Angesichts einer deutlichen Verschärfung der Gewaltlage in Südsudan hat UN-Generalsekretär António Guterres seine tiefe Besorgnis geäußert und die Konfliktparteien eindringlich zum Schutz der Zivilbevölkerung aufgerufen. Besonders betroffen ist der Bundesstaat Jonglei, wo es zu zahlreichen Todesopfern, Verletzten und massiven Vertreibungen gekommen ist. Internationale und regionale Organisationen warnen vor weiteren humanitären Folgen und fordern eine politische Deeskalation.
Massive Vertreibungen und zunehmende Gemeinschaftsgewalt
Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden allein in den ersten Wochen des Jahres 2026 rund 250.000 Menschen innerhalb Südsudans vertrieben. In Jonglei State wird die Zahl der neu Vertriebenen auf etwa 180.000 geschätzt. Der UN-Generalsekretär zeigte sich alarmiert über Berichte zu aufhetzender Rhetorik gegen einzelne Bevölkerungsgruppen sowie über die Ankündigung ausgeweiteter Militäroperationen, die die Lage für ohnehin gefährdete Zivilisten weiter verschärfen könnten.
I am deeply concerned by the continued escalation of violence in South Sudan, most recently in Jonglei State, which has caused many deaths, injuries & displacement.
— António Guterres (@antonioguterres) January 30, 2026
Civilians must be protected.
Access for the safe delivery of humanitarian assistance must be ensured.
I call…
Die Gewalt trifft auf eine bereits angespannte humanitäre Situation. Hilfsorganisationen berichten von eingeschränktem Zugang zu betroffenen Gebieten, während die Sicherheitslage die Versorgung der Bevölkerung zunehmend erschwert.
UN fordert Waffenruhe und politischen Dialog
In einer über seinen Sprecher veröffentlichten Erklärung betonte Guterres, dass die Krise in Südsudan keine militärische, sondern eine politische Lösung erfordere. Er rief Regierung und Opposition dazu auf, alle militärischen Aktivitäten umgehend einzustellen und die Spannungen durch einen inklusiven Dialog abzubauen.

Zudem forderte der UN-Generalsekretär die Parteien auf, sich auf einen konsensbasierten Fahrplan für das letzte Jahr der Übergangsphase zu verständigen, um glaubwürdige Wahlen zu ermöglichen. Gleichzeitig mahnte er den Schutz von UN-Friedenspersonal, humanitären Helfern und deren Einrichtungen an.
IGAD warnt vor Erosion des Friedensprozesses
Auch die Intergovernmental Authority on Development zeigte sich besorgt. IGAD-Exekutivsekretär Workneh Gebeyehu verurteilte die Gewalt in Jonglei und warnte vor Entwicklungen, die das Revitalisierte Friedensabkommen für Südsudan weiter untergraben könnten. Berichte über Verstöße gegen den dauerhaften Waffenstillstand würden Vertrauen und Stabilität schwächen.
IGAD rief alle südsudanesischen Akteure dazu auf, Spannungen unverzüglich abzubauen und ihre Verpflichtungen aus dem Friedensabkommen einzuhalten. Die Organisation bekräftigte ihre Bereitschaft, Südsudan gemeinsam mit regionalen und internationalen Partnern bei der Förderung von Frieden und nationaler Versöhnung zu unterstützen.
Internationale Reaktionen und Forderungen nach humanitärem Zugang
Mehrere Staaten, darunter Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Norwegen, die Schweiz, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten, äußerten in einer gemeinsamen Erklärung ihre Sorge über die jüngsten Kämpfe in Jonglei und Eastern Equatoria. Sie forderten eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und einen sicheren, ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe.
Statement by 🇩🇪 @GermanyDiplo Africa Director @GERonAfrica on current situation in 🇸🇸: “The threat of indiscriminate violence against civilians, brought forward by a senior military leader in #SouthSudan, is very worrying & dangerous.
— German Embassy South Sudan (@GERinSSD) January 27, 2026
Auch Deutschland mahnte öffentlich vor der Gefahr wahlloser Gewalt gegen Zivilisten und rief Präsident Salva Kiir zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Der Schutz der Zivilbevölkerung und der Zugang für die UN-Mission UNMISS wurden dabei als zentral hervorgehoben.
Afrikanische Union und regionale Diplomatie
Parallel zu den internationalen Appellen fanden Gespräche zwischen Südsudan und der African Union statt. Der stellvertretende südsudanesische Außenminister Akuei Bona Malwal tauschte sich in Addis Abeba mit dem Vorsitzenden der AU-Kommission über den Stand des Friedensprozesses, die Umsetzung des revitalisierten Abkommens und die Vorbereitung nationaler Wahlen aus. Dabei wurde die Bedeutung einer vollständigen und fristgerechten Umsetzung politischer Reformen betont.

Die Gespräche umfassten auch die Situation in Abyei sowie regionale Entwicklungen, einschließlich des Konflikts im Sudan. Beide Seiten unterstrichen die Notwendigkeit afrikanisch geführter, dialogbasierter Lösungsansätze.
Regionale Unterstützung für Wahlvorbereitungen
Kenias Präsident William Ruto erklärte nach einem Treffen mit einer südsudanesischen Delegation die Bereitschaft seines Landes, den Wahlprozess in Südsudan zu unterstützen. Dies solle insbesondere den institutionellen Aufbau und die Vorbereitung der Wahlorgane betreffen. Ruto bezeichnete Stabilität als Voraussetzung für regionalen Wohlstand und bekräftigte Kenias Engagement für friedliche und glaubwürdige Wahlen.