UN treibt Reformprogramm UN80 voran

Die Vereinten Nationen treiben ihr Reformprogramm UN80 in eine neue Umsetzungsphase und stellen dabei auch einen möglichen Zusammenschluss von UN Women und dem Bevölkerungsfonds UNFPA zur Prüfung. Bei einer Unterrichtung der Mitgliedstaaten am 6. April bezeichnete Untergeneralsekretär Guy Ryder die Initiative als nun klar auf die praktische Umsetzung ausgerichtet. Zugleich legten Spitzenvertreter der UN neue Zwischenstände zu zentralen Reformfeldern vor, darunter Geschlechterpolitik, Digitalisierung und Datennutzung.

Die Reform ist für viele Staaten auch deshalb relevant, weil sie entscheiden soll, wie wirksam das UN-System in den Bereichen Entwicklung, humanitäre Hilfe, Menschenrechte sowie Frieden und Sicherheit künftig arbeitet. Der Aktionsplan umfasst 86 Maßnahmen, die das gesamte System effizienter und schlagkräftiger machen sollen. Mehr als 80 Prozent der frühen Meilensteine seien bereits erreicht.

UN will von der Planung in die Umsetzung wechseln

UN80 wurde im vergangenen Jahr als systemweite Reforminitiative gestartet. Ziel ist es, Mandate, Mittel und Entscheidungen innerhalb des UN-Systems so zu ordnen, dass ihre Wirkung für Menschen und Umwelt größer wird.

Guy Ryder sagte, die Reform trete nun in eine Phase ein, in der die Umsetzung im Vordergrund stehe. Als wichtigen Fortschritt nannte er eine in der vergangenen Woche verabschiedete Resolution der UN-Generalversammlung, die die Entstehung, Umsetzung und Überprüfung von UN-Mandaten stärken soll. Für den kommenden Monat kündigte er einen zusammengefassten Bericht an, der den Stand der einzelnen Arbeitspakete sowie die weiteren Zeitpläne darstellen soll.

Mögliche Fusion von UN Women und UNFPA rückt in den Mittelpunkt

Besonders aufmerksam verfolgt wurde die erste Bewertung einer möglichen Zusammenlegung von UN Women und UNFPA. Vizegeneralsekretärin Amina Mohammed begründete die Prüfung mit einem veränderten globalen Umfeld. Wörtlich sagte sie: „Wir wissen, dass der Status quo keine Option ist.“

Nach den vorläufigen Ergebnissen könnte ein gemeinsamer institutioneller Rahmen das Fachwissen von UN Women zur Gleichstellung mit dem Mandat von UNFPA zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten zusammenführen. Die UN sieht darin die Möglichkeit, Abstimmung, Reichweite und praktische Wirkung in mehr als 150 Ländern und Territorien zu stärken.

UN-Women-Chefin Sima Bahous betonte, es gehe nicht darum, ob beide Organisationen Ergebnisse lieferten. Entscheidend sei die Frage, ob die bestehende Struktur ausreiche, um auf die kommenden Herausforderungen zu reagieren. UNFPA-Chefin Diene Keita sprach zugleich von einer komplexen Aufgabe und sagte, bei einer Fusion dieser Größenordnung seien eine schrittweise Umsetzung und klare operative Schutzmechanismen nötig, damit die Arbeit ohne Brüche weiterlaufen könne.

Digitalreform soll Milliardenaufwand besser bündeln

Ein weiteres Reformfeld betrifft die technologische Infrastruktur der Vereinten Nationen. Doreen Bogdan-Martin, Generalsekretärin der Internationalen Fernmeldeunion ITU, sagte, die UN investierten jährlich rund 2,5 Milliarden Dollar in digitale Infrastruktur.

Das zentrale Problem sei nicht die Technik selbst, sondern die Zersplitterung des Systems, dazu Finanzierungsengpässe und komplexe Steuerungsstrukturen. Deshalb soll der Ausbau gemeinsamer Dienste vorangetrieben, Doppelarbeit reduziert und eine systemweite Plattform für digitale Anwendungen und Werkzeuge mit künstlicher Intelligenz aufgebaut werden.

Damit soll die Organisation hinter den Kulissen stärker vernetzt werden. Aus Sicht der UN ist das eine Voraussetzung dafür, Programme und Entscheidungen über verschiedene Organisationen hinweg schneller und einheitlicher umzusetzen.

Geplant ist auch ein gemeinsamer Zugang zu UN-Daten

Parallel dazu arbeitet die UN an einem neuen Datenportal. Der sogenannte UN Data Commons soll öffentliche Datensätze und amtliche Statistiken, die bislang auf viele Organisationen verteilt sind, an einem Ort bündeln.

Untergeneralsekretär Li Junhua sagte, die Mitgliedstaaten brauchten rechtzeitige, verlässliche und leicht nutzbare Daten. UNICEF-Chefin Catherine Russell erklärte, ein funktionierendes System würde den Nutzern einen einzigen Zugangspunkt zu belastbaren Informationen bieten und zugleich die Grundlage schaffen, Daten dauerhaft verlässlich und anwendbar zu halten.

Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die Plattform bis September 2026 einsatzbereit sein.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share