Tschad entsendet Polizisten nach Haiti

Tschad hat erstmals Sicherheitskräfte nach Haiti entsandt und damit seinen angekündigten Beitrag zu der internationalen Mission gegen bewaffnete Banden begonnen. Mehr als 50 tschadische Polizisten trafen in Port-au-Prince ein, wie aktuelle Aufnahmen von der Anreise des Kontingents zeigen.

Die Ankunft wurde am Samstag bekannt. Sie ist politisch relevant, weil aus den früheren Ankündigungen nun ein realer Einsatz geworden ist und weil der Schritt in Tschad selbst bereits vorab eine Debatte über Prioritäten, Kapazitäten und eigene Sicherheitsrisiken ausgelöst hatte.

Bereits Ende März war aus N’Djamena von einer deutlich größeren Entsendung die Rede. Mehrere Berichte nannten einen geplanten Einsatz von mehr als 500, teils sogar von über 700 Polizisten und Gendarmen. Die nun eingetroffene Gruppe markiert den Beginn dieses Einsatzes.

Aus Ankündigungen wird ein realer Auslandseinsatz

Die neuen Bilder aus Haiti verändern die Lage deutlich. Bis dahin war vor allem über eine bevorstehende Entsendung gesprochen worden. Nun ist das erste Kontingent tatsächlich vor Ort.

Die tschadischen Kräfte sollen in Port-au-Prince an einer internationalen Sicherheitsmission mitwirken, die bewaffnete Banden zurückdrängen und die staatliche Ordnung stützen soll. Haiti steckt seit Monaten in einer schweren Sicherheitskrise. Bewaffnete Gruppen kontrollieren weite Teile der Hauptstadt, während Polizei und staatliche Institutionen stark unter Druck stehen.

Mit der Ankunft der ersten Beamten wird aus einem sicherheitspolitischen Signal ein konkreter Einsatz. Für die Regierung in N’Djamena ist das auch ein außenpolitischer Schritt, der Tschad erneut als Land zeigt, das Sicherheitskräfte für internationale Missionen bereitstellt.

In Tschad lief die Debatte schon vor dem Abflug

In Tschad war die geplante Entsendung schon vorab umstritten. Der Politologe Yamingué Bétinbaye sagte Ende März, das Kontingent sei zwar nicht so groß, dass es den nationalen Sicherheitsapparat automatisch aus dem Gleichgewicht bringe. Dennoch bewege sich Tschad selbst in einem „ziemlich fragilen sicherheitspolitischen Kontext“.

Er forderte deshalb, personelle, materielle und logistische Mittel vorrangig für die inneren Herausforderungen des Landes einzusetzen. Damit benannte er den zentralen Einwand gegen den Haiti-Einsatz. Tschad engagiert sich im Ausland, obwohl es im eigenen Land und in der Region weiter mit erheblichen Sicherheitsfragen konfrontiert ist.

Bétinbaye stellte außerdem die Einsatzfähigkeit auf dem haitianischen Terrain zur Diskussion. Die bewaffneten Gruppen in Haiti verfügten über erhebliche logistische und militärische Fähigkeiten. Allein wäre ein tschadisches Kontingent einem solchen Umfeld kaum gewachsen, sagte er. Innerhalb einer multinationalen Mission könne der Beitrag aber wirksamer sein.

Zweifel an Vorbereitung und Zusagen

Zuletzt waren auch Zweifel aufgekommen, wie weit die Einsatzvorbereitung tatsächlich fortgeschritten war. Eine mit der Lage vertraute Person erklärte, Tschad habe seine Absicht zur Entsendung von Polizeieinheiten für die Mission noch nicht vollständig kommuniziert und Vorgaben zu Ausbildung oder anderen Voraussetzungen noch nicht abschließend akzeptiert.

Gerade deshalb ist die nun sichtbare Ankunft der ersten Einheit bedeutsam. Sie zeigt, dass der Einsatz trotz offener Fragen und vorangegangener Unsicherheit begonnen hat.

Auch der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bamako, Ulf Laessing, hatte Tschads Sicherheitskräfte als erfahren in gefährlichen Einsatzräumen beschrieben. Zugleich verwies er auf ein innenpolitisches Motiv. Solche Missionen seien für Regierungen auch eine Möglichkeit, Einnahmen zu erzielen. Tschad verfüge über viele Soldaten und Sicherheitskräfte, nicht zuletzt, weil frühere Rebellen in die Sicherheitsapparate integriert worden seien.

Haiti-Einsatz folgt auf frühere Zusagen

Die Beteiligung Tschads an der Haiti-Mission war seit 2023 im Gespräch. Im März verdichteten sich dann die Berichte, dass N’Djamena mehrere hundert Polizisten und Gendarmen für den Einsatz vorbereite. RFI berichtete unter Berufung auf eine tschadische Sicherheitsquelle von laufenden Schulungen und einer bevorstehenden Verlegung nach Port-au-Prince.

Jetzt ist aus dieser Planung der erste konkrete Schritt geworden. Noch offen bleibt, wie schnell weitere Kräfte folgen und wie groß das endgültige tschadische Kontingent am Ende tatsächlich sein wird.

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