Die USA rücken Algerien und Marokko in ihrer Sahel-Diplomatie stärker in den Fokus. Die Gespräche fanden am 27. und 28. April in Algier sowie am 29. April in Rabat statt. Der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau und AFRICOM-Kommandeur Dagvin R. M. Anderson sprachen in Algerien über Terrorismusbekämpfung, transnationale Bedrohungen und den Westsahara-Konflikt. In Rabat warnte Marokkos Außenminister Nasser Bourita vor einer Verbindung zwischen Separatismus und Terrorismus in Mali.
Washington setzt auf Sicherheit und Kooperation mit Algerien
Christopher Landau und General Anderson trafen in Algier unter anderem Präsident Abdelmadjid Tebboune sowie Armeechef Saïd Chengriha. Es war die erste Algerien-Reise beider US-Vertreter. Die Gespräche drehten sich um regionale Sicherheit, Stabilität im Sahel und eine stärkere Zusammenarbeit gegen grenzüberschreitende Bedrohungen.
Das US-Außenministerium hatte vor der Reise angekündigt, Landau werde mit algerischen Regierungsvertretern über eine Vertiefung der bilateralen Beziehungen sprechen. Dazu zählten gemeinsame Anstrengungen bei regionalen Sicherheitsfragen sowie Handelsabkommen mit US-Unternehmen.
Auch wirtschaftliche Themen standen auf der Agenda. Landau führte Gespräche mit Vertretern aus den Bereichen Energie, Bergbau, Außenhandel und Exportförderung. Die US-Botschaft in Algerien nannte dabei Innovation, Energiebeziehungen, Handel und die Nutzung natürlicher Ressourcen als Felder weiterer Zusammenarbeit.
AFRICOM sieht wachsende Bedrohung in Westafrika
AFRICOM-Kommandeur Anderson verband die Visite mit dem Ziel, die sicherheitspolitische Kooperation mit Algerien auszubauen. Im Mittelpunkt standen Terrorismusbekämpfung, neue Sicherheitsrisiken im Sahel und eine bessere Abstimmung gegen transnationale Bedrohungen.
„Die Vereinigten Staaten messen unserer Beziehung zu Algerien großen Wert bei“, sagte Anderson. Diese Beziehung beruhe auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamen Interessen. Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im vergangenen Jahr arbeiteten beide Seiten weiter daran, die bilaterale Sicherheitskooperation zu stärken.

Der General beschrieb die Lage in Westafrika und im Sahel als gemeinsame Herausforderung. „Algerien teilt unsere Sorge über die wachsenden terroristischen Bedrohungen, die Westafrika und den Sahel destabilisieren“, sagte Anderson. Solche Herausforderungen erforderten ein gemeinsames Vorgehen.
Sahara-Konflikt bleibt Teil der US-Gespräche
Der Westsahara-Konflikt spielte in den Gesprächen in Algerien ebenfalls eine Rolle. Landau sprach mit Außenminister Ahmed Attaf über den politischen Prozess zur Lösung der Frage. Nach dem Treffen mit Präsident Tebboune sagte der US-Diplomat, die Beziehungen zwischen Algerien und den Vereinigten Staaten befänden sich in einem „besonderen Moment“.
Washington will Algerien, Marokko, Mauretanien und die Polisario in den kommenden Wochen zu einer weiteren Gesprächsrunde zusammenbringen. Diese soll an ein erstes Treffen im Februar in der US-Botschaft in Madrid anknüpfen.
Nach der Station in Algerien reiste Landau nach Rabat. Dort wurde die amerikanische Sahel- und Sahara-Diplomatie mit der marokkanischen Perspektive auf Mali verbunden.
Marokko warnt vor Verbindung von Separatismus und Terrorismus
Marokkos Außenminister Nasser Bourita sprach in Rabat nach seinem Treffen mit Landau von einer gefährlichen Entwicklung in Mali. „Das Königreich Marokko hat eine inzwischen offensichtliche Komplizenschaft zwischen Separatismus und Terrorismus festgestellt“, sagte Bourita. Diese „objektive Allianz“ stelle eine Bedrohung für die regionale Stabilität und für Mali dar.

Bourita forderte ein abgestimmtes Vorgehen regionaler und internationaler Akteure. Ziel müsse sein, diese Verbindung zwischen Terrorismus und Separatismus zu durchbrechen. Zugleich sprach er sich für „Dynamiken der Stabilität“ aus, die die Entscheidungen der Bevölkerung respektierten und auf Kooperation statt auf Erpressung und Einschüchterung setzten.
Der marokkanische Außenminister erinnerte daran, dass Rabat die Angriffe gegen die malische Regierung verurteilt habe. Die jüngsten Attacken im Norden und Zentrum Malis hatten die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Gewalt im Sahel verstärkt.
Mali rückt in die regionale Sicherheitsagenda
Die Lage in Mali steht zunehmend im Zentrum der regionalen Sicherheitsdebatte. Angriffe bewaffneter Gruppen und separatistischer Kräfte belasten den Norden und das Zentrum des Landes. Genannt werden der Front de Libération de l’Azawad und die dschihadistische Gruppe Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin, die von Iyad Ag Ghaly geführt wird.
Marokko stellt diese Entwicklung in den Zusammenhang einer größeren Instabilität im Sahel. Algerien wiederum wird von den USA als sicherheitspolitischer Gesprächspartner im Kampf gegen Terrorismus und grenzüberschreitende Bedrohungen angesprochen.
Damit verknüpft Washington drei Konfliktfelder, die in Nordwestafrika eng ineinandergreifen: die Sicherheitskrise in Mali, die Rolle Algeriens im Sahel und den politischen Prozess um die Westsahara.

