Félix Tshisekedi in Davos: „Die globale Energiewende erfordert eine kollektive Verantwortung“

Der Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Félix Tshisekedi, hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos die internationale Gemeinschaft zu einer gemeinsamen Verantwortung für das Gelingen der globalen Energiewende aufgerufen. Entscheidend seien aus seiner Sicht faire Wertschöpfungsketten, eine gerechte Verteilung von Risiken und Erträgen sowie verlässliche, ethische und nachhaltige Lieferketten für strategische Rohstoffe.

Tshisekedi erklärte, die Demokratische Republik Kongo wolle ihre Rolle neu definieren. Das Land verstehe sich nicht länger ausschließlich als Rohstofflieferant, sondern als aktiver Partner in globalen Transformationsprozessen. „Der Moment ist gekommen, Abhängigkeit durch Partnerschaft zu ersetzen“, sagte der Staatschef am Rande der 56. Jahrestagung des World Economic Forum.

Drei strategische Zusagen der DR Kongo

Um diesen Anspruch mit konkreten Schritten zu unterlegen, formulierte Tshisekedi drei zentrale Verpflichtungen.

Erstens setzte er auf Sicherheit durch Diversifizierung. Investitionen in neue Lagerstätten sollen dazu beitragen, die globalen Märkte durch eine größere Vielfalt an Bezugsquellen zu stabilisieren und Abhängigkeiten zu reduzieren.

Zweitens stellte er Wohlstand durch lokale Weiterverarbeitung in den Mittelpunkt. Raffinierung und industrielle Fertigung sollen schrittweise vor Ort angesiedelt werden. Ziel sei es, qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen, die globale Angebotsstabilität zu erhöhen und den Übergang von einer rein extraktiven Wirtschaftsstruktur zu einer nachhaltigen Industrialisierung zu vollziehen.

Drittens plädierte Tshisekedi für finanzielle und industrielle Innovation. Vorgesehen seien neue Partnerschaftsmodelle, die langfristiges Kapital mobilisieren und integrierte Großprojekte sowie industrielle Korridore ermöglichen.

Der Präsident betonte, lokale Wertschöpfung sei keine politische Option mehr, sondern ein strategischer Imperativ. Nur so könnten die Resilienz globaler Lieferketten gestärkt und gleichzeitig spürbare Vorteile für die kongolesische Bevölkerung geschaffen werden.

Energiewende, Rohstoffe und Umwelt

Die kongolesische Regierung nutzte den Auftritt in Davos, um die Rolle des Landes in der globalen Energie- und Technologiewende hervorzuheben. Die DR Kongo zählt zu den weltweit wichtigsten Lieferanten kritischer Mineralien, die für Batterien, Elektromobilität und andere Schlüsseltechnologien benötigt werden. Hinzu komme ein erhebliches hydroelektrisches Potenzial, das langfristig zur Versorgung mit sauberer und wettbewerbsfähiger Energie beitragen könne.

Neben wirtschaftlichen Aspekten verwies Tshisekedi auch auf ökologische Initiativen. Dazu zählen Programme zum Schutz der Biodiversität und zur Bekämpfung des Klimawandels. Als zentrales Vorhaben nannte die Präsidentschaft den geplanten „Grünen Korridor Kivu–Kinshasa“, der wirtschaftliche Entwicklung mit Umwelt- und Klimaschutz verbinden soll.

Diplomatie und internationale Unterstützung

Am Rande des Forums fand auch ein diplomatischer Austausch mit europäischen Partnern statt. Der belgische Vizepremierminister und Außenminister Maxime Prévot sprach sich für einen inklusiven nationalen Dialog in der DR Kongo aus. Belgien bekräftigte zudem seine Unterstützung für eine friedliche Lösung des Konflikts im Osten des Landes sowie für die territoriale Integrität der DR Kongo.

Prévot erklärte, Brüssel sehe sich weiterhin als strategischer Partner und wolle sich auf europäischer Ebene für ein stärkeres Engagement angesichts der angespannten humanitären Lage in den von bewaffneten Gruppen betroffenen Gebieten einsetzen. In diesem Zusammenhang traf Tshisekedi in Davos auch mit Philippe, dem König der Belgier, zusammen.

Davos als geopolitische Bühne

Die Teilnahme Tshisekedis an dem Forum steht nach Angaben der Präsidentschaft im Zeichen einer aktiven Diplomatie. Als nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen wolle die DR Kongo Davos nutzen, um für Multilateralismus, Dialog und verstärkte internationale Anstrengungen für eine dauerhafte Friedensordnung zu werben.

Nach Darstellung seiner Sprecherin Tina Salama verfolgt die Regierung das Ziel, die DR Kongo als „Land der Lösungen“ zu positionieren. In Davos gehe es darum, internationale Partnerschaften zu vertiefen, die strategischen Interessen des Landes sichtbar zu machen und den eigenen Anspruch als relevanter Akteur bei der Bewältigung globaler Herausforderungen zu unterstreichen.

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