Kameruns Regierung hat nach fast zwei Monaten ohne öffentlichen Auftritt erklärt, Präsident Paul Biya sei am Leben und werde „sehr bald“ nach Yaoundé zurückkehren. Die Erklärung gab Kommunikationsminister und Regierungssprecher René Emmanuel Sadi am Sonntag, 2. August, in einem Interview mit Radio France Internationale (RFI) ab. Einen konkreten Rückkehrtermin nannte er nicht. Oppositionspolitiker und Vertreter der Zivilgesellschaft verlangen wegen der langen Abwesenheit des 93-Jährigen eine Prüfung, ob das Präsidentenamt vakant ist.
„Präsident Paul Biya ist am Leben. Präsident Paul Biya ist nicht zurückgetreten“, sagte Sadi. Es gebe keine Vakanz an der Spitze des Staates. Der Regierungssprecher wies damit Spekulationen über den Gesundheitszustand und die Amtsfähigkeit des Präsidenten zurück.
Auf die Frage, wann Biya nach Kamerun zurückkehren werde, antwortete Sadi ausweichend. Er könne kein genaues Datum nennen. Selbst wenn ihm der Termin bekannt wäre, stehe es ihm nicht zu, diesen öffentlich anzukündigen. „Ich kann Ihnen zumindest sagen, dass er sehr bald zurückkehrt“, erklärte der Minister.
Regierung weist Forderung nach Feststellung einer Vakanz zurück
Biya hatte Yaoundé am 7. Juni gemeinsam mit seiner Ehefrau Chantal Biya verlassen. Die Präsidentschaft kündigte damals einen „kurzen privaten Aufenthalt in Europa“ an. Bis zur Erklärung Sadis waren seit der Abreise 56 Tage vergangen.
Der Präsident trat während dieser Zeit nicht öffentlich auf. Neue Bilder oder persönliche Erklärungen wurden nicht veröffentlicht. Zugleich unterzeichnete er weiterhin Dekrete und andere staatliche Entscheidungen aus dem Ausland.
Die lange Abwesenheit löste eine Debatte über die Handlungsfähigkeit der Staatsspitze aus. Der oppositionelle Abgeordnete Jean-Michel Nintcheu und der Rechtsanwalt Christian Ntimbane Bomo forderten den Verfassungsrat auf, sich mit einer möglichen Vakanz des Präsidentenamtes zu befassen.
Sadi wies diese Forderung zurück. Die Opposition lege die Verfassung aus seiner Sicht nicht ausreichend genau aus. Der Verfassungsrat habe keine Vakanz festgestellt. Auch ein Rücktritt des Präsidenten liege nicht vor.
Regierungsvertreter dementieren Gesundheitsgerüchte
Bereits am Samstag hatte Arbeitsminister Grégoire Owona erklärt, Biya befinde sich in guter Verfassung und verfolge die Regierungsgeschäfte weiterhin täglich. „Präsident Paul Biya geht es gut, und er verfolgt die Angelegenheiten des Landes vollständig und jeden Tag“, schrieb Owona auf Facebook.
Samuel Mvondo Ayolo, der Direktor des Zivilkabinetts der Präsidentschaft, hatte zuvor Berichte über eine medizinische Behandlung zurückgewiesen. Biya sei weder in ein Krankenhaus eingeliefert noch operiert worden, erklärte er.
Damit reagierten Regierungsvertreter auf Spekulationen, der Präsident könne in einer Klinik in Genf behandelt werden. Offizielle Angaben zu seinem genauen Aufenthaltsort, seinem Tagesablauf oder den Gründen für die Dauer der Reise machten sie nicht.
Fast zwei Monate ohne öffentlichen Auftritt

Paul Biya ist seit November 1982 Präsident Kameruns. Mit 93 Jahren ist er der älteste amtierende Staatschef der Welt. Seine langen Aufenthalte im Ausland haben bereits in der Vergangenheit Diskussionen über seinen Gesundheitszustand und die Führung des Landes ausgelöst.
Im Herbst 2024 hielt sich Biya 42 Tage außerhalb Kameruns auf. Auch damals kursierten Gerüchte über seinen Gesundheitszustand. Nach seiner Rückkehr wurde seine Ankunft am Flughafen von Yaoundé im staatlichen Fernsehen übertragen.

