Deutschland will die Wirtschafts- und Energiebeziehungen mit Tunesien ausbauen und das nordafrikanische Land stärker als Standort für deutsche Unternehmen einbinden. Der Besuch von Außenminister Johann Wadephul in Tunis fand am Montag im Rahmen einer Reise nach Tunesien und Algerien statt. Nach seinem Treffen mit Präsident Kaïs Saïed bezeichnete Wadephul Deutschland als wichtigen Absatzmarkt für Tunesien und zugleich Tunesien als zunehmend bedeutend für die deutsche Industrie. Begleitet wurde der Außenminister von einer deutschen Wirtschaftsdelegation.
„Deutschland ist für Tunesien ein zentraler Exportmarkt, der weiterhin große Chancen bietet, und Tunesien gewinnt für deutsche Unternehmen und für unsere Industrie weiter an Bedeutung“, sagte Wadephul nach dem Gespräch mit Saïed. Die wirtschaftliche Verflechtung ermögliche mehr Handel und Investitionen.
Wadephul traf in Tunis auch seinen tunesischen Amtskollegen Mohamed Ali Nafti. Neben den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen standen die regionale Sicherheitslage und die Entwicklungen im Sahel auf der Agenda.
Deutsche Industrie produziert bereits in Tunesien
Die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen beiden Ländern reichen bereits tief in industrielle Lieferketten hinein. Deutsche Automobilunternehmen lassen wichtige Zulieferteile in Tunesien produzieren. Daneben haben in Deutschland ausgebildete Tunesier Unternehmen in ihrem Heimatland gegründet, die teilweise eng mit dem deutschen Wirtschaftsstandort verbunden sind, etwa im Digitalbereich.
Berlin will diese Strukturen weiter ausbauen. Das Auswärtige Amt sieht insbesondere bei Handel, Investitionen und industrieller Zusammenarbeit zusätzliches Potenzial. Wadephul erklärte, die wirtschaftlichen Beziehungen seien für beide Seiten von Nutzen.

Auch Fachkräfte spielen in den Beziehungen eine zunehmende Rolle. Tunesierinnen und Tunesier, die in Deutschland leben und arbeiten, bezeichnete Wadephul als Verbindung zwischen beiden Ländern. „Tunesische Fachkräfte leisten in Deutschland einen hochgeschätzten Beitrag“, sagte der Außenminister. Zugleich verwies er auf den akademischen Austausch.
Während seines Aufenthalts in Tunis war auch ein Besuch des Unternehmerzentrums The Dot vorgesehen. Dort sollte Wadephul mit Unternehmern sowie früheren Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes zusammentreffen.
Energieverbindung zwischen Tunesien und Europa im Blick
Neben Industrie und Handel setzt Berlin auf eine engere Energiepartnerschaft. Deutschland unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien in Tunesien und befasst sich mit einer stärkeren Anbindung des Landes an das europäische Energienetz.
Die Energiekooperation gehört zu mehreren Bereichen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Wadephul nannte außerdem berufliche Ausbildung, Wasserwirtschaft und Digitalisierung.
„Ich begrüße es sehr, dass wir im Rahmen dieser Reise neue Verträge unterzeichnen“, sagte der Außenminister nach seinem Treffen mit Saïed. Welche Vereinbarungen konkret unterzeichnet wurden oder welches finanzielle Volumen sie umfassen, wurde zunächst nicht näher benannt.

Berlin verbindet die Zusammenarbeit mit Tunesien zugleich mit einer breiteren wirtschaftlichen Strategie im Mittelmeerraum. Wadephul erklärte vor seiner Abreise, Deutschland teile mit Tunesien und Algerien zentrale wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen. Beide Länder grenzen unmittelbar an den Mittelmeerraum gegenüber der Europäischen Union.
„Gemeinsam können wir das Mittelmeer zu einem Raum der Stärke zwischen unseren Kontinenten machen“, sagte Wadephul.
Deutschland und Tunesien feiern 70 Jahre diplomatische Beziehungen
Der Besuch fällt in das 70. Jahr der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Tunesien. Beide Staaten nahmen 1956 diplomatische Beziehungen auf.
Wadephul bezeichnete die vergangenen sieben Jahrzehnte als „starkes und vertrauensvolles Fundament“ für eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit. Deutschland und die Europäische Union seien und blieben „verlässliche Freunde und Partner Tunesiens“.
Neben Wirtschaft und Energie bestehen enge Verbindungen über Tourismus, Hochschulen und Migration. Rund 330.000 deutsche Touristen reisen nach tunesischen Angaben jährlich in das Land.
Nach seinem Aufenthalt in Tunesien setzte Wadephul seine Nordafrika-Reise in Algerien fort. Mit den Außenministern beider Länder kommt er damit bereits zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt zusammen.

