Serap Güler in Burundi: Deutschland kündigt 500.000 Euro Hilfe an – Regierung fordert engere Zusammenarbeit

Erstmals seit 2011 führt wieder ein Mitglied der Bundesregierung politische Gespräche in Burundi, erklärt Staatsministerin Serap Güler. Deutschland kündigt 500.000 Euro Hilfe und Unterstützung für das Nationalmuseum in Gitega an, während Burundi eine Rückkehr deutscher Entwicklungsorganisationen fordert.

Deutschland will seine Beziehungen zu Burundi ausbauen und stellt dem ostafrikanischen Land zusätzliche humanitäre Hilfe in Höhe von 500.000 Euro sowie Unterstützung bei der Modernisierung des Nationalmuseums in Gitega in Aussicht. Die Zusagen wurden nach einem Treffen von Staatsministerin Serap Güler mit Präsident Évariste Ndayishimiye am 22. Oktober 2026 in Bujumbura bekannt gegeben. Burundi drängt zugleich auf eine stärkere deutsche Entwicklungszusammenarbeit, Investitionen und die Rückkehr deutscher Entwicklungsorganisationen. Im Zentrum der Gespräche standen außerdem der Krieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo, die Aufnahme kongolesischer Flüchtlinge und Burundis Vorsitz der Afrikanischen Union.

Der Besuch markiert eine Wiederaufnahme hochrangiger politischer Kontakte. Güler erklärte anschließend, seit 2011 habe keine Bundesregierung mehr politische Gespräche vor Ort geführt. Die CDU-Politikerin bereist derzeit Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo.

Burundi fordert Rückkehr deutscher Entwicklungsorganisationen

Präsident Ndayishimiye empfing Güler im Präsidentenpalast Ntare Rushatsi. Dabei verwies er auf die historischen Beziehungen zwischen beiden Staaten und forderte eine Neubelebung der wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.

Das heutige Burundi gehörte bis zum Ersten Weltkrieg zur deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Beide Regierungen wollen diese gemeinsame Geschichte auch für neue Kooperationsprojekte nutzen.

Ndayishimiye stellte insbesondere die langfristigen Entwicklungsziele seines Landes und die wirtschaftlichen Perspektiven junger Menschen heraus. Deutschland solle Burundi bei Projekten unterstützen, die Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und den Zugang zu wirtschaftlichen Chancen verbessern.

Weitere von der burundischen Regierung benannte Bereiche sind die Trinkwasserversorgung, der Bergbau und der Tourismus. Ndayishimiye bat um deutschen Wissenstransfer bei der Erschließung und Nutzung mineralischer Rohstoffe.

Bereits am 21. Oktober hatte Außenminister Édouard Bizimana gegenüber Güler eine stärkere institutionelle Präsenz Deutschlands gefordert. Konkret sprach er sich für die Rückkehr deutscher Entwicklungspartner wie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) aus.

Burundi möchte außerdem wieder stärker in deutsche Programme und Finanzierungsinstrumente der Entwicklungszusammenarbeit einbezogen werden.

Güler sagte nach Darstellung des burundischen Außenministeriums zu, die Entwicklungsprioritäten des Landes auch gegenüber europäischen Institutionen anzusprechen. Gleichzeitig betonte sie die Bedeutung wirtschaftlicher Reformen, um Investitionsbedingungen zu verbessern und ausländische Unternehmen anzuziehen.

Deutschland unterstützt Nationalmuseum in Gitega

Eine konkrete Vereinbarung betrifft die Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte.

Nach Angaben der burundischen Präsidentschaft kündigte Güler an, dass Deutschland zur Modernisierung des Nationalmuseums in Gitega beitragen werde. Über die Höhe des deutschen Beitrags und einen Zeitplan wurden zunächst keine Einzelheiten veröffentlicht.

Präsident Ndayishimiye hatte darüber hinaus Unterstützung bei der Erschließung des historischen Standorts „Failles des Allemands“ angeregt.

Die Zusammenarbeit im Kulturbereich soll nach dem Willen Burundis auch den Tourismus fördern und historische Stätten stärker für Besucher zugänglich machen.

Für Gülers Reise hatte das Auswärtige Amt bereits angekündigt, dass die Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit ein Schwerpunkt der politischen Gespräche sein werde.

Weitere 500.000 Euro für humanitäre Hilfe

Neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit standen die Folgen des Krieges im Osten der Demokratischen Republik Kongo im Vordergrund.

Die burundische Präsidentschaft gab bekannt, dass Güler zusätzliche humanitäre Unterstützung Deutschlands in Höhe von 500.000 Euro angekündigt habe.

Burundi hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen aufgenommen, die vor den Kämpfen im Nachbarland geflohen sind. Die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge belastet die ohnehin begrenzten staatlichen Ressourcen.

Burundi hat mehr als 100.000 Flüchtlinge aus der DR Kongo aufgenommen. Sie würdigte die Aufnahmebereitschaft des Landes und verwies auf die finanzielle Unterstützung Deutschlands und der Europäischen Union für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR).

Am 23. Oktober besuchte die Staatsministerin gemeinsam mit der UNHCR-Vertreterin Brigitte Mukanga-ENO das Flüchtlingslager Cishemere nahe der Grenze zum Ostkongo. Dort leben derzeit rund 3.000 Flüchtlinge, darunter zahlreiche Kinder.

Die Staatsministerin sprach mit Bewohnern des Lagers und informierte sich über ihre Lebensbedingungen.

Die Flüchtlinge äußerten nach Angaben des UNHCR den Wunsch, in ihre Heimat zurückzukehren, sobald dort wieder Frieden herrscht. Erste Rückführungen in sicherere Herkunftsgebiete haben bereits begonnen. In anderen Regionen verhindert die weiterhin angespannte Sicherheitslage eine Rückkehr.

UNHCR-Vertreterin Mukanga-Eno würdigte den deutschen Beitrag zur Flüchtlingsversorgung und rief internationale Partner dazu auf, sowohl die weitere Versorgung in Burundi als auch sichere Rückkehrmöglichkeiten zu unterstützen.

Deutschland setzt auf Burundis Rolle im Ostkongo-Friedensprozess

Der Konflikt im Osten der DR Kongo war auch Gegenstand der Gespräche zwischen Güler und Präsident Ndayishimiye.

Burundi ist durch seine gemeinsame Grenze mit der DR Kongo und die Aufnahme kongolesischer Flüchtlinge unmittelbar von den Kämpfen betroffen.

Zugleich hat das Land seit Februar 2026 den turnusmäßigen Vorsitz der Afrikanischen Union inne. Präsident Ndayishimiye ist damit auch in die diplomatischen Bemühungen um Frieden in verschiedenen afrikanischen Konfliktregionen eingebunden.

Güler würdigte Burundis Rolle bei der regionalen Vermittlung und forderte eine Beschleunigung der Friedensbemühungen im Ostkongo.

Die Gespräche betrafen darüber hinaus die Konflikte im Sudan und in der Sahelregion. Deutschland unterstützt Vermittlungsprozesse afrikanischer Regionalorganisationen und setzt auf politische Lösungen für die anhaltenden Sicherheitskrisen.

Außenminister Bizimana bezeichnete Burundi als Stabilitätsfaktor in der Region der Großen Seen. Zugleich verwies er darauf, dass die Kämpfe im Ostkongo die regionale wirtschaftliche Integration und Entwicklung beeinträchtigen.

Deutsche Unternehmen und Reformen als weitere Schwerpunkte

Neben der humanitären Hilfe will die Bundesregierung ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Burundi und den Nachbarstaaten ausbauen.

Bei ihrer Abreise aus Deutschland hatte Güler erklärt, dass die Region der Großen Seen über erhebliche wirtschaftliche Möglichkeiten verfüge. Dazu zählte sie Landwirtschaft, nachhaltige Energie, Industrie, digitale Technologien und kritische Rohstoffe.

Die Bundesregierung sieht in der Region auch Potenzial für deutsche Unternehmen. Entsprechend begleiten Wirtschaftsvertreter die Staatsministerin bei ausgewählten Terminen ihrer Afrikareise.

In Burundi betonte Güler nach Darstellung des Außenministeriums, dass politische Stabilität und wirtschaftliche Reformen wichtige Voraussetzungen für zusätzliche Investitionen seien.

Der Besuch führte die Staatsministerin zunächst nach Ruanda und Burundi. Am 23. und 24. Oktober stehen Gespräche in der Demokratischen Republik Kongo auf dem Programm, unter anderem zur Sicherheitslage, zur Ebola-Epidemie und zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

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