Ruandas Präsident Paul Kagame hat die deutsche Staatsministerin Serap Güler in Kigali empfangen, um über den Ausbau der bilateralen Beziehungen zu sprechen. Das Treffen fand am Dienstag, 20. Oktober 2026, im Präsidentensitz Village Urugwiro statt. Der Empfang auf Präsidentenebene unterstreicht die Bedeutung, die Ruanda den Beziehungen zu Deutschland beimisst. Zugleich gerät die ruandische Führung nach der Ermordung des im ugandischen Exil lebenden Regierungskritikers Robert Kabera erneut wegen des Umgangs mit politischen Gegnern in die Kritik.
Kagame empfängt Güler persönlich im Präsidentenpalast
Die ruandische Präsidentschaft bestätigte das Treffen zwischen Paul Kagame und Serap Güler über ihren offiziellen X-Account.
Im Mittelpunkt der Gespräche habe die Stärkung der umfangreichen bilateralen Zusammenarbeit in Bereichen von gemeinsamem Interesse gestanden. Einzelne Vereinbarungen oder konkrete neue Projekte wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Güler ist seit Mai 2025 Staatsministerin im Auswärtigen Amt und befasst sich innerhalb der Bundesregierung insbesondere mit den Beziehungen zu afrikanischen Staaten.
Dass Kagame die deutsche Politikerin persönlich empfing, ist diplomatisch bemerkenswert. Staatsministerinnen und Staatsminister gehören zur politischen Leitung des Auswärtigen Amts, stehen in der protokollarischen Rangordnung jedoch unter dem Bundesaußenminister.
VIDEO On Tuesday, at Urugwiro Village, President Kagame received Hon. Serap Güler, Minister of State at the German Federal Foreign Office. Their discussions focused on strengthening the extensive bilateral cooperation between Rwanda and Germany in areas of mutual interest.#RBANews
— Rwanda Broadcasting Agency (RBA) (@rbarwanda) October 20, 2026
Der Empfang durch das ruandische Staatsoberhaupt eröffnet damit einen unmittelbaren Gesprächskanal auf höchster politischer Ebene, ohne dass ein Besuch des Bundeskanzlers oder des Außenministers erforderlich war.
Ermordung von Robert Kabera belastet Ruandas internationales Ansehen
Der Besuch fällt in eine Phase erneuter Kritik an der ruandischen Regierung wegen des Umgangs mit Oppositionellen und ehemaligen Angehörigen der Streitkräfte.
Seine enthauptete Leiche wurde am 17. Oktober im Bezirk Mpigi nahe der Hauptstadt Kampala entdeckt. Die ugandische Polizei leitete Mordermittlungen ein.
Kabera hatte Ruanda 2020 verlassen und war nach Uganda geflohen. Dort entwickelte er sich zu einem öffentlichen Kritiker von Präsident Kagame und der ruandischen Regierung.
Über seinen YouTube-Kanal „Major Robert TV“ erreichte der ehemalige Soldat mehr als 140.000 Abonnenten. Er äußerte sich regelmäßig zur politischen Entwicklung Ruandas und unterstützte öffentlich auch oppositionelle Persönlichkeiten.
Die Ermordung löste unter ruandischen Exilgemeinschaften Besorgnis aus. Der oppositionelle Rwanda National Congress forderte die ugandischen Behörden auf, den Mord umfassend aufzuklären und den Schutz ruandischer Flüchtlinge zu verbessern.
Ruandas Regierung sieht sich seit Jahren mit Vorwürfen konfrontiert, politische Gegner auch außerhalb des eigenen Staatsgebietes zu verfolgen. Kigali hat entsprechende Anschuldigungen wiederholt zurückgewiesen.
Für eine Beteiligung ruandischer staatlicher Stellen an der Ermordung Kaberas liegt bislang kein bestätigter Nachweis vor. Die ugandischen Ermittler haben weder ein Motiv abschließend festgestellt noch Verantwortliche identifiziert.
Ob Güler den Todesfall oder die Menschenrechtslage bei ihrem Gespräch mit Kagame ansprach, wurde öffentlich nicht mitgeteilt.
Ruandas Botschafter ist Doyen der afrikanischen Diplomaten in Berlin
Die Beziehungen zwischen Ruanda und Deutschland werden auch durch die diplomatische Präsenz des Landes in Berlin geprägt.
Ruandas Botschafter Igor César gehört zu den dienstälteren afrikanischen Botschaftern in Deutschland. Er ist seit August 2015 in Berlin akkreditiert und nimmt als Doyen des afrikanischen diplomatischen Korps eine besondere Funktion ein.
In dieser Rolle vertritt er bei gemeinsamen diplomatischen Veranstaltungen und Kontakten auch die Interessen des afrikanischen Botschafterkreises.
Damit ist César nicht nur Ansprechpartner für die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Ruanda, sondern auch für übergreifende Fragen der deutschen Afrikapolitik.
Am 8. Juni 2026 gehörten sowohl César als auch Güler zu den zentralen Teilnehmern eines Empfangs der Deutschen Afrika Stiftung und der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft zu Ehren des afrikanischen diplomatischen Korps.
César hielt die Begrüßungsrede als Doyen der afrikanischen Botschafter, während Güler die Hauptrede der Veranstaltung übernahm.
Beide sind somit über gemeinsame diplomatische Formate in Berlin miteinander verbunden. Ob diese Kontakte bei der Vorbereitung des Besuchs in Kigali eine Rolle spielten, ist nicht öffentlich bekannt.
Deutschland unterstützt Ruanda bei Bildung, Gesundheit und Infrastruktur
Deutschland und Ruanda unterhalten seit der Unabhängigkeit des ostafrikanischen Landes im Jahr 1962 diplomatische Beziehungen.
Die Zusammenarbeit umfasst Entwicklungsförderung, wirtschaftliche Beziehungen, berufliche Bildung, Gesundheit, Energieversorgung und Infrastruktur.

Deutsche Unterstützung fließt unter anderem in die berufliche Qualifizierung, den Bau und die Ausstattung öffentlicher Einrichtungen sowie in Maßnahmen zur Verbesserung der Stromversorgung und wirtschaftlichen Entwicklung.
Im Oktober 2025 stellte Deutschland Ruanda weitere 18 Millionen Euro als Zuschuss für Entwicklungsmaßnahmen zur Verfügung.
Auch deutsche Unternehmen sind in Ruanda aktiv. Die ruandische Nachrichtenagentur beziffert ihre Zahl auf rund 25 und nennt unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Energieversorgung und Bautechnologie.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit ergänzt die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Kigali.
Beziehungen zwischen Berlin und Kigali vor regionalen Herausforderungen
Ruanda nimmt auch in der Sicherheitspolitik der Region der Großen Seen eine wichtige Rolle ein.
Besonders die Beziehungen zur Demokratischen Republik Kongo stehen im internationalen Fokus. Seit Jahren werfen kongolesische Behörden der ruandischen Regierung vor, die bewaffnete Bewegung M23 im Osten des Landes zu unterstützen. Kigali bestreitet die Vorwürfe und verweist auf eigene Sicherheitsinteressen.
Der regionale Sicherheitskonflikt und die Menschenrechtslage bilden damit einen politischen Hintergrund der deutsch-ruandischen Beziehungen, während beide Regierungen ihre Zusammenarbeit in wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Bereichen fortsetzen.
Die ruandische Präsidentschaft beschränkte ihre öffentliche Mitteilung über den Besuch Gülers auf die Stärkung der bestehenden bilateralen Zusammenarbeit. Stellungnahmen zu regionalen Konflikten, politischen Gefangenen oder dem Mordfall Kabera wurden im Zusammenhang mit dem Treffen nicht veröffentlicht.

