Ägypten versucht neuen Iran-Krieg abzuwenden – Regierung bereitet sich auf wirtschaftliche Folgen vor

Ägypten warnt vor einem neuen Krieg zwischen den USA und Iran. Während Außenminister Abdelatty mit Teheran und den Golfstaaten verhandelt, bereitet die Regierung Sparmaßnahmen, zusätzliche Vorräte und eine wirtschaftliche Krisenvorsorge vor.

Ägypten hat eine diplomatische Initiative zur Verhinderung neuer Kämpfe zwischen den USA und Iran gestartet und bereitet gleichzeitig seine Wirtschaft auf eine mögliche Eskalation im Nahen Osten vor. Am Dienstag, dem 3. November 2026, führte Außenminister Badr Abdelatty Gespräche mit seinen Amtskollegen aus Iran, Saudi-Arabien, Katar, Oman und Irak, während Präsident Abdel Fattah al-Sisi vor den Folgen eines erneuten Krieges warnte. Die Initiative folgt auf begrenzte amerikanische Angriffe auf die iranische Insel Qeschm in der Straße von Hormus. In Kairo prüft die Regierung inzwischen Einsparungen im Staatshaushalt, einen geringeren Energieverbrauch und zusätzliche Vorräte an lebenswichtigen Gütern.

Ägypten versucht damit, eine erneute militärische Eskalation diplomatisch abzuwenden und zugleich mögliche Folgen für die eigene Bevölkerung und Wirtschaft zu begrenzen. Das Land ist besonders auf stabile Handelswege, Energieimporte und die Einnahmen aus dem Suezkanal angewiesen.

Die amerikanischen Angriffe auf Qeschm hatten die Befürchtungen eines erneuten umfassenden Krieges verstärkt. US-Vertreter bezeichneten die Schläge als begrenzte Verteidigungsmaßnahmen gegen iranische Luftabwehrstellungen. Sie seien keine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen, erklärten amerikanische Regierungsvertreter.

Kairo spricht mit Teheran und den Golfstaaten über neue Verhandlungen

Außenminister Abdelatty telefonierte am Dienstagabend mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi. Im Mittelpunkt standen die jüngsten militärischen Entwicklungen und die Gefahr, dass die Auseinandersetzung zwischen Washington und Teheran erneut eskalieren könnte.

Abdelatty forderte alle Beteiligten auf, Zurückhaltung zu üben, diplomatische Kontakte zu intensivieren und die notwendige Flexibilität für eine politische Verständigung aufzubringen.

Beide Minister besprachen außerdem die laufenden Vermittlungsbemühungen regionaler Staaten. Ziel ist eine umfassende Vereinbarung, die die Sicherheitsinteressen der beteiligten Seiten berücksichtigt.

Ägypten unterhält keine vollständigen diplomatischen Beziehungen mit Iran, hält aber direkte Gesprächskanäle zwischen den Außenministern offen.

Bereits zuvor hatte Abdelatty mit Katars Regierungschef und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani telefoniert. Beide vereinbarten, ihre Kontakte zu den Konfliktparteien zu verstärken und den laufenden Verhandlungen ausreichend Zeit einzuräumen.

Katar spielt bei den Bemühungen um eine Einigung zwischen Washington und Teheran eine zentrale Vermittlerrolle. Nach Angaben aus Doha prüfen beide Seiten Vorschläge, die über die Vermittler übermittelt wurden.

Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter erklärte gegenüber Reuters allerdings, dass die Positionen der USA und Irans weiterhin weit auseinanderlägen. Eine Vereinbarung zur Beendigung des Konflikts sei noch nicht erreicht.

Ägypten will weitere Kämpfe am Golf verhindern

Auch Saudi-Arabien, Oman und Irak waren in die ägyptische Gesprächsinitiative eingebunden.

Mit dem saudischen Außenminister Faisal bin Farhan beriet Abdelatty über die Verschärfung der regionalen Spannungen und die Möglichkeiten einer diplomatischen Verständigung. Dabei bekräftigte er, dass Ägypten Bedrohungen der Sicherheit Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten zurückweise.

Im Gespräch mit Omans Außenminister Badr al-Busaidi vereinbarten beide Seiten, ihre politischen Konsultationen fortzusetzen und auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien hinzuwirken.

Oman verfügt über langjährige diplomatische Kontakte zu Iran und hatte bereits vor Beginn des Krieges zwischen Washington und Teheran vermittelt.

Gegenüber Iraks Außenminister Fuad Hussein warnte Abdelatty vor einer Ausweitung der militärischen Konfrontation. Beide Politiker betonten die Bedeutung diplomatischer Lösungen und der Sicherheit internationaler Schifffahrtswege.

Parallel sprach Präsident al-Sisi mit Bahrains König Hamad bin Isa Al Khalifa. Beide bekräftigten ihre Unterstützung für eine friedliche Lösung der Iran-Krise und vereinbarten eine engere politische Abstimmung.

Al-Sisi rief Washington und Teheran dazu auf, den Verhandlungen eine Chance zu geben. Ein erneuter Krieg könnte nach seiner Einschätzung schwerwiegende politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Folgen für die gesamte Region auslösen.

Regierung erhöht Krisenvorsorge für Lebensmittel und Energie

Die diplomatischen Bemühungen werden von wirtschaftspolitischen Vorbereitungen begleitet.

Ministerpräsident Mostafa Madbouly berief am 2. November das zentrale Krisenmanagementkomitee der ägyptischen Regierung ein. An der Sitzung nahmen unter anderem die Minister für Finanzen, Energie, Landwirtschaft, Versorgung und Industrie sowie der Gouverneur der Zentralbank teil.

Die Regierung prüft verschiedene Szenarien für eine Verschärfung des regionalen Konflikts. Dazu gehören mögliche Störungen internationaler Lieferketten, höhere Energiekosten und zusätzliche Belastungen für den Staatshaushalt.

Madbouly kündigte an, die strategischen Vorräte an wichtigen Waren weiter auszubauen. Gleichzeitig sollen die staatlichen Ausgaben und der Energieverbrauch öffentlicher Einrichtungen begrenzt werden.

Finanzminister Ahmed Kouchouk und Planungsminister Ahmed Rostom arbeiten an einem entsprechenden Spar- und Effizienzprogramm. Die Regierung will dabei sicherstellen, dass die Finanzierung lebenswichtiger Güter und die wirtschaftliche Produktion aufrechterhalten werden.

Versorgungsminister Sherif Farouk erklärte, die strategischen Lebensmittel- und Warenreserven reichten im Durchschnitt für sechs Monate. Bei einigen Produkten liege die Reichweite bereits darüber. Zusätzliche Lieferverträge sollen die Vorräte weiter erhöhen.

Außerdem verwies Farouk auf eine staatliche Initiative, über die derzeit 30 Grundbedarfsgüter zu Preisen angeboten werden, die nach Regierungsangaben 15 bis 25 Prozent unter den üblichen Marktpreisen liegen.

Konkrete neue Beschränkungen für private Haushalte wurden nicht angekündigt. Die geplanten Einsparmaßnahmen betreffen zunächst die staatlichen Ausgaben und den Verbrauch öffentlicher Einrichtungen.

Ägypten warnt vor Gefahren für Suezkanal und Welthandel

Die Sorge vor einem erneuten Krieg betrifft für Ägypten besonders die Sicherheit der internationalen Seewege.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Verbindungen für den weltweiten Öl- und Gastransport. Weitere Gefahren bestehen im Roten Meer und an der Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Jemen und dem Horn von Afrika.

Beide Seegebiete sind eng mit dem Suezkanal verbunden, über den ein großer Teil des Warenverkehrs zwischen Europa und Asien abgewickelt wird.

Bereits die Angriffe der Huthi-Miliz auf Handelsschiffe hatten zahlreiche Reedereien veranlasst, ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas umzuleiten. Damit gingen Ägypten Einnahmen aus dem Suezkanal verloren.

Die erneuten Spannungen zwischen Iran und den USA treffen deshalb auf eine bereits belastete regionale Handels- und Sicherheitslage.

Während der Gespräche mit Katar und Irak betonte Abdelatty ausdrücklich die Bedeutung freier und sicherer Schifffahrtswege. Auch Katar erklärte, eine politische Verständigung müsse die Sicherheit der maritimen Verbindungen gewährleisten.

Ägypten bestätigt defensive Unterstützung für Golfstaaten

Bereits beim Sicherheitsforum Manama Dialogue in Bahrain hatte Abdelatty am 31. Oktober vor einer Wiederaufnahme größerer militärischer Auseinandersetzungen gewarnt.

Dabei bestätigte er, dass Ägypten seit Beginn des Krieges am 28. Februar einige Golfstaaten unterstützt habe. Diese Unterstützung sei ausschließlich defensiver Natur gewesen und werde fortgesetzt.

Nähere Angaben zur Art oder zum Umfang der ägyptischen Unterstützung machte der Außenminister nicht.

Abdelatty stellte zugleich ein neues Konzept für die regionale Sicherheitsordnung vor. Ägypten strebt eine Zusammenarbeit an, die auf gegenseitiger Achtung der staatlichen Souveränität, dem Verzicht auf Gewalt und verbindlichen politischen Regeln beruht.

Als mögliches Vorbild nannte er die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Ein vergleichbarer Rahmen im Nahen Osten könne gemeinsame Sicherheitsregeln schaffen und militärische Missverständnisse verhindern.

Neben diplomatischen Gesprächskanälen schlug Abdelatty Mechanismen zur Frühwarnung, Krisenbewältigung und Vertrauensbildung vor. Dazu gehörten auch Verhandlungen über Raketen, Drohnen und die Verhinderung einer nuklearen Aufrüstung.

Die regionale Sicherheit müsse nach ägyptischer Auffassung in erster Linie von den Staaten der Region selbst gestaltet werden. Internationale Partner könnten diesen Prozess unterstützen, sollten ihn aber nicht bestimmen.

Ägypten fordert langfristige Sicherheitsordnung statt neuer Militärbündnisse

Auf dem Manama Dialogue erklärte Abdelatty, die Länder des Nahen Ostens müssten von einer Politik der kurzfristigen Krisenbewältigung zu einer dauerhaften regionalen Sicherheitsordnung übergehen.

Die bisherigen Konflikte hätten gezeigt, dass militärische Abschreckung allein keinen dauerhaften Frieden schaffen könne. Gleichzeitig benötige Diplomatie wirksame Sicherheitsgarantien, um neue Auseinandersetzungen zu verhindern.

„Abschreckung ohne Diplomatie kann einen Krieg aufschieben, aber nicht verhindern“, sagte Abdelatty.

Der Außenminister sprach sich außerdem für eine Region ohne Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen aus. Die Sicherheit der Golfstaaten bezeichnete er ausdrücklich als Bestandteil der ägyptischen und der gemeinsamen arabischen Sicherheit.

Als weitere Voraussetzung für eine langfristige Friedensordnung nannte er eine politische Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts auf Grundlage eines unabhängigen palästinensischen Staates.

In der anschließenden Diskussion warnte Abdelatty, dass eine neue Runde militärischer Auseinandersetzungen mit Iran noch schwerere Folgen als die vorherige haben könnte.

„Eine zweite Runde wird gefährlicher und zerstörerischer sein und zu nichts führen“, erklärte der Außenminister.

Konkrete Ergebnisse der neuen diplomatischen Gespräche vom 3. November wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Washington und Teheran verhandeln weiterhin indirekt über Vermittler, während Ägypten und weitere Regionalstaaten versuchen, die Gespräche fortzuführen.

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