Ugandas Armeechef droht Iran und Türkei – und stellt sich hinter Israel

Ugandas oberster Militär droht Iran, attackiert die Türkei und lobt Israel als „echte Brüder“. Die neue Eskalation auf X wirft Fragen über Ugandas außenpolitischen Kurs auf.

Ugandas Armeechef Muhoozi Kainerugaba hat mit einer Serie neuer Botschaften auf X erneut außenpolitische Spannungen ausgelöst. Der General drohte Iran, griff die Türkei scharf an und stellte Uganda demonstrativ an die Seite Israels. Die jüngste Eskalation spielte sich am 10. und 11. April ab. Brisant ist sie vor allem deshalb, weil Kainerugaba nicht nur für die Streitkräfte verantwortlich ist, sondern auch als Sohn von Präsident Yoweri Museveni seit Jahren als möglicher Nachfolger an der Staatsspitze gilt.

Kainerugaba erklärte zunächst, niemand werde Israel antasten, Afrika werde den Staat schützen. Kurz darauf legte er nach und schrieb, er sei bereit, 100.000 ugandische Soldaten nach Israel zu entsenden, „um das Heilige Land zu schützen“. Parallel erneuerte er seine Drohungen gegen Iran und schrieb, wer Israel bedrohe, kämpfe auch gegen Uganda.

Neue Drohungen gegen Iran

Der ugandische General griff Teheran bereits Ende März mit martialischen Botschaften an. Damals behauptete er, eine einzige Brigade der Uganda People’s Defence Force könne die iranische Hauptstadt in weniger als zwei Wochen einnehmen. Zudem kündigte er an, Uganda werde an der Seite Israels in einen Krieg eintreten, sollte Israel militärisch bedroht werden.

Am 10. April verschärfte er diesen Ton noch einmal. In einem neuen Beitrag schrieb Kainerugaba, er verfüge über „500.000 junge Männer, die gierig auf Krieg sind“, und diese würden Teheran einnehmen, ohne dafür bezahlt werden zu wollen. Am Morgen des 11. April ergänzte er seine Drohkulisse mit einem Bibelzitat gegen Iran und stellte den Konflikt ausdrücklich in einen religiös aufgeladenen Rahmen.

Eine offizielle Reaktion der iranischen Regierung auf die jüngsten Botschaften blieb zunächst aus. Bereits auf frühere Aussagen hatte die iranische Botschaft in Südafrika allerdings mit Spott reagiert und Kainerugaba eher als Unterhaltungsfigur denn als ernstzunehmenden Gesprächspartner dargestellt.

Kainerugabas: “Unsere Brüder sind Israel”

Kainerugabas jüngste Posts zeigen zugleich, wie stark er Uganda öffentlich an Israel anlehnt. Schon am 25. März schrieb er, jedes Gerede über die Zerstörung oder Niederlage Israels werde Uganda „in den Krieg ziehen. Auf der Seite Israels“. Einen Tag später begründete er diese Haltung mit der historischen Unterstützung Israels für Uganda in den 1980er und 1990er Jahren.

Auch am 10. und 11. April blieb Israel der zentrale Bezugspunkt seiner Kommunikation. Er lobte Israel mehrfach als Bruderland, erklärte, nur wenige Armeen der Welt flößten ihm Respekt ein, darunter die israelische, und kündigte schließlich an: „Es ist wahr, ich bin auf dem Weg nach Tel Aviv. Um unsere israelischen Brüder zu treffen.“

Damit verschiebt Kainerugaba die Rolle Ugandas in seiner eigenen öffentlichen Darstellung weit über die ostafrikanische Region hinaus. Er inszeniert sich nicht nur als Militärchef, sondern als Akteur in Konflikten des Nahen Ostens.

Die Türkei gerät plötzlich ins Zentrum

Noch explosiver entwickelte sich am 11. April seine neue Auseinandersetzung mit der Türkei. In einer Reihe von Posts sprach Kainerugaba von einer „sehr ernsten“ Lage, drohte mit dem Abbruch diplomatischer Beziehungen und schrieb, die türkische Botschaft in Uganda werde geschlossen, falls die Türkei nicht zahle. Zugleich warnte er alle Ugander vor Reisen in die Türkei.

Worauf sich seine Forderung nach einer Zahlung von einer Milliarde Dollar konkret bezieht, blieb in den Posts offen. Statt Klarheit zu schaffen, vermischte Kainerugaba die Eskalation mit Spott, Drohungen und persönlichen Provokationen. So schrieb er, zusätzlich zu der Milliarde Dollar wolle er „die schönste Frau dieses Landes“ zur Ehefrau. Später höhnte er über „zu kleine“ Türken und erklärte, die Türkei habe keine Chance, einen Konflikt mit Uganda zu überleben.

Mitten in dieser Serie zog er erneut den Vergleich zu Israel. Es sei gut zu sehen, wie Türken auf X ihren Hass auf Afrikaner offenlegten, schrieb er. Genau deshalb liebe man Israel. „Sie sind echte Brüder.“

Auch Somalias Einsatz wird in den Streit hineingezogen

Kainerugaba verknüpfte seine Attacken auf Ankara zudem mit Ugandas Militäreinsatz in Somalia. Er kündigte an, die ersten ugandischen Truppen würden ab Juli aus Somalia zurückkehren, und erklärte, die UPDF werde bis zum kommenden Jahr ganz aus dem Einsatz heraus sein. Den Türken rief er zu, sie könnten dann selbst gegen Al-Shabaab kämpfen.

Damit bekam der Streit eine zusätzliche sicherheitspolitische Dimension. Die Türkei ist in Somalia seit Jahren ein zentraler militärischer und politischer Akteur. Wenn Ugandas oberster Militär den Somalia-Einsatz nun öffentlich gegen Ankara wendet, berührt das mehr als nur einen Streit auf X.

Internationale Reaktionen und wachsender Druck

Schon die März-Posts gegen Iran hatten diplomatische Reibung ausgelöst. Der republikanische US-Senator Jim Risch, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat, erklärte damals, Kainerugaba habe mit seinen Aussagen „eine rote Linie überschritten“. Er brachte sogar eine Überprüfung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit zwischen den USA und Uganda ins Spiel. Kainerugaba reagierte darauf mit offener Trotzreaktion und forderte den Senator heraus, diese Drohung umzusetzen.

Zugleich stehen seine Aussagen im deutlichen Widerspruch zu den realen militärischen Kräfteverhältnissen. Nach dem Global-Firepower-Ranking 2026 liegt Uganda auf Platz 107 von 145 bewerteten Staaten, Iran auf Platz 16. Uganda verfügt demnach über rund 43.800 aktive Soldaten, Iran über etwa 610.000. Hinzu kommen der fehlende Seezugang Ugandas und eine deutlich kleinere Luftwaffe.

Kampala schweigt zu den Botschaften des Generals

Die ugandische Regierung hat die neuen Posts ihres Armeechefs bislang nicht offiziell kommentiert. Genau dieses Schweigen verleiht den Aussagen besonderes Gewicht. Kainerugaba betont zwar regelmäßig, seine Äußerungen auf X müssten nicht mit der offiziellen Politik des Staates übereinstimmen. Doch als Chef der Streitkräfte und Sohn des Präsidenten spricht er nicht als gewöhnlicher Nutzer.

Darin liegt die eigentliche politische Brisanz dieser Eskalation. Ein Mann, der an der Spitze des Militärs steht und als möglicher künftiger Staatschef gilt, verschiebt Ugandas außenpolitische Wahrnehmung durch eigene Drohungen, religiös aufgeladene Kriegsrhetorik und diplomatische Provokationen gegen gleich mehrere Staaten gleichzeitig.

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