Äthiopiens Premier Abiy Ahmed warnt Eritrea vor schweren Folgen einer weiteren Konfrontation

Äthiopiens Premier Abiy Ahmed richtet eine deutliche Warnung an Eritrea: Die Regierung in Asmara müsse ihren Konfrontationskurs beenden oder mit äußerst schwerwiegenden Folgen rechnen.

Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed hat die eritreische Regierung zu einer grundlegenden Änderung ihrer Politik gegenüber Äthiopien aufgefordert und vor äußerst schwerwiegenden Folgen gewarnt, sollte Asmara seinen Appell zurückweisen. Die Erklärung machte er in einem am 19. Oktober 2026 ausgestrahlten Interview. Abiy warf der eritreischen Führung vor, die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes vernachlässigt und sich mit Kräften verbündet zu haben, die gegen Äthiopien arbeiteten. Zugleich bot er dem Nachbarstaat friedliche Beziehungen und eine gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung an.

Abiy verbindet Friedensangebot mit deutlicher Warnung

In seinem Interview stellte Abiy Ahmed die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea vor die Wahl zwischen regionaler Zusammenarbeit und anhaltender Konfrontation.

Äthiopien strebe gute nachbarschaftliche Beziehungen an und sei an einer gemeinsamen wirtschaftlichen Entwicklung interessiert, erklärte der Premierminister. Beide Länder könnten von einer Zusammenarbeit profitieren, die den Lebensstandard ihrer Bevölkerung verbessere und die Stabilität in der Region fördere.

Gleichzeitig warnte er die eritreische Führung vor den Konsequenzen einer fortgesetzten Ablehnung dieser Angebote. Sollten die Verantwortlichen in Asmara an ihrem bisherigen Kurs festhalten, seien die Folgen äußerst schwerwiegend.

Welche konkreten Maßnahmen Äthiopien in diesem Fall erwägen würde, erläuterte Abiy nicht.

Seine Warnung richtete sich ausdrücklich gegen die politische Führung Eritreas. Die eritreische Bevölkerung beschrieb er dagegen als fleißig und gastfreundlich.

Vorwurf der Zusammenarbeit mit Gegnern Äthiopiens

Abiy beschuldigte die eritreische Regierung, sich zu einem Instrument von Kräften entwickelt zu haben, die eine Konfrontation mit Äthiopien anstrebten.

Er stellte infrage, welchen Nutzen Eritrea aus der Unterstützung solcher Akteure ziehe. Externe Partner könnten möglicherweise Munition und andere militärische Ausrüstung bereitstellen, seien aber nicht in der Lage, die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu lösen.

Militärische Unterstützung könne funktionierende staatliche Institutionen, eine leistungsfähige Industrie und wirtschaftliche Entwicklung nicht ersetzen, argumentierte Abiy.

Äthiopiens Premier kritisiert wirtschaftliche Entwicklung Eritreas

Einen großen Teil seines Interviews widmete Abiy der wirtschaftlichen Entwicklung Eritreas seit dessen Unabhängigkeit von Äthiopien im Jahr 1993.

Nach seiner Darstellung verfügte Eritrea früher über mehr als 300 Industriebetriebe und eine für afrikanische Verhältnisse vergleichsweise entwickelte Produktionsstruktur.

Die politische Führung habe es jedoch versäumt, diese wirtschaftlichen Grundlagen zu erhalten und für eine langfristige Verbesserung der Lebensbedingungen zu nutzen.

Als Beispiele nannte er die Städte Asmara, Massawa und Assab.

Asmara habe einen erheblichen Teil seiner früheren wirtschaftlichen Bedeutung verloren, erklärte Abiy. Dabei zog er Vergleiche mit den äthiopischen Städten Arba Minch und Jigjiga.

Massawa bezeichnete er als weitgehend verlassen, Assab sogar als unbewohnt. Diese drastischen Beschreibungen sind politische Aussagen des äthiopischen Regierungschefs und keine unabhängig bestätigten Bestandsaufnahmen.

Abiy machte die eritreische Staatsführung dafür verantwortlich, wirtschaftliche Möglichkeiten nicht ausgeschöpft und die Bedürfnisse der Bevölkerung vernachlässigt zu haben.

Statt Ressourcen in politische und militärische Auseinandersetzungen zu lenken, solle Eritrea seine Industrie wiederaufbauen, Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und die staatlichen Institutionen stärken.

Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea erneut belastet

Die beiden Nachbarstaaten verbindet eine jahrzehntelange Geschichte militärischer Konflikte und politischer Spannungen.

Nach Eritreas Unabhängigkeit im Jahr 1993 verschlechterten sich die Beziehungen zunehmend. Zwischen 1998 und 2000 führten beide Länder einen Grenzkrieg mit Zehntausenden Todesopfern.

Erst 2018 leiteten Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Isaias Afwerki eine Annäherung ein. Die Wiederaufnahme der Beziehungen gehörte zu den Entwicklungen, für die Abiy 2019 den Friedensnobelpreis erhielt.

Während des Krieges in der nordäthiopischen Region Tigray ab 2020 kämpften eritreische Streitkräfte aufseiten der äthiopischen Bundesregierung gegen die damaligen regionalen Machthaber.

Nach dem Friedensabkommen von Pretoria im November 2022 verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Addis Abeba und Asmara erneut.

Ein zentraler Streitpunkt ist inzwischen Äthiopiens Forderung nach einem gesicherten Zugang zum Meer. Das Binnenland verlor mit Eritreas Unabhängigkeit seinen direkten Zugang zur Küste und ist für einen großen Teil seines internationalen Handels auf Häfen in Nachbarstaaten angewiesen.

Die eritreische Regierung betrachtet äthiopische Forderungen nach einem eigenen Zugang zum Roten Meer als Bedrohung ihrer Souveränität.

Streit um den Zugang zum Roten Meer

Die Spannungen betreffen insbesondere die strategisch wichtigen Hafenstädte Assab und Massawa an der eritreischen Küste.

Äthiopien verfolgt seit Jahren das Ziel, seine Handelswege zu diversifizieren und den Zugang zu internationalen Seehäfen langfristig abzusichern.

Eritrea lehnt Forderungen ab, die es als Anspruch auf eigenes Staatsgebiet oder auf souveräne Kontrolle über eritreische Häfen versteht.

Die eritreische Regierung hatte Äthiopien zuvor wiederholt vorgeworfen, unter dem Vorwand eines notwendigen Meereszugangs territoriale Ambitionen zu verfolgen und oppositionelle eritreische Gruppen zu unterstützen.

Abiy stellte dagegen in seinem jüngsten Interview die Möglichkeiten gemeinsamer wirtschaftlicher Entwicklung heraus. Friedliche Beziehungen seien die Voraussetzung dafür, dass beide Staaten ihre Ressourcen zum Nutzen ihrer Bevölkerung einsetzen könnten.

Seine Warnung vor schwerwiegenden Konsequenzen ließ der äthiopische Premierminister jedoch ohne nähere Erläuterung der damit verbundenen politischen oder militärischen Schritte stehen.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share