Sudan beschuldigt Vereinigte Arabische Emirate und Äthiopien nach Angriff auf Flughafen Khartum

Sudan erhebt schwere Vorwürfe gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Äthiopien: Drohnen sollen vom äthiopischen Bahir Dar aus gestartet sein und den Flughafen Khartum getroffen haben. Die Regierung in Khartum spricht von einem Angriff auf die Souveränität des Landes.

Sudan wirft den Vereinigten Arabischen Emiraten und Äthiopien eine direkte Beteiligung an Drohnenangriffen auf den internationalen Flughafen von Khartum und weitere Ziele im Land vor. Am Dienstag erklärten Außenminister Mohieddin Salem und Armeesprecher Asim Awad Abdelwahab in Khartum, die sudanesischen Behörden verfügten über technische Daten zu Starts vom äthiopischen Flughafen Bahir Dar. Der Angriff trifft die Hauptstadt in einer Phase, in der die Armee Khartum wieder unter Kontrolle gebracht hat und der Bürgerkrieg mit den Rapid Support Forces weitergeht. Die beschuldigten Staaten reagierten zunächst nicht auf die neuen Vorwürfe.

Khartum macht Bahir Dar als Startpunkt aus

Die sudanesische Armee erklärte, die jüngsten Drohnenangriffe seien von Bahir Dar in Äthiopien ausgegangen. Ziel waren demnach der internationale Flughafen Khartum, Wohngebiete und militärische Einrichtungen, darunter das Signal Corps in Khartum-Nord und das Ausbildungszentrum Al-Markhiyat in Omdurman.

Armeesprecher Asim Awad Abdelwahab sprach von „schlüssigen Beweisen“ für eine Beteiligung der Vereinigten Arabischen Emirate und Äthiopiens. Die Drohnen seien aus äthiopischem Gebiet gestartet und in den sudanesischen Luftraum eingedrungen. Sudan wertet dies als Angriff auf seine Souveränität.

Der Flughafen Khartum war erst in der vergangenen Woche wieder geöffnet worden, nachdem die Armee die Hauptstadt im März 2025 zurückerobert hatte. Bei dem Angriff wurden nach sudanesischen Angaben keine Opfer gemeldet. Der Flugbetrieb wurde für 72 Stunden ausgesetzt.

Seriennummer soll auf Emirate verweisen

Im Zentrum der sudanesischen Darstellung steht eine Drohne mit der Seriennummer S88. Sie sei am 17. März von der sudanesischen Luftabwehr nördlich von El-Obeid abgeschossen worden. Die Auswertung technischer Daten und Rückfragen beim Hersteller hätten ergeben, dass die Drohne den Vereinigten Arabischen Emiraten zugeordnet werde, erklärte die Armee.

Nach sudanesischen Angaben begannen die feindlichen Drohnenoperationen bereits am 1. März. Drei Drohnen seien von Bahir Dar aus gestartet und hätten Ziele in den Bundesstaaten Weißer Nil, Blauer Nil, Nord-Kordofan und Süd-Kordofan angegriffen. Die Drohne mit der Seriennummer S88 sei zuvor unter anderem bei Al-Kurmuk und in weiteren Gebieten des Blauen Nils sowie in Kordofan eingesetzt worden.

Zwischen dem 1. und 4. Mai sei eine weitere Drohne vom Flughafen Bahir Dar aus in den sudanesischen Luftraum eingedrungen. Sie sei bis in den Raum Jebel Aulia verfolgt worden und habe anschließend den Flughafen Khartum sowie weitere Ziele angegriffen, bevor sie abgefangen worden sei.

Botschafter aus Addis Abeba zurückgerufen

Sudan hat seinen Botschafter aus Äthiopien zu Konsultationen zurückgerufen. Außenminister Mohieddin Salem erklärte, seine Regierung behalte sich eine Antwort „zu einem Zeitpunkt und an einem Ort ihrer Wahl“ vor.

Khartum will zudem gegen die Vereinigten Arabischen Emirate bei den Vereinten Nationen vorgehen. Die Emirate stehen seit längerem unter sudanesischem Vorwurf, die Rapid Support Forces zu unterstützen. Abu Dhabi weist solche Vorwürfe in der Regel zurück. Äthiopien hatte ähnliche sudanesische Anschuldigungen bereits im März als falsch zurückgewiesen.

Drohnenkrieg verschärft Lage in mehreren Regionen

Die neuen Vorwürfe fallen in eine Phase zunehmender Drohnenangriffe in mehreren Kriegsgebieten Sudans. In der Region Blauer Nil erklärte die Sudan People’s Liberation Movement-North unter Abdelaziz El Hilu, bei einem Drohnenangriff der sudanesischen Armee auf das Gebiet Balila in der Lokalität Kurmuk seien zehn Zivilisten getötet und 20 weitere verletzt worden, viele von ihnen Frauen und Kinder. Die Gruppe berichtete zudem von Bränden auf einem Markt, beschädigten Wasserquellen und getötetem Vieh. 

Auch in Omdurman und im Gebiet Kenana im Bundesstaat Weißer Nil wurden zuletzt Drohnenangriffe gemeldet. In Kenana trafen nach Angaben mehrerer Quellen zwei mutmaßlich den Rapid Support Forces zugeschriebene Drohnen eine Tankstelle und ein Treibstofflager. In Omdurman meldete die Armee abgewehrte Drohnenangriffe. Die Emergency Lawyers Group verurteilte zudem den Tod von fünf Zivilisten bei einem Drohnenangriff auf ein Fahrzeug südlich von Omdurman. 

Zehntausende Menschen vertrieben

Die Kämpfe im Blauen Nil dauern seit Monaten an. Die Internationale Organisation für Migration meldete zuletzt 745 Vertriebene aus dem Dorf El Kili in der Provinz Kurmuk. Insgesamt sind nach Angaben aus der Region rund 30.000 Menschen aus Kurmuk und Qaysan vertrieben worden. 

Auch in Kordofan verschärft sich die Lage. Die Internationale Organisation für Migration meldete 3.550 Vertriebene aus drei Dörfern in Nord- und Süd-Kordofan. Davon entfielen 2.600 Menschen auf Abu Haraz und Kazqil in der Lokalität Sheikan in Nord-Kordofan sowie 950 Menschen auf Dbeiker in Süd-Kordofan.

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