Ägypten und USA koordinieren Afrika-Dossiers: El-Sisi spricht mit Massad Boulos über Sudan, Libyen und den Nil

Ägyptens Präsident Abdel Fattah El-Sisi hat am 15. Januar 2026 den US-Seniorberater für arabische und afrikanische Angelegenheiten, Massad Boulos, in Kairo empfangen. Im Zentrum des Gesprächs standen die Vertiefung der strategischen Beziehungen zwischen Ägypten und den Vereinigten Staaten sowie die Abstimmung zu regionalen Krisen, insbesondere im Sudan, in Libyen und am Horn von Afrika. Parallel dazu intensivierte Ägypten seine diplomatischen Aktivitäten zur Sudan-Krise mit einem hochrangig besetzten Treffen in Kairo. Zudem wurden Wasserfragen als sicherheitspolitische Priorität benannt, während aus Washington Signale zu einer neuen Vermittlungsrolle im Streit um den Nil und zum Aufbau eines „Gaza Peace Council“ kamen.

Treffen in Kairo: Strategische Kooperation und regionale Koordination

Nach Angaben des ägyptischen Präsidialamts übermittelte Massad Boulos Präsident El-Sisi Grüße und Anerkennung von US-Präsident Donald Trump. El-Sisi bekräftigte demnach die Bedeutung der strategischen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten und bat darum, seine Grüße an Trump weiterzuleiten. An dem Treffen nahmen unter anderem Außenminister Badr Abdel-Atty, der Leiter des ägyptischen Nachrichtendienstes Hassan Rashad sowie Vertreter der US-Botschaft in Kairo teil.

Inhaltlich ging es um Wege, die bilateralen Beziehungen auszubauen und den Schwung der vergangenen Phase zu nutzen, um die Zusammenarbeit in verschiedenen Feldern zu vertiefen. Als wirtschaftliches Format wurde die zweite Ausgabe des „Egyptian-American Economic Forum 2026“ hervorgehoben. Politisch betonten beide Seiten die Notwendigkeit, Konsultationen und Koordination zu regionalen Konfliktlagen zu verstärken, insbesondere zur Lage im Sudan, in Libyen und am Horn von Afrika, mit dem Ziel, Stabilität in der Region zu fördern.

Sudan als Schwerpunkt: Unterstützung für Diplomatie und „rote Linien“ Ägyptens

Sudan bildete einen Schwerpunkt der Gespräche. El-Sisi äußerte sich anerkennend über das Interesse des US-Präsidenten, den Krieg im Sudan zu beenden. Er bekräftigte Ägyptens Unterstützung für regionale und internationale Bemühungen zur Herstellung von Sicherheit und Stabilität im Sudan. Ägypten betonte zudem seine Position zur Souveränität, Einheit und territorialen Integrität des Nachbarstaats sowie die Ablehnung von Schritten, die Sudans Stabilität untergraben könnten. El-Sisi stellte in diesem Zusammenhang den engen Bezug zwischen der nationalen Sicherheit beider Länder heraus.

Die Sudan-Diplomatie wurde am 14. Januar 2026 durch ein Treffen in Kairo ergänzt, das von Ägyptens Außenminister Badr Abdel-Atty geleitet wurde. Daran nahmen nach ägyptischen Angaben Delegationen regionaler und internationaler Staaten und Organisationen teil, darunter der persönliche UN-Sondergesandte Ramtane Lamamra, Massad Boulos sowie der emiratische Staatsminister Sheikh Shakhboot bin Nahyan. Abdel-Atty sagte, die Sudan-Krise erfordere koordinierte internationale und regionale Anstrengungen zur Beschleunigung eines Endes der Gewalt. Er verwies auf schwere Folgen für die regionale Sicherheit, insbesondere für Nachbarstaaten, das Horn von Afrika und den Raum am Roten Meer.

Im Kontext dieser Gespräche wurde zudem auf den „International Quartet“-Mechanismus verwiesen, dem die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA, Ägypten und Saudi-Arabien angehören. In diesem Rahmen wurde eine Roadmap beschrieben, die eine humanitäre Waffenruhe und die Erleichterung humanitärer Hilfe vorsieht, gefolgt von einem dauerhaften Waffenstillstand und einem inklusiven politischen Prozess mit sudanesischer Eigenverantwortung.

Humanitäre Dimension: Zugang zu Hilfe und Lage vor Ort

Aus den Beratungen wurde auch eine humanitäre Dimension hervorgehoben. Massad Boulos erklärte, eine erste Lieferung lebenswichtiger Hilfe habe El Fasher erreicht, die belagerte Hauptstadt von Nord-Darfur. Genannt wurden Lebensmittel, Mittel zur Wasseraufbereitung und Gesundheitskits. Gleichzeitig wurde betont, dass weitere Bemühungen auf eine landesweite humanitäre Waffenruhe und ungehinderten Zugang für Hilfslieferungen abzielen, auch in Regionen mit Hunger, Mangelernährung und Vertreibung.

In der Berichterstattung zur Lage im Sudan wurden zudem konkrete Belastungen der zivilen Infrastruktur beschrieben. Als Beispiel wurde eine Unterbrechung des Betriebs eines Dialysezentrums in Al-Huda (Al-Managil) genannt, nachdem das Gebäude als militärische Unterkunft genutzt worden sei. Ebenfalls berichtet wurden Praktiken der Rekrutierung, darunter Zwangsrekrutierungen sowie Hinweise auf die Rekrutierung von Minderjährigen, verbunden mit Debatten über völkerrechtliche und strafrechtliche Einordnung.

Libyen und Horn von Afrika: Regionale Krisen als gemeinsamer Abstimmungsrahmen

Neben Sudan wurden Libyen und das Horn von Afrika als prioritäre Dossiers genannt, zu denen Ägypten und die USA ihre Konsultationen intensivieren wollen. Der Fokus lag dabei auf Deeskalation, politischen Lösungen und der Bewahrung staatlicher Souveränität. In den Gesprächen wurde ein gemeinsames Verständnis beschrieben, Spannungen zu reduzieren und politische Auswege aus regionalen Krisen zu fördern. Dabei wurde auch der Schutz nationaler Ressourcen und die Einheit staatlicher Territorien als Zielmarke genannt.

Wasser als Sicherheitsfrage: Nil-Streit und US-Vermittlungsangebot

Ein eigener Teil der Gespräche betraf Wasserpolitik. El-Sisi betonte, Ägyptens Wassersicherheit sei von existenzieller Bedeutung und eine Priorität, die direkt mit der nationalen Sicherheit verknüpft sei. Vor diesem Hintergrund wurde am 17. Januar 2026 berichtet, US-Präsident Trump habe El-Sisi in einem Schreiben angeboten, eine amerikanische Vermittlung im Streit um den Grand Ethiopian Renaissance Dam wieder aufzunehmen. El-Sisi begrüßte demnach das Angebot und verwies auf Ägyptens Bereitschaft zu ernsthafter Kooperation im Rahmen internationalen Rechts und des Prinzips, keinen erheblichen Schaden zu verursachen. Sudan äußerte ebenfalls Unterstützung für die US-Initiative.

Gaza-Dossier als regionaler Kontext: Einladung in einen „Gaza Peace Council“

Am 18. Januar 2026 wurde zudem berichtet, Trump habe El-Sisi eingeladen, einem „Gaza Peace Council“ beizutreten. Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty sagte, die Angelegenheit werde geprüft. In diesem Kontext wurden zudem Gespräche des ägyptischen Geheimdienstchefs Hassan Rashad mit Vertretern eines palästinensischen Verwaltungskomitees zur Übergangsphase im Gazastreifen erwähnt. Genannt wurde Ägyptens Bereitschaft, die Arbeit des Komitees zu unterstützen, verbunden mit der Position, eine Vertreibung von Palästinensern abzulehnen.

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