Deutschland stellt Uganda weitere 50 Millionen Euro als Zuschüsse für die Strom- und Wasserversorgung, Landwirtschaft und Unterstützung von Flüchtlingsgemeinden bereit. Die Zusage wurde bei den deutsch-ugandischen Regierungsverhandlungen am 3. November 2026 in Kampala vereinbart. Mit 35 Millionen Euro fließen 70 Prozent der Mittel in die Wasser- und Energieversorgung, darunter 18 Millionen Euro für die Elektrifizierung der nordwestlichen Region West Nile. Beide Regierungen wollen zugleich deutsche und europäische Unternehmen stärker in die wirtschaftliche Entwicklung Ugandas einbeziehen.
Die Vereinbarung umfasst 30 Millionen Euro für die finanzielle Zusammenarbeit und 20 Millionen Euro für die technische Zusammenarbeit. Die neuen Mittel sind als Zuschüsse vorgesehen, nicht als rückzahlbare Kredite. Sie bilden nach Angaben der deutschen Botschafterin Sigrid Sommer eine Grundlage für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit in den kommenden zwei Jahren.
35 Millionen Euro für Wasser und Strom
Den größten Teil der neuen Finanzierung erhält die Wasser- und Energieversorgung. Insgesamt 35 Millionen Euro sind für entsprechende Vorhaben vorgesehen, die den Zugang zu grundlegender Infrastruktur verbessern und wirtschaftliche Aktivitäten unterstützen sollen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Region West Nile im Nordwesten Ugandas. Dort sind 18 Millionen Euro für den Ausbau der Stromversorgung vorgesehen. Die Region grenzt an die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan und ist wirtschaftlich eng mit beiden Nachbarländern verbunden.
Die zusätzliche Elektrifizierung soll insbesondere landwirtschaftlichen Betrieben und Unternehmen zugutekommen. Eine zuverlässigere Energieversorgung kann die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, den Betrieb kleiner Unternehmen und den regionalen Handel erleichtern.
Auch bei der Wasserversorgung setzt Deutschland seine Unterstützung fort. In Karuma wurden mit deutscher Hilfe Versorgungssysteme errichtet, die nach ugandischen Angaben mehr als 480.000 Menschen erreichen sollen. Vier weitere Wassersysteme wurden im März 2026 in West Nile übergeben und sollen rund 70.000 Menschen versorgen.
Zehn Millionen Euro für Landwirtschaft und lokale Wirtschaft
Weitere zehn Millionen Euro sind für die Agrarwirtschaft und die lokale Wirtschaftsentwicklung bestimmt. Die Zusammenarbeit soll landwirtschaftliche Wertschöpfung, kleinere Unternehmen und wirtschaftliche Aktivitäten insbesondere in ländlichen Regionen unterstützen.
Die ugandische Regierung verbindet diese Förderung mit ihrem vierten nationalen Entwicklungsplan und der sogenannten Tenfold Growth Strategy. Mit dieser Wirtschaftsstrategie strebt Kampala eine Verzehnfachung der Wirtschaftsleistung bis 2040 an. Im Zentrum stehen die industrielle Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Tourismus, Rohstoffe sowie Wissenschaft, Technologie und Innovation.

Bei den Regierungsverhandlungen forderte Uganda zudem stärkere deutsche Investitionen in die Produktion, Verarbeitung und den Export. Als mögliche Bereiche der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurden unter anderem Kaffee, Tee, Fisch sowie Maschinen und chemische Erzeugnisse genannt.
Ugandas Finanzminister Henry Musasizi schlug strukturierte Gespräche mit deutschen Unternehmen vor, um konkrete Investitionsprojekte zu identifizieren und qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.
Neben der bilateralen Finanzierung bat die ugandische Seite Deutschland um Unterstützung bei der Mobilisierung zusätzlicher Mittel für Eisenbahnen, Bewässerung und Energieinfrastruktur. Dabei sollen unter anderem die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank eine Rolle spielen.
Fünf Millionen Euro für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden
Ein weiterer Schwerpunkt der deutschen Zusagen betrifft die Aufnahme und wirtschaftliche Integration von Geflüchteten. Fünf Millionen Euro sind für Flüchtlinge, ihre Beteiligung am wirtschaftlichen Leben und die Unterstützung der aufnehmenden Gemeinden sowie damit verbundene Maßnahmen vorgesehen.
Uganda beherbergte im September 2026 nach Angaben des ugandischen Finanzministeriums rund 2,05 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende. Damit gehört das Land zu den wichtigsten Aufnahmestaaten für Vertriebene in Afrika.
Viele der Schutzsuchenden stammen aus dem benachbarten Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo. Die Aufnahme großer Flüchtlingsgruppen erhöht insbesondere im Norden und Nordwesten des Landes den Bedarf an Wasser, Energie, Schulen und anderen öffentlichen Dienstleistungen.
Deutschland unterstützt deshalb nicht ausschließlich die Geflüchteten, sondern auch die Gemeinden, die sie aufnehmen. Durch Investitionen in Infrastruktur und lokale Wirtschaft sollen beide Bevölkerungsgruppen von den Projekten profitieren.
Der Leiter der deutschen Delegation, Joachim Schmitt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), würdigte Ugandas Flüchtlingspolitik und bestätigte die fortgesetzte deutsche Unterstützung für West Nile und die dortigen Aufnahmegemeinden.
Deutschland will Unternehmen stärker an der Zusammenarbeit beteiligen
Die Regierungsverhandlungen standen auch im Zeichen einer engeren Verbindung von Entwicklungszusammenarbeit, Handel und Investitionen.
Schmitt, Leiter des BMZ-Referats für Zentral- und Ostafrika, erklärte, die deutsche Zusammenarbeit werde Ugandas langfristige Entwicklungsstrategie unterstützen. Dabei sollen ugandische, deutsche und europäische Unternehmen stärker eingebunden werden, um wirtschaftliche Potenziale zu erschließen und Arbeitsplätze zu schaffen.
Die deutsche Botschafterin Sigrid Sommer bezeichnete die Vereinbarungen als weiteren Schritt in den seit mehr als sechs Jahrzehnten bestehenden bilateralen Beziehungen. Deutschland werde seine Entwicklungszusammenarbeit mit Uganda gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der KfW Entwicklungsbank fortsetzen.
Die GIZ übernimmt in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vor allem technische Beratung, Ausbildung und die Unterstützung staatlicher und lokaler Institutionen. Die KfW Entwicklungsbank finanziert unter anderem Infrastruktur- und Investitionsvorhaben.
Deutschland unterstrich bei den Gesprächen zugleich die Bedeutung guter Regierungsführung, transparenter Institutionen, gesellschaftlicher Beteiligung und der Achtung der Menschenrechte. Schmitt bezeichnete diese Voraussetzungen ebenso wie ein verlässliches Investitionsumfeld als Grundlagen einer nachhaltigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Mehr als 60 Jahre deutsch-ugandische Entwicklungszusammenarbeit
Deutschland und Uganda unterhalten seit der Unabhängigkeit des ostafrikanischen Staates im Jahr 1962 diplomatische Beziehungen. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich seit vielen Jahren auf Energie, Wasser, Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und die Unterstützung von Geflüchteten.
Bei den Regierungsverhandlungen 2022 hatte die Bundesregierung Uganda neue Mittel in Höhe von 68,8 Millionen Euro zugesagt.
Zu den laufenden Projekten gehört auch die berufliche Qualifizierung im Energiesektor. Nach ugandischen Angaben wurden über das Renewable Energy Training Centre bereits mehr als 1.000 Techniker und Fachkräfte ausgebildet, darunter rund 60 Prozent Frauen.
Die jetzt vereinbarten zusätzlichen 50 Millionen Euro knüpfen an diese Zusammenarbeit an. Die Zusagen legen zunächst den finanziellen Rahmen fest. Die konkrete Umsetzung, vertragliche Beauftragung und Auszahlung erfolgen im Rahmen der jeweiligen Entwicklungsprojekte.

