Die oppositionelle Sudan People’s Liberation Movement in Opposition (SPLM-IO) hat Berichte zurückgewiesen, wonach ihre Kräfte in Jonglei die Beschlagnahmung von Fahrzeugen humanitärer Organisationen angeordnet hätten. Die Stellungnahme folgt auf eine scharfe gemeinsame Erklärung mehrerer westlicher Staaten, die von einem schweren Verstoß gegen humanitäre Grundprinzipien sprachen.
Vorwurf nach diplomatischer Erklärung
Auslöser der Kontroverse war eine am Mittwoch veröffentlichte gemeinsame Erklärung der Botschaften von Kanada, Deutschland, Japan, den Niederlanden, Norwegen, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Darin verurteilten die Diplomaten einen angeblich erteilten Befehl des SPLA-IO-Kommandeurs John Luk Bayak, wonach humanitäre Organisationen ihre Fahrzeuge in Nord-Jonglei abgeben sollten.
The Embassies of Canada, Germany, Japan, the Netherlands, Norway, Switzerland, the United Kingdom, and the United States condemn a reported order issued by SPLM/A-IO Major General John Luk Bayak in northern Jonglei State for humanitarian organizations to surrender their vehicles.… pic.twitter.com/n1g3jlgIhh
— U.S. Embassy Juba, South Sudan (@USEmbassyJuba) January 7, 2026
Die diplomatischen Vertretungen bezeichneten den mutmaßlichen Befehl als „eklatanten Verstoß gegen internationale humanitäre Prinzipien“ und forderten eine sofortige Rücknahme sowie die Rückgabe aller beschlagnahmten Güter. Niemand habe das Recht, Hilfsgüter zu konfiszieren, die zur Unterstützung lebensrettender Maßnahmen bereitgestellt würden, hieß es.
SPLM-IO spricht von Fälschung

Der Sprecher der SPLM-IO, Pal Mai Deng, erklärte gegenüber Radio Tamazuj, ein in sozialen Medien kursierendes Schreiben, das General John Luk Bayak zugeschrieben werde, sei „gefälscht und manipuliert“. Es habe keinen entsprechenden Befehl gegeben.
Nach Angaben Dengs sei der genannte Kommandeur selbst überrascht über die Vorwürfe gewesen und habe eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Herkunft des Dokuments zu klären und festzustellen, ob tatsächlich Fahrzeuge von Nichtregierungsorganisationen entzogen worden seien. Sollte es zu Beschlagnahmungen gekommen sein, sei deren sofortige Rückgabe angeordnet worden.
Unklare Lage vor Ort

Nach Darstellung der SPLM-IO gebe es bislang keine bestätigten Hinweise darauf, dass Fahrzeuge humanitärer Organisationen gewaltsam entzogen worden seien. Die eingesetzte Untersuchungskommission habe ihre Arbeit kurz nach Veröffentlichung der diplomatischen Erklärung aufgenommen. Details zur Zusammensetzung oder Leitung des Gremiums wurden zunächst nicht bekannt.
Die Region Nord-Jonglei ist seit Wochen von erneuten Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der SPLA-IO betroffen. Die Gefechte haben zu Vertreibungen geführt und die Arbeit von Hilfsorganisationen erheblich beeinträchtigt. Nach Angaben humanitärer Akteure ist die Region in hohem Maße auf externe Unterstützung angewiesen.
Eskalation der Sicherheitslage

In den vergangenen Wochen haben SPLA-IO-Kräfte nach eigenen Angaben die Orte Waat und Yuai von den südsudanesischen Streitkräften übernommen. Parallel dazu wurde der humanitäre Zugang weiter eingeschränkt. Der Flugdienst der Vereinten Nationen (UNHAS) setzte Flüge in mehrere Landkreise Nord-Jongleis aus Sicherheitsgründen aus.
Internationale Hilfsorganisationen warnen, dass jede Form der Einmischung in humanitäre Logistik die Versorgung der Zivilbevölkerung gefährdet und das Risiko für Hilfspersonal erhöht.
Politischer Kontext vor den Wahlen 2026

Die Vorwürfe fallen in eine Phase zunehmender Spannungen im Vorfeld der für Dezember 2026 geplanten landesweiten Wahlen. Präsident Salva Kiir hatte zuletzt erklärt, seine Partei SPLM sei zu einem Dialog mit anderen politischen Akteuren bereit. Zugleich dauern bewaffnete Auseinandersetzungen in mehreren Landesteilen an.
Analysten und zivilgesellschaftliche Vertreter verweisen darauf, dass die anhaltende Gewalt, insbesondere in Jonglei und Unity State, sowie offene Punkte aus dem Friedensabkommen von 2018 zentrale politische Prozesse weiter belasten.