wenn die Bearbeitungskapazitäten der Visastellen nicht ausreichen.
Terminlage bleibt in mehreren Ländern angespannt
Ausgangspunkt der Anfrage war ein Fall aus Ägypten. Dort soll die Ehefrau eines deutschen Staatsbürgers über Monate keinen regulären Termin für ein Schengen-Visum erhalten haben. In der Anfrage werden außerdem Berichte über fehlende Termine in Marokko, Algerien, Nigeria und Indien erwähnt. Zugleich standen Vorwürfe im Raum, dass automatisierte Zugriffe und inoffizielle Vermittler freie Termine abgreifen und weiterverkaufen könnten.

Die Bundesregierung widerspricht dem Grundvorwurf eines strukturell versperrten Zugangs nicht ausdrücklich, verweist aber auf den weltweiten Anstieg der Visanachfrage. Dieser führe zu Engpässen und längeren Wartezeiten. Für Ägypten nennt sie ein konkretes Beispiel: In Kairo gebe es bei touristischen Schengen-Visa Engpässe, bei Besuchsaufenthalten von Ehegatten und Kindern dagegen derzeit keine Wartezeiten. Im Annahmezentrum Hurghada würden täglich neue Termine freigeschaltet, die innerhalb der nächsten drei Monate verfügbar seien, aber schnell ausgebucht würden.
Auswärtiges Amt setzt auf Kontrollen und technische Schutzmaßnahmen
An dem Modell mit externen Dienstleistern will die Bundesregierung festhalten. Sie verweist darauf, dass diese nur die Annahme, Weiterleitung und Rückgabe von Anträgen übernehmen. Die Entscheidung über Visa bleibe eine hoheitliche Aufgabe der deutschen Auslandsvertretungen. Externe Anbieter hätten keinen Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens.
Gleichzeitig räumt die Bundesregierung ein, dass im Umfeld von Visastellen Agenturen mit eigenen Geschäftsmodellen auftreten. Diese böten Antragstellenden an, schneller an Termine zu kommen, stünden aber in keiner vertraglichen Beziehung zu den deutschen Auslandsvertretungen oder den beauftragten Dienstleistern. Das Auswärtige Amt und die Visastellen warnen nach eigenen Angaben auf Internetseiten, in sozialen Medien und per Aushang vor solchen Angeboten.
Zum Schutz der Terminvergabe nennt die Bundesregierung Geofencing, Bot-Erkennung, Captchas und die Pflicht zur Vorabzahlung des Serviceentgelts. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollen. Die Visumannahmezentren würden mindestens dreimal pro Jahr unangekündigt durch die zuständigen Auslandsvertretungen überprüft. Außerdem gebe es weitere Kontrollen im Rahmen von Organisationsberatungsreisen sowie unabhängige Prüfungen durch EU-Kommission, Bundesrechnungshof und die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.
Bundesregierung sieht keinen Reformbedarf
Trotz der anhaltenden Beschwerden sieht die Bundesregierung keinen grundsätzlichen Änderungsbedarf bei der Auslagerung konsularischer Dienstleistungen. Sie verweist stattdessen auf laufende Verbesserungen wie Terminwartelisten und den Ausbau von Bearbeitungskapazitäten. Auch prüfbare Protokolle zur Terminvergabe lägen vor. Nach Darstellung der Bundesregierung erfolgt die Vergabe über Wartelisten vollständig automatisiert, sodass sich die chronologische Zuteilung nachvollziehen lasse.

Für dringende humanitäre oder medizinische Fälle nennt die Bundesregierung zwei Auswege. Antragstellende können sich per E-Mail an die jeweilige Auslandsvertretung wenden und einen Sondertermin beantragen. In besonderen Notfällen kann die Antragsannahme auch direkt an der Visastelle erfolgen, etwa bei lebensrettender medizinischer Behandlung oder beim Tod naher Angehöriger.
Gerade für afrikanische Staaten ist die Debatte politisch heikel. In mehreren Ländern des Kontinents läuft die Visavergabe für Deutschland über externe Dienstleister. TLScontact ist nach Angaben der Bundesregierung unter anderem in Ägypten, Kenia, Marokko, Mauritius, Namibia, Südafrika, Tansania, Tunesien und Uganda mit der Annahme von Schengen-Visumanträgen beauftragt. Weitere externe Dienstleister sind auch in Algerien und Nigeria im Einsatz.

