Marokko und Israel haben nach Angaben der USA und israelischer Stellen vereinbart, ihre bisherigen Verbindungsbüros zu Botschaften aufzuwerten und erstmals seit der Wiederaufnahme ihrer Beziehungen Botschafter auszutauschen. Die Vereinbarung wurde am 16. September bei einem trilateralen Treffen in New York getroffen. Beteiligt waren der marokkanische Außenminister Nasser Bourita, sein israelischer Amtskollege Gideon Sa’ar und der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz. Eine eigene offizielle Bekanntmachung der marokkanischen Regierung zu dem Botschaftsschritt lag bis zum 18. September nicht vor, was in Marokko bereits politische Reaktionen ausgelöst hat.
In einem gemeinsamen Text bestätigten die drei Seiten die geplante Aufwertung der diplomatischen Vertretungen zu vollwertigen Botschaften und den Austausch von Botschaftern. Israel führt seine Vertretung in Rabat auch aktuell noch offiziell als „Liaison Office“, also Verbindungsbüro.
Die Vereinbarung umfasst weitere Schritte. Marokko und Israel wollen bis Ende 2026 Abkommen über Investitionsschutz und die Vermeidung von Doppelbesteuerung abschließen. Direkte Flugverbindungen sollen ausgebaut beziehungsweise wiederhergestellt werden, ausdrücklich auch durch marokkanische und israelische Fluggesellschaften. Gegenseitige Besuche hochrangiger Regierungsvertreter sind ebenfalls vorgesehen.
Sechs Jahre nach Wiederaufnahme der Beziehungen
Marokko und Israel hatten ihre offiziellen Beziehungen im Dezember 2020 im Rahmen einer von den USA vermittelten Vereinbarung wieder aufgenommen. Damals wurden unter anderem direkte Flugverbindungen, wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Wiedereröffnung der Verbindungsbüros in Rabat und Tel Aviv vereinbart. Die damalige gemeinsame Erklärung formulierte bereits das Ziel vollständiger diplomatischer Beziehungen.
Die Aufwertung zu Botschaften blieb anschließend jedoch aus. Damit bestand zwischen der weitreichenden Zusammenarbeit beider Staaten und ihrem formalen diplomatischen Status über Jahre eine Lücke.
Israels Außenminister Sa’ar bezeichnete die marokkanisch-jüdischen Beziehungen nach dem Treffen als historisch gewachsen. Die unterzeichnete Erklärung lege konkrete Maßnahmen fest, mit denen die Beziehungen zwischen Israel und Marokko ausgebaut werden sollten, sagte er nach Angaben marokkanischer Medien.

Waltz stellte die Verständigung in den Zusammenhang mit den Abraham-Abkommen und erklärte öffentlich, die USA hätten dabei auch ihre Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara bekräftigt. Washington hatte diese Position erstmals im Dezember 2020 im Zuge der Vereinbarung zwischen Marokko und Israel eingenommen.
PJD lehnt Vertiefung ab, will Wahlkampf nicht überlagern
In Marokko fiel die Nachricht mitten in den Wahlkampf vor der Parlamentswahl am 23. September. Die islamistisch geprägte Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, PJD, berief am Donnerstag eine außerordentliche Sitzung ihrer Führung ein und bekräftigte ihre Ablehnung der Normalisierung mit Israel.
Zugleich verwies die Partei darauf, dass Marokko die Aufwertung der diplomatischen Beziehungen zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht offiziell bekanntgegeben habe. Parteichef Abdelilah Benkirane forderte Mitglieder und Anhänger deshalb auf, die Berichte nicht öffentlich weiter zu kommentieren und sich auf die laufende Wahlkampagne zu konzentrieren.
Auch die islamistische Bewegung Al Adl Wal Ihsane wandte sich gegen eine Vertiefung der Beziehungen und forderte ein Ende der Normalisierung sowie der Zusammenarbeit mit Israel. Sie lehnte ausdrücklich auch die angekündigten Wirtschaftsabkommen ab.
Driss Lachgar, Vorsitzender der sozialdemokratischen Union Socialiste des Forces Populaires, äußerte sich dagegen zurückhaltend. Er wolle sich bei Fragen dieser Tragweite nicht auf ausländische Quellen stützen und zunächst eine offizielle Stellungnahme der marokkanischen Regierung abwarten.
Diplomatischer Status folgt wirtschaftlicher Zusammenarbeit
Die angekündigten Botschaften würden den formalen diplomatischen Status stärker an die bereits bestehende Zusammenarbeit anpassen. Seit der Wiederaufnahme der Beziehungen 2020 entwickelten Marokko und Israel Verbindungen unter anderem in Handel, Tourismus und weiteren staatlichen Bereichen.
Der neue Schritt legt einen zusätzlichen Schwerpunkt auf Investitionen. Die geplanten Abkommen über Investitionsschutz und Doppelbesteuerung sollen Unternehmen auf beiden Seiten rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen für grenzüberschreitende Geschäfte geben.
Noch offen ist, wann die bisherigen Verbindungsbüros tatsächlich den Status von Botschaften erhalten und wer die beiden Staaten künftig als Botschafter vertreten wird. Für die Wirtschaftsabkommen und den Ausbau der direkten Flugverbindungen haben die beteiligten Seiten dagegen Ende 2026 als Ziel genannt.

