Parlament zwingt Ägypten zur roten Linie: Militärhilfe für Saudi-Arabien – Iran warnt: “Kein Angriff auf Jemen”

Ägypten könnte Saudi-Arabien militärisch gegen die Huthi unterstützen – aber Präsident al-Sisi schließt Angriffe auf den Jemen aus. Während das Parlament über einen Einsatz berät, warnt Iran vor einer weiteren Eskalation.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat eine mögliche militärische Unterstützung Saudi-Arabiens ausdrücklich auf die Verteidigung des Königreichs begrenzt und eine Beteiligung an Angriffen auf den Jemen ausgeschlossen. Die Erklärung gab er am Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, beim Egypt Forum in Kairo ab. Hintergrund sind zunehmende Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf saudisches Territorium und die Beratungen des ägyptischen Parlaments über eine mögliche Entsendung von Streitkräften. Zugleich bemüht sich Kairo um eine engere sicherheitspolitische Abstimmung mit Riad, während Iran vor einer weiteren Internationalisierung des Jemen-Krieges warnt.

Al-Sisi erklärte, ägyptische Streitkräfte könnten das Territorium und die Grenzen Saudi-Arabiens verteidigen, jedoch keine militärischen Angriffe auf den Jemen führen. Eine solche Unterstützung sei auch für andere arabische Staaten denkbar, sofern diese Ägypten darum ersuchten.

Der Präsident bezeichnete die Sicherheit der Golfstaaten als Bestandteil der nationalen Sicherheit Ägyptens. Die arabische Sicherheit sei unteilbar. Zugleich betonte er, dass seine Regierung keine militärische Konfrontation anstrebe und sich auf defensive Maßnahmen beschränken wolle.

Parlament verschiebt Entscheidung über Militäreinsatz

Über eine mögliche Entsendung ägyptischer Streitkräfte nach Saudi-Arabien ist noch nicht entschieden. Das ägyptische Parlament vertagte am 19. Oktober die Abstimmung über eine entsprechende Ermächtigung für Präsident al-Sisi auf den 26. Oktober.

Zuvor hatte der Nationale Verteidigungsrat unter Vorsitz des Präsidenten seine Unterstützung für Saudi-Arabien erklärt. Nach der ägyptischen Verfassung benötigt ein Kampfeinsatz der Streitkräfte außerhalb des Landes die Zustimmung von zwei Dritteln der Parlamentsmitglieder.

Die Beratungen betreffen militärische Unterstützung, die Ägypten auf Anfrage Saudi-Arabiens leisten könnte. Dazu gehören nach Medienberichten insbesondere Luftverteidigungskapazitäten und logistische Unterstützung gegen Raketen- und Drohnenangriffe der Huthi.

Im Parlament bestehen jedoch Vorbehalte gegen einen Einsatz ohne klar definierte Grenzen. Die oppositionelle Ägyptische Sozialdemokratische Partei forderte nähere Angaben zu Auftrag, Dauer, Kosten und Risiken einer möglichen Mission. Sie wies ihre Abgeordneten an, sich bei der Abstimmung zu enthalten.

Zugleich bekräftigte die Partei ihre Unterstützung für die Sicherheit Saudi-Arabiens. Die wirtschaftlichen Belastungen Ägyptens und mögliche Gefahren für die eigenen Soldaten müssten vor einer Entscheidung berücksichtigt werden.

Kairo und Riad stimmen sich auf höchster Ebene ab

Parallel zu den innenpolitischen Beratungen intensivierten Ägypten und Saudi-Arabien ihre diplomatischen Kontakte.

Außenminister Badr Abdelatty und Geheimdienstchef Hassan Rashad trafen in Riad den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Abdelatty überbrachte eine schriftliche Botschaft von Präsident al-Sisi an König Salman. Gegenstand der Gespräche waren die bilateralen Beziehungen sowie die jüngsten sicherheitspolitischen Entwicklungen in der Region.

Die ägyptische Führung hatte bereits zuvor erklärt, Angriffe auf Saudi-Arabien beträfen unmittelbar die eigene nationale Sicherheit. Auch die Sicherheit des Roten Meeres und der internationalen Schifffahrtswege zählt Kairo zu seinen außenpolitischen Prioritäten.

Saudi-Arabien gehört seit Jahren zu den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partnern Ägyptens. Das Königreich hat Kairo insbesondere seit dem Machtwechsel von 2013 mit umfangreichen Finanzhilfen und Investitionen unterstützt.

Huthi-Angriffe erhöhen Druck auf Saudi-Arabien

Der Jemen-Konflikt hat sich nach einer längeren Phase relativer Beruhigung seit Juli 2026 erneut verschärft. Die vom Iran unterstützten Huthi kämpfen gegen eine von Saudi-Arabien geführte Koalition, die seit 2015 die international anerkannte jemenitische Regierung unterstützt.

Im September brachten die Huthi weitere Gebiete entlang der jemenitischen Küste am Roten Meer unter ihre Kontrolle. Anschließend verstärkten sie ihre Angriffe auf saudische Ziele.

Zu den Angriffszielen gehörten Einrichtungen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco und der internationale Flughafen von Riad. Bei einem Angriff auf den Flughafen am 10. Oktober kamen nach saudischen Angaben 13 Menschen ums Leben.

Die erneute Eskalation fällt in eine Phase verschärfter militärischer Auseinandersetzungen zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten. Seit den amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran im Februar haben die Spannungen in der Region zugenommen. Der Konflikt belastet zugleich die internationalen Energiemärkte und gefährdet zentrale Handelsrouten.

Auch für Ägypten hat die Sicherheit des Roten Meeres wirtschaftliche Bedeutung. Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Angriffe auf die Schifffahrt im südlichen Roten Meer beeinträchtigen den Verkehr auf dieser Route.

Iran warnt Ägypten vor Beteiligung am Jemen-Krieg

Iran hat auf die Diskussionen über einen möglichen ägyptischen Militäreinsatz mit einer Warnung reagiert.

Außenminister Abbas Araghtschi erklärte in einem Interview mit dem irakischen Staatssender Al-Iraqiya, jede ausländische Einmischung in den Jemen-Krieg werde die Lage weiter erschweren.

„Ägypten verfügt über genügend Erfahrung, um zu vermeiden, in einen derart komplexen Konflikt hineingezogen zu werden“, sagte Araghtschi.

Nach Auffassung Teherans würde die Beteiligung zusätzlicher Staaten eine politische Lösung des Konflikts erschweren. Der iranische Außenminister verwies zugleich darauf, dass Ägypten selbst erklärt habe, weder in den Jemen einmarschieren noch Krieg gegen das Land führen zu wollen.

Kairo unterhält weiterhin diplomatische Kontakte zu Teheran. Beide Außenminister hatten zuletzt über Möglichkeiten zur regionalen Deeskalation gesprochen, darunter auch über die Einstellung der Angriffe auf Saudi-Arabien.

Ägypten betont Nichtintervention und arabische Sicherheit

Bei seiner Rede auf dem Egypt Forum stellte al-Sisi die militärischen Überlegungen in einen breiteren außenpolitischen Zusammenhang. Seit 2014 orientiere sich Ägyptens Außenpolitik an der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten, der Bewahrung staatlicher Institutionen und einer strategisch ausgewogenen Beziehung zu internationalen Partnern.

Der Präsident sprach sich zudem für die Wiederherstellung der Stabilität in Sudan, Libyen und Somalia aus. Ägypten lehne die Zusammenarbeit mit bewaffneten Milizen ab und unterstütze den Erhalt staatlicher Strukturen.

Außenminister Abdelatty hob die Zusammenarbeit mit den Anrainerstaaten des Roten Meeres hervor. Ägypten setze dort neben Sicherheitsfragen auf gemeinsame Vorhaben in Logistik, Wirtschaft und Tourismus.

Die Entscheidung über eine mögliche militärische Unterstützung Saudi-Arabiens liegt nun beim ägyptischen Parlament, das seine Beratungen am 26. Oktober fortsetzen soll.

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