Trotz Druck Chinas – Taiwans Präsident reist nach Eswatini

Taiwans Präsident Lai Ching-te reist überraschend nach Eswatini. Der Besuch folgt auf eine abgesagte Reise, bei der mehrere Staaten Überflugrechte entzogen hatten. Taipeh sieht darin Druck aus China.

Taiwans Präsident Lai Ching-te ist überraschend zu einem Staatsbesuch in Eswatini eingetroffen, nachdem eine frühere Reise kurzfristig gescheitert war. Weniger als zwei Wochen zuvor hatten Mauritius, die Seychellen und Madagaskar Überflugrechte für Lais Maschine entzogen. Taipeh machte dafür Druck aus China verantwortlich. Eswatini ist Taiwans einziger diplomatischer Verbündeter in Afrika.

Besuch nach abgesagter Reise

Lai traf am Samstag in Eswatini ein. Der taiwanische Präsident hätte Eswatini ursprünglich vom 22. bis 27. April besuchen sollen. Anlass waren Feierlichkeiten zum 58. Geburtstag von König Mswati III. und zum 40. Jahrestag seiner Krönung. Einen Tag vor der geplanten Abreise sagte Lai die Reise ab, nachdem mehrere Staaten die Überflugrechte entzogen hatten.

Lai erklärte nach seiner Ankunft, Taiwan werde sich trotz Drucks nicht daran hindern lassen, in der Welt präsent zu sein. „Kein Land kann Taiwan daran hindern, zur Welt beizutragen“, sagte er nach Angaben des taiwanischen Präsidialamts.

Eswatini bekräftigt Unterstützung für Taiwan

Lai traf in Eswatini mit König Mswati III. zusammen. Beide Seiten unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung der Zusammenarbeit und des bilateralen Handels. Außerdem wurde ein Abkommen über gegenseitige Zollhilfe vereinbart, das Handelsverfahren vereinfachen soll.

Der Präsident verwies auf 58 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Taiwan und Eswatini. Die Zusammenarbeit beider Staaten umfasst Landwirtschaft, Berufsbildung, Handel, Gesundheit, Bildung und Infrastruktur.

Mswati dankte Taiwan für die anhaltende Unterstützung und bezeichnete Taipeh als verlässlichen Partner. Eswatini werde Taiwans internationale Teilhabe weiter unterstützen.

Dladla sprach in Taipeh von „Familie“

Kurz vor Lais Reise hatte Eswatinis Vizepremierministerin Thulisile Dladla Taiwan besucht. Sie überbrachte in Taipeh eine Botschaft des Königs und bekräftigte die Beziehungen zu Taiwan.

Dladla sagte, die jüngsten Schwierigkeiten hätten die Verbindung beider Länder von einer Freundschaft zu einer Familie gemacht. „Keine Kraft, egal wie stark, kann ein Familienband brechen, das seit 58 Jahren besteht“, erklärte sie.

Sie forderte Lai auf, Eswatini zu besuchen, um zu zeigen, dass der Luftraum frei und unabhängig sei und Afrika Vertrauen in das Völkerrecht habe. Lai sagte bei dem Treffen, die Partnerschaft bleibe stark und werde weiter ausgebaut.

China übt Druck auf Taiwans Partner aus

China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und lehnt offizielle Kontakte anderer Staaten mit Taipeh ab. Die Volksrepublik hat in den vergangenen Jahren mehrere Staaten dazu bewegt, ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abzubrechen und Peking anzuerkennen.

Eswatini hält als einziges afrikanisches Land weiter formelle Beziehungen zu Taiwan. Der südafrikanische Binnenstaat grenzt an Südafrika und Mosambik und spielt für Taipeh deshalb eine besondere Rolle in Afrika.

Taiwan wertet den Besuch als Signal gegen diplomatische und wirtschaftliche Einschüchterung. Lai sagte, Taiwan liebe Freiheit und Frieden und suche keinen Konflikt. Zugleich werde das Land seinen Weg in die Welt nicht aufgeben.

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