Ein Luftangriff auf eine Trauergesellschaft im Nuba-Gebirge hat die wachsende Gefahr für Zivilisten im Sudan erneut sichtbar gemacht. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA wurden dabei sieben Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.
Der Angriff ereignete sich am vergangenen Freitag in Payam Kasha in West-Kordofan. UN-Sprecher Stéphane Dujarric machte am Montag in New York zugleich auf neue Vertreibungen, unsichere Versorgungswege und zunehmende Einschränkungen für humanitäre Hilfe in mehreren Teilen des Landes aufmerksam.
Der Vorfall steht für eine breitere Entwicklung im Krieg zwischen den Rapid Support Forces und den sudanesischen Streitkräften. Nicht nur Zivilisten geraten immer wieder unter Beschuss. Auch Krankenhäuser, Straßen und Hilfsrouten werden zunehmend zu Brennpunkten eines Konflikts, der die Versorgung ganzer Regionen weiter lähmt.
Neue Angriffe treffen Zivilisten in mehreren Regionen
Der Angriff auf die Trauerfeier folgte auf einen Drohnenangriff auf das Lehrkrankenhaus von Al-Deain in Ost-Darfur am 20. März, bei dem 70 Menschen getötet wurden. Auch in Dilling in Süd-Kordofan kamen nach Berichten lokaler Organisationen bei Drohnenangriffen und weiteren Attacken am Samstag drei Menschen ums Leben.
In West-Kordofan mussten nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mindestens 120 Menschen noch am selben Tag ihre Häuser verlassen. In Blue Nile State wurden in den vergangenen Tagen mehr als 1.600 Menschen in der Region Geisan vertrieben.
Hilfslieferungen geraten immer stärker ins Stocken
Besonders schwer wiegt, dass sich die Gewalt längst direkt auf die Versorgung auswirkt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind wichtige Straßen zwischen El Obeid in Nord-Kordofan sowie Dilling und Kadugli in Süd-Kordofan zunehmend unsicher. Das erschwert sowohl den Transport humanitärer Hilfe als auch die Lieferung kommerzieller Güter.
Dujarric erklärte, zusätzlich verschärften bürokratische Hürden die Lage. In El Obeid seien wichtige medizinische Aktivitäten deshalb seit fast einem Monat ausgesetzt.

Auch in Darfur wird der Zugang für Helfer immer enger. Hilfskräfte berichten von bewaffneten Überfällen und Angriffen auf wichtigen Routen. Einige Organisationen mussten ihre Arbeit ganz einstellen. Für viele besonders gefährdete Menschen bedeutet das, dass ohnehin knappe Hilfe noch weiter zurückgeht.
Grenzregion zu Äthiopien wird schwer erreichbar
Auch in Blue Nile State hat sich die Lage deutlich verschlechtert. Nach Angaben der UN schränken eskalierende Kämpfe nahe der Grenze zu Äthiopien humanitäre Einsätze massiv ein. Fahrten über die Hauptstadt Ed Damazin hinaus sind weitgehend ausgesetzt. Viele Menschen in abgelegenen Gebieten können dadurch kaum noch erreicht werden.
Die Vereinten Nationen und ihre Partner setzen ihre Hilfe nach eigenen Angaben trotz der Sicherheitslage fort. Dujarric forderte erneut den Schutz der Zivilbevölkerung und ein Ende der Angriffe auf zivile Infrastruktur. Alle Konfliktparteien müssten sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe gewährleisten.

