Die Vereinten Nationen haben am Dienstag an den Genozid an den Tutsi in Ruanda erinnert und die internationale Gemeinschaft zugleich vor den Folgen von Hassrede, Aufwiegelung und politischer Untätigkeit gewarnt. Am 7. April 2026 steht die Gedenkfeier in New York im Zeichen des Internationalen Tages des Gedenkens an den Genozid von 1994.
Mehr als eine Million Menschen wurden damals innerhalb von weniger als drei Monaten getötet. Betroffen waren vor allem Tutsi, aber auch Hutu und andere Menschen, die sich dem Genozid widersetzten. Mit der diesjährigen Zeremonie wollen die UN die Erinnerung an die Opfer wachhalten und den Zusammenhang zwischen Gedenken, Bildung und Prävention betonen.
UN rückt Erinnerung und politische Verantwortung in den Mittelpunkt
UN-Generalsekretär António Guterres gedachte der Opfer in einer Botschaft zum Gedenktag. Er sprach von „ganzen Familien, die brutal ausgelöscht wurden“ und würdigte die „geraubte Würde“ der Getöteten.
Zugleich erinnerte Guterres an das Versagen der internationalen Gemeinschaft im Jahr 1994. Warnungen seien damals nicht rechtzeitig beachtet worden, lebensrettendes Handeln sei ausgeblieben. Daraus leitete er die Forderung ab, Hass, hetzerische Rhetorik und jede Form der Anstiftung zu Gewalt entschlossen zurückzuweisen.
Die zentrale Botschaft der UN ist damit klar doppelt angelegt: Erinnerung an die Verbrechen von 1994 und Warnung vor politischen Mustern, die zu Massenverbrechen führen können.
Überlebende geben dem Gedenken ein Gesicht
Bei der Gedenkveranstaltung am UN-Hauptquartier berichten auch Überlebende des Genozids von ihren Erfahrungen. Einer von ihnen ist Serge Gasore, der als Kind mehrere Mordversuche überlebte. Seine Mutter wurde getötet, seine Großmutter starb bei einem Granatenangriff auf eine Kirche, in der sich Tutsi versteckt hatten.

Gasore floh wochenlang vor Angreifern und wurde im Alter von neun Jahren gezwungen, mit der Ruandischen Patriotischen Front zu kämpfen. Später ließ er sich in den Vereinigten Staaten nieder und gründete mit seiner Frau die Organisation Rwanda Children, die gefährdete Kinder in Ruanda mit Unterkunft, Nahrung, medizinischer Versorgung und Bildung unterstützt.
Auch Marcel Mutsindashyaka tritt bei der Zeremonie auf. Er verlor nach eigenen Angaben 25 Angehörige seiner Familie. Heute leitet er die US-Sektion der Überlebendenorganisation Ibuka, die sich für Betroffene einsetzt und Gedenkveranstaltungen organisiert.
Gedenktag ist Teil eines weltweiten UN-Programms
Die Veranstaltung in New York ist Teil eines internationalen UN-Programms zum Gedenken an den Genozid an den Tutsi in Ruanda. Das Programm wurde 2005 von der Generalversammlung eingerichtet. Ziel ist es, die Zivilgesellschaft für Erinnerung, Aufklärung und Prävention zu mobilisieren.
We remember the victims. We honour the lives stolen. We acknowledge the suffering that endures. At the General Assembly, we marked the International Day of Reflection on the 1994 Genocide against the Tutsi in Rwanda, reaffirming that the prevention of genocide requires action -… pic.twitter.com/V3quXyJaBa
— Annalena Baerbock (@UN_PGA) April 7, 2026
Neben der Feier am UN-Hauptquartier finden auch an weiteren UN-Standorten weltweit Gedenkveranstaltungen statt. Damit verbinden die Vereinten Nationen historische Erinnerung ausdrücklich mit Bildungsarbeit und dem Anspruch, künftige Völkermorde zu verhindern.
Hochrangige Vertreter aus UN und Ruanda nehmen teil
Zu den Rednern der Zeremonie gehören mehrere hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen. Angekündigt sind unter anderem Annalena Baerbock als Präsidentin der UN-Generalversammlung, Courtenay Rattray als Chef des Kabinetts des UN-Generalsekretärs sowie UN-Kommunikationschefin Melissa Fleming.
Die ruandische Regierung wird durch Justizminister und Generalstaatsanwalt Emmanuel Ugirashebuja sowie durch Ruandas UN-Botschafter Karoli Martin Ngoga vertreten.
