Gabun fordert Truppenabzug und schließt Mangan-Deal mit Frankreich

Rohstoff-Deal und klare Forderung: Beim Paris-Besuch setzt Gabun auf mehr Mangan-Verarbeitung im eigenen Land – und verlangt zugleich den Abzug französischer Truppen.

Beim Staatsbesuch von Präsident Brice Clotaire Oligui Nguema in Paris haben Gabun und Frankreich ihre Beziehungen neu ausgerichtet – mit einem milliardenschweren Rohstoffabkommen und klaren Forderungen nach einem weiteren Abzug französischer Truppen. Im Zentrum der Gespräche im Élysée-Palast stand zunächst die wirtschaftliche Zusammenarbeit, allen voran ein umfassender Deal zur lokalen Verarbeitung von Mangan.

Gabun und der französische Bergbaukonzern Eramet vereinbarten am 20. Juli 2026 einen Fahrplan, um bis Ende 2031 jährlich bis zu 700.000 Tonnen Mangan im Land zu verarbeiten. „Die Vereinbarung ist eine gemeinsam entwickelte industrielle Roadmap“, erklärte Eramet-Chefin Christel Bories. Sie respektiere Gabuns Ziel, „seine Rohstoffe stärker im eigenen Land zu verarbeiten“.

Libreville will damit einen größeren Teil der Wertschöpfung aus einem seiner wichtigsten Rohstoffe im Inland halten. Das Abkommen wurde in Anwesenheit von Oligui Nguema und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterzeichnet.

Drei Industrieprojekte als Kern des Rohstoffdeals

Das Programm sieht drei zentrale Industrieprojekte vor. Den Auftakt könnte eine Anlage zur Herstellung von Manganoxid in der Region Libreville bilden. Sie soll zunächst 10.000 Tonnen jährlich produzieren und bis Ende 2028 in Betrieb gehen. Bei steigender Nachfrage sind Erweiterungen geplant.

Ein zweites Projekt betrifft die Modernisierung des Metallurgischen Komplexes von Moanda. Die Anlagen sollen bis 2029 erneuert werden und eine Kapazität von bis zu 70.000 Tonnen Manganlegierungen erreichen.

Als größtes Vorhaben wird eine neue Legierungsfabrik nahe der Küste geprüft. Sie könnte ab 2031 jährlich bis zu 265.000 Tonnen produzieren – vorausgesetzt, Energieversorgung und Logistik sind gesichert.

Gabun drängt auf lokale Verarbeitung von Mangan

Gabun gehört zu den weltweit wichtigsten Produzenten von Manganerz, exportierte bislang jedoch einen Großteil unverarbeitet. Präsident Oligui Nguema will dieses Modell ändern und hatte eine klare Frist gesetzt: Ab Januar 2029 soll Mangan vor dem Export mindestens teilweise im Land verarbeitet werden.

Damit folgt Gabun einer Strategie, die auf mehr industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze abzielt. Das nun vereinbarte Programm konkretisiert erstmals Projekte und Produktionsziele, verschiebt jedoch einzelne Fristen über 2029 hinaus.

Energie, Bio-Kohle und Industriearbeitsplätze

Die Umsetzung hängt maßgeblich von einer stabilen Energieversorgung ab. Die Regierung soll diese sicherstellen, während Eramet die Projekte technisch und wirtschaftlich prüft. Ein gemeinsamer Ausschuss soll die Fortschritte überwachen.

Parallel wird der Aufbau einer Bio-Kohle-Produktion geprüft, um importierten Koks zu ersetzen. Ein Pilotprojekt läuft bereits in Lastourville. Zudem planen Eramet und Comilog einen Industriefonds „Fabriqué au Gabon“, der langfristig 3.000 Arbeitsplätze schaffen soll.

Weitere wirtschaftliche Themen: Wasserprojekt und Schulden

Neben dem Manganabkommen standen weitere wirtschaftliche Fragen auf der Agenda. Dazu gehört ein umstrittenes Wasserprojekt des französischen Konzerns Suez im Wert von rund 183 Millionen Euro. Verzögerungen sorgen für Spannungen zwischen beiden Seiten.

Auch Gabuns hohe Staatsverschuldung von über 70 Prozent der Wirtschaftsleistung wurde thematisiert. Die Regierung prüft ihre Finanzen und verhandelt über ein mögliches Programm mit dem Internationalen Währungsfonds.

Gabun fordert weiteren Abzug französischer Truppen

Nach den wirtschaftlichen Themen rückte die Sicherheitskooperation in den Fokus. Gabun verlangt einen weiteren Rückzug der französischen Streitkräfte sowie die Übergabe des Geländes des ehemaligen Camp de Gaulle.

Die militärische Zusammenarbeit soll künftig vor allem auf Ausbildung beschränkt werden. Frankreich hat seine Präsenz in mehreren afrikanischen Staaten bereits reduziert. Gabun verfolgt dabei einen vergleichsweise kooperativen Ansatz und verhandelt direkt mit Paris.

Neuordnung der Beziehungen und politische Spannungen

Der Staatsbesuch war Teil einer umfassenden Neuausrichtung der bilateralen Beziehungen. Gabun strebt eine Partnerschaft an, die stärker auf Investitionen und industrielle Entwicklung ausgerichtet ist, während es gleichzeitig seine internationalen Beziehungen diversifiziert.

Überschattet wurde der Besuch von Kritik an der Inhaftierung des früheren Premierministers Alain-Claude Bilie-By-Nze. Seine Anwälte forderten Frankreich auf, sich für die Einhaltung von „individuellen Rechten und öffentlichen Freiheiten“ einzusetzen.

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