Die USA und Marokko haben in Agadir die Militärübung African Lion 26 gestartet, das größte jährliche gemeinsame Manöver des US-Afrika-Kommandos. Die Übungen in Marokko laufen vom 27. April bis zum 8. Mai 2026. Rund 5.000 Einsatzkräfte aus mehr als 40 Staaten nehmen teil, begleitet von mehr als 30 US-Unternehmen, die neue militärische Fähigkeiten erproben. Neben Marokko sind Ghana, Senegal und Tunesien Gastgeberländer des Manövers.
Größtes AFRICOM-Manöver läuft in vier Ländern
African Lion 26 wird vom U.S. Army Southern European Task Force, Africa geführt. Das Manöver soll die gemeinsame Einsatzfähigkeit der USA, afrikanischer Partnerstaaten und internationaler Verbündeter stärken. Trainiert werden schnelle Verlegungen, gemeinsame Führung und Einsätze unter Bedrohungen in mehreren Operationsräumen.
In Marokko finden die Übungen an mehreren Standorten statt. Zum Programm gehören multinationale Ausbildungseinheiten, Führungsübungen im Feld, Gefechtsschießen mit verbundenen Waffen, Spezialkräfteausbildung, Luft- und Seemanöver sowie Training für chemische, biologische, radiologische, nukleare und explosive Bedrohungen.
Der US-Botschafter in Marokko, Duke Buchan III, stellte das Manöver in den Zusammenhang der langjährigen Beziehungen zwischen Washington und Rabat. „African Lion 26 spiegelt unser fortgesetztes bilaterales Engagement für regionale Sicherheit und Stabilität wider“, sagte Buchan. Beide Länder feierten 250 Jahre Freundschaft, die diplomatische und militärische Partnerschaft stärke einsatzfähige und interoperable Kräfte in der Region.
B-52-Bomber und marokkanische F-16 über Cap Draa
Bereits vor dem offiziellen Start der Hauptphase setzte die Übung ein sichtbares Signal in der Luft. Zwei US-Bomber vom Typ B-52H Stratofortress und vier marokkanische F-16-Kampfjets flogen gemeinsam über Cap Draa. Der Einsatz markierte den Auftakt des ersten in Marokko anerkannten Qualifikationskurses für sogenannte Joint Terminal Attack Controller.

Diese Spezialkräfte koordinieren aus vorgeschobenen Positionen den Einsatz von Kampfflugzeugen, Artillerie und Marinefeuer. Sie geben Luftschläge frei und sollen sicherstellen, dass Ziele präzise getroffen, eigene Kräfte geschützt und zivile Schäden möglichst vermieden werden.
US-Ausbilder der Air Force, der Marines sowie Soldaten aus Kanada, Ungarn und Marokko trainieren gemeinsam in realitätsnahen Szenarien für Luftnahunterstützung. Air Force Master Sergeant Therron Bundick nannte den Kurs einen Grundstein für eine international anschlussfähige marokkanische JTAC-Fähigkeit.
Künstliche Intelligenz und Drohnenabwehr im Einsatz
African Lion 26 dient auch der Erprobung neuer Technologien. Mehr als 30 US-Unternehmen testen Fähigkeiten für Führungsunterstützung, tiefe Angriffe, Verteidigung in der Tiefe und Gegenangriffe. Dazu gehören autonome Systeme, KI-gestützte Führung und Kontrolle, Abwehrsysteme gegen unbemannte Fluggeräte sowie moderne Aufklärungsplattformen.
Die Übung verknüpft klassifizierte und nicht klassifizierte Datensysteme, damit US-, NATO- und marokkanische Kräfte ein gemeinsames Lagebild nutzen können. Ziel ist eine schnellere Verbindung zwischen Aufklärung, Zielerfassung und Wirkung.

AFRICOM-Kommandeur Dagvin R. M. Anderson bezeichnete das Manöver als Demonstration von „Frieden durch Stärke“. Die USA arbeiteten daran, islamistische Terroristen in Afrika daran zu hindern, regionale Rückzugsräume für Angriffe gegen die Vereinigten Staaten zu nutzen. Zugleich sollten Partner befähigt werden, solche Organisationen zu schwächen und zu zerstören.
Utah National Guard behandelt Tausende Patienten
Zur Übung gehört auch zivile Unterstützung. Die Utah National Guard soll über elf Tage voraussichtlich rund 20.000 Patientinnen und Patienten behandeln. Utah unterhält seit 2003 im Rahmen des State Partnership Program eine Partnerschaft mit Marokko.
Die medizinische Komponente ergänzt die militärischen Trainingsteile um praktische Hilfe vor Ort. Sie ist Teil der breiteren Zusammenarbeit zwischen den marokkanischen Streitkräften und der Utah National Guard, die seit mehr als zwei Jahrzehnten besteht.
Marokko bleibt zentraler Militärpartner der USA in Nordafrika
African Lion zählt seit Jahren zu den wichtigsten militärischen Plattformen der USA auf dem afrikanischen Kontinent. Marokko nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Die diesjährige Übung verbindet klassische Gefechtsausbildung mit moderner Technologie, Luftmacht, Spezialkräfteausbildung und multinationaler Koordination.
Der gemeinsame Einsatz amerikanischer strategischer Bomber und marokkanischer F-16 zeigt die enge militärische Abstimmung beider Länder. Mit dem neuen JTAC-Kurs baut Marokko zugleich Fähigkeiten aus, die für gemeinsame Einsätze mit Partnern aus den USA, der NATO und weiteren Staaten benötigt werden.

