Mali vertieft seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland und hat mit dem russischen Fahrzeughersteller Kamaz einen Großvertrag über mehr als 30 Milliarden CFA-Franc abgeschlossen. Die Vereinbarung wurde am Mittwoch, 7. Oktober, in der Hauptstadt Bamako unterzeichnet. Sie umfasst die Lieferung von Fahrzeugen, den Aufbau lokaler Wartungskapazitäten und die Ausbildung malischer Fachkräfte in Russland. Perspektivisch wird auch die Errichtung einer Montageanlage in Bamako geprüft.
Vertragspartner sind die malische Transport- und Logistikgesellschaft Société Malienne de Transport et de Logistique (SMTL-SA) und der russische Nutzfahrzeughersteller Kamaz. Das Auftragsvolumen entspricht mehr als 45 Millionen Euro. Die Vereinbarung ist in die zwischenstaatliche Kooperation zwischen Mali und Russland eingebettet.
An der Unterzeichnung nahmen Malis Wirtschafts- und Finanzminister Alousséni Sanou, Verkehrsministerin Dembélé Madina Sissoko sowie Vertreter beider Unternehmen teil.
Russland liefert Fahrzeuge und baut Wartungszentrum in Bamako auf
Die Vereinbarung soll Mali zusätzliche Transportkapazitäten für den Warenverkehr und die Versorgung innerhalb des Landes verschaffen. Neben der Lieferung der Fahrzeuge umfasst sie technische Betreuung, Ersatzteile und den Aufbau lokaler Wartungsmöglichkeiten.
Nach Angaben von SMTL-Generaldirektor Djibrila Harouna ist ein Kamaz-Wartungsbetrieb in Bamako-Sénou vorgesehen. Dort sollen malische Fachkräfte künftig einen Teil der Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten selbst übernehmen können.
Das Vorhaben soll die Abhängigkeit von ausländischen Wartungsdienstleistungen verringern und den Betrieb der beschafften Fahrzeuge langfristig absichern.
Kamaz erklärte sich zudem bereit, Mali beim Aufbau eines eigenen Servicezentrums zu unterstützen. Eine solche Einrichtung könnte die Wartung und technische Betreuung der Fahrzeuge zentral organisieren.
Konkrete Angaben zur Zahl der bestellten Fahrzeuge, zu den einzelnen Modellen oder zum vorgesehenen Lieferzeitplan wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Malische Techniker sollen in Russland ausgebildet werden
Ein weiterer Bestandteil des Vertrags ist der Transfer technischer Kenntnisse.
Malische Fachkräfte sollen im russischen Kasan ausgebildet werden, um die Wartung und den Betrieb der Kamaz-Fahrzeuge selbstständig durchführen zu können.
Die Ausbildung ist mit dem geplanten Aufbau lokaler Servicekapazitäten verbunden. Dadurch sollen neben den Fahrzeugen auch das notwendige Fachwissen und technische Strukturen nach Mali gelangen.
Die SMTL-SA soll damit sowohl ihre Transportkapazitäten erweitern als auch die Betreuung ihres Fahrzeugbestands im eigenen Land organisieren können.
Eine Kamaz-Montagefabrik in Bamako ist im Gespräch
Über das aktuelle Liefergeschäft hinaus prüfen die Partner eine industrielle Zusammenarbeit.
Nach Angaben malischer Medien wurde bei der Vertragsunterzeichnung auch die Möglichkeit angesprochen, in Bamako zunächst eine Montagewerkstatt und später eine Fabrik für Kamaz-Fahrzeuge einzurichten.

Ein solches Projekt würde die Zusammenarbeit von der Einfuhr fertiger Nutzfahrzeuge auf die lokale Montage und möglicherweise weitere industrielle Tätigkeiten ausweiten.
Eine verbindliche Investitionsentscheidung oder ein Zeitplan für den Bau einer Fabrik wurden jedoch nicht bekannt gegeben. Die industrielle Produktion bleibt damit vorerst eine mögliche spätere Phase der Kooperation.
Mali will Kontrolle über nationale Lieferketten stärken
Die Vereinbarung fällt in eine Phase, in der die malische Regierung ihre nationalen Transport- und Logistikkapazitäten ausbauen will.
Für den Binnenstaat Mali ist der Gütertransport von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung. Das Land verfügt über keinen eigenen Seehafen und ist beim internationalen Warenverkehr auf Transportverbindungen über benachbarte Staaten angewiesen.
Die SMTL-SA soll innerhalb dieser Struktur zusätzliche Kapazitäten für den Transport und die Verteilung von Waren schaffen. Die Beschaffung eigener Fahrzeuge und der Aufbau von Wartungsstrukturen gehören zu den Maßnahmen, mit denen Bamako seine logistischen Möglichkeiten erweitern will.
Die Regierung verbindet dies mit dem Ziel, nationale Einrichtungen stärker in die Organisation strategisch wichtiger Warenströme einzubeziehen.
Der Vertrag mit Kamaz sieht deshalb nicht nur die Bereitstellung von Fahrzeugen vor. Auch deren Betrieb, technische Betreuung und Ersatzteilversorgung sollen im Rahmen der Zusammenarbeit abgesichert werden.
Russland erweitert Partnerschaft mit Mali über Militärkooperation hinaus
Der Kamaz-Auftrag fügt sich in die seit mehreren Jahren wachsenden Beziehungen zwischen Bamako und Moskau ein.
Bislang steht vor allem die militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit im öffentlichen Fokus. Mali hat seine Beziehungen zu Russland seit dem Bruch mit mehreren westlichen Sicherheitspartnern erheblich ausgebaut.
Nun gewinnt auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit an Bedeutung. Neben Sicherheitsfragen sollen zunehmend Infrastruktur, Transport, Logistik und industrielle Projekte Bestandteil der bilateralen Beziehungen werden.
Die neue Vereinbarung steht zudem im Zusammenhang mit dem zweiten Russland-Afrika-Gipfel im Juli 2023 in Sankt Petersburg. Malis Übergangspräsident Assimi Goïta nahm damals an den Gesprächen teil, bei denen Moskau den Ausbau seiner wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu afrikanischen Staaten vorantrieb.
Mit Kamaz kommt nun ein russischer Industriekonzern zum Zuge, dessen Produkte unmittelbar für die malische Transportwirtschaft bestimmt sind.
Anders als bei militärischen Beschaffungen richtet sich das Geschäft auf den Aufbau ziviler Logistikkapazitäten. Die geplanten Wartungs- und Ausbildungsstrukturen sollen dabei einen dauerhaften technischen Austausch zwischen den beiden Ländern ermöglichen.
Kamaz erhält Zugang zu Malis Transportsektor
Für den russischen Hersteller eröffnet der Vertrag ein größeres Geschäft im malischen Nutzfahrzeugmarkt.
Kamaz zählt zu den bedeutenden russischen Herstellern schwerer Lastkraftwagen und anderer Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen produziert Fahrzeuge für zivile und militärische Anwendungen und verfügt über internationale Vertriebs- und Servicenetze.
Durch den Vertrag mit der SMTL-SA verbindet der Konzern Fahrzeuglieferungen mit Dienstleistungen und Ausbildungsangeboten.
Die malische Gesellschaft erhält im Gegenzug Zugang zu Fahrzeugen, Ersatzteilen und technischen Leistungen eines Herstellers, der seine Präsenz in Mali ausbauen will.
Noch offen sind die genauen Finanzierungsbedingungen des Auftrags sowie die vertraglichen Voraussetzungen für mögliche weitere Investitionen in Wartung und industrielle Montage.

