UN plant unabhängiges KI-Expertengremium

Die Vereinten Nationen treiben den Aufbau eines unabhängigen wissenschaftlichen Expertengremiums zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz voran. UN-Generalsekretär António Guterres warnte in New York vor dem rasanten Tempo technologischer Entwicklungen und sprach von einem dringenden Bedarf an gemeinsamen internationalen Standards. Künstliche Intelligenz entwickle sich „mit Lichtgeschwindigkeit“, während politische und regulatorische Antworten hinterherhinkten.

Reaktion auf rasante technologische Durchbrüche

Der Vorstoß geht auf Debatten zurück, die seit 2023 an Intensität gewonnen haben, nachdem neue generative KI-Anwendungen weltweit Verbreitung fanden. Guterres berief daraufhin führende Wissenschaftlerinnen, Technologen und Akademiker ein, um Empfehlungen für eine sichere und verantwortungsvolle Governance zu erarbeiten. Ziel war es, Risiken systematisch zu bewerten und gleichzeitig Innovationspotenziale für gesellschaftlichen Nutzen offenzuhalten.

Aus diesen Beratungen entstand der Vorschlag für ein Internationales Wissenschaftliches Panel für Künstliche Intelligenz. Das Gremium soll unabhängig arbeiten, organisatorisch jedoch von den Vereinten Nationen unterstützt werden. Nach Angaben des Generalsekretärs handelt es sich um das erste globale wissenschaftliche Organ dieser Art mit dem Auftrag, Wissenslücken zu schließen und reale Auswirkungen von KI auf Wirtschaft und Gesellschaft zu bewerten.

Zusammensetzung und Mandat des Panels

Guterres und sein Sondergesandter für Technologie, Amandeep Gill, kündigten an, der Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Liste mit 40 Kandidatinnen und Kandidaten vorzulegen. Die Auswahl spiegelt unterschiedliche Fachrichtungen, geografische Herkunft und Geschlechterverteilung wider. Vorgesehen sind 19 Frauen und 21 Männer mit ausgewiesener Expertise in Bereichen wie maschinelles Lernen, Datenpolitik, Gesundheit, Cybersicherheit, Bildung und Menschenrechte.

Zu den Nominierten zählen unter anderem die britische Medienwissenschaftlerin Sonia Livingstone, der indische KI-Forscher Balaraman Ravindran sowie die philippinische Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa. Alle Mitglieder sollen in persönlicher Funktion tätig sein, unabhängig von Regierungen, Unternehmen oder Institutionen.

Das Panel soll wissenschaftliche Analysen vorlegen, thematische Vertiefungen in Schlüsselbereichen wie Gesundheit, Energie und Bildung durchführen und aktuelle Forschungsergebnisse bündeln. Die Generalversammlung soll am 12. Februar über die Zusammensetzung entscheiden. Ein erster Bericht ist für Juli vorgesehen und soll in den globalen Dialog zur KI-Governance einfließen.

Konsenssuche trotz geopolitischer Spannungen

Mit Blick auf divergierende Regulierungsansätze und zunehmende geopolitische Rivalitäten räumte Gill ein, dass die Konsensbildung anspruchsvoll werde. Zugleich verwies er auf historische Erfahrungen, in denen wissenschaftliche Kooperation selbst in Phasen politischer Blockkonfrontation möglich gewesen sei. Die Vereinten Nationen böten dafür die notwendigen Mechanismen, um gemeinsame Grundlagen zu schaffen.

Finanzierung und politische Einordnung

Auf Fragen zur Finanzierung des Panels verwies Guterres auf die Verantwortung der Mitgliedstaaten, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Die Regulierung von Künstlicher Intelligenz sei ein globales Anliegen, für das entsprechende Ressourcen mobilisiert werden müssten.

Gleichzeitig betonte er, dass das Gremium auch heikle Themen wie die militärische Nutzung von KI und deren Einsatz in Konfliktgebieten untersuchen solle, um faktenbasierte Grundlagen für politische Entscheidungen zu liefern.

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