Burkina Faso entkommt vereitelten Umsturzversuch gegen Ibrahim Traoré

Die burkinische Regierung hat Details zu einem mutmaßlichen Umsturzversuch veröffentlicht, der in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 2026 stattfinden sollte. Nach Angaben des Sicherheitsministeriums zielte der Plan auf die politische und militärische Führung des Landes. Die Behörden erklärten, die Lage sei unter Kontrolle, die Ermittlungen dauerten an.

Geplanter Ablauf des Umsturzversuchs

Nach Angaben von Minister Mahamadou Sana, der am 6. Januar 2026 vor die Presse trat, sollte der Umsturz gegen 23 Uhr des 3. Januar ausgelöst werden. Beteiligt gewesen seien zivile und militärische Akteure, darunter auch Personen mit ausländischem Hintergrund.

Die Sicherheitsdienste hätten den Plan durch frühzeitige Erkenntnisse der Nachrichtendienste vereitelt. Eine Umsetzung sei verhindert worden, bevor es zu konkreten Handlungen gekommen sei.

Präsident als Hauptziel der Verschwörer

Im Zentrum des mutmaßlichen Komplotts habe laut Minister Sana die geplante Tötung des Staatschefs gestanden. Zwei Szenarien seien vorgesehen gewesen: ein direkter Angriff auf Ibrahim Traoré oder ein Anschlag mit Sprengstoff an dessen Wohnsitz. Darüber hinaus hätten weitere hochrangige zivile und militärische Entscheidungsträger auf der Zielliste gestanden.

Parallel dazu sei die Zerstörung einer Drohnenbasis geplant gewesen, um eine mögliche militärische Reaktion der Streitkräfte zu schwächen. Diese Maßnahme habe den Weg für ein Eingreifen externer Bodentruppen ebnen sollen.

Rolle von Paul-Henri Sandaogo Damiba

Als mutmaßlicher Hauptinitiator des Plans wurde der frühere Übergangspräsident Paul-Henri Sandaogo Damiba benannt. Nach Darstellung der Behörden soll Damiba für die strategische Planung, die Mobilisierung finanzieller Mittel sowie die Rekrutierung von Unterstützern verantwortlich gewesen sein. Er halte sich derzeit im Ausland auf.

Die Struktur des Netzwerks habe sich auf zwei Säulen gestützt: ein militärisches Netzwerk mit dem Ziel, Angehörige der Streitkräfte zu gewinnen und operative Gruppen zu bilden, sowie ein ziviles Netzwerk zur politischen und logistischen Unterstützung nach Beginn der Aktion.

Festnahmen und erste Geständnisse

Zu den Festgenommenen zählt nach offiziellen Angaben unter anderem Madi Sakandé, der eingeräumt habe, Kontakte zu Damiba unterhalten zu haben. In den folgenden Tagen sei zudem El Hadj Ali Winèga festgenommen worden, der die ihm vorgeworfenen Taten gestanden und weitere Informationen geliefert habe.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Teile der Finanzierung aus dem Ausland stammten. Konkret nannte der Sicherheitsminister eine Geldüberweisung in Höhe von 70 Millionen CFA-Franc aus der Côte d’Ivoire, die der Vorbereitung der Aktion gedient haben soll.

Aussagen im staatlichen Fernsehen

Die staatliche Rundfunk- und Fernsehanstalt RTB strahlte am 6. Januar die Aussagen von Madi Sakandé aus. Darin schilderte der Beschuldigte Treffen, Geldtransfers und Kontakte zu zivilen und militärischen Mittelsmännern. Er erklärte, er habe auf Bitten Damibas finanzielle Mittel beschafft und weitergeleitet.

In seiner Darstellung sprach Sakandé auch von Gesprächen mit einer Person namens Salif, die angeblich Zugang zum Präsidenten gehabt habe. Diese Aussagen wurden von den Behörden als Teil der laufenden Ermittlungen dargestellt und nicht unabhängig verifiziert.

Weitere Ermittlungen angekündigt

Nach Angaben des Sicherheitsministeriums werden die Untersuchungen fortgesetzt, um alle beteiligten Akteure und Unterstützungsstrukturen zu identifizieren. Dabei sollen auch Personen zur Verantwortung gezogen werden, die nach Darstellung der Behörden „aus Naivität oder als Mittelsmänner“ gehandelt hätten.

Minister Sana würdigte zugleich die Rolle der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie der Organisation Freiwillige für die Verteidigung des Vaterlandes, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung beigetragen hätten. Auch die sogenannte Bürgerüberwachung habe aus Sicht der Regierung eine stabilisierende Funktion erfüllt.

Fortsetzung der Reformagenda trotz Sicherheitslage

Ungeachtet der angespannten Sicherheitslage bekräftigten die Behörden ihre Absicht, die laufenden Reformen fortzusetzen. Genannt wurden insbesondere die Modernisierung der Steuerverwaltung durch die Einführung einer zertifizierten elektronischen Rechnungsstellung sowie Maßnahmen zur Mobilisierung der Diaspora zugunsten des Fonds zur patriotischen Unterstützung.

Die Regierung erklärte, der vereitelte Umsturzversuch habe keinen Einfluss auf den Fortgang der politischen Transition. Die staatlichen Institutionen arbeiteten weiter regulär, die Sicherheitslage sei unter Kontrolle.

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