In der Zentralafrikanischen Republik ist Treibstoff zu einem zentralen Instrument von Krieg, staatlicher Kontrolle und krimineller Bereicherung geworden. Ein neuer Bericht der Global Initiative Against Transnational Organized Crime zeigt, wie die Kontrolle über den Treibstoffsektor zunehmend von bewaffneten Gruppen auf ein Netzwerk aus staatlichen Akteuren, politisch vernetzten Unternehmen und ausländischen Sicherheitsakteuren übergegangen ist.
Treibstoff als Schlüsselressource im Konflikt
Treibstoff spielt seit Jahren eine zentrale Rolle in der Konfliktökonomie der Zentralafrikanischen Republik. Bewaffnete Gruppen nutzten ihn, um Mobilität, territoriale Kontrolle und parallele Wirtschaftssysteme aufrechtzuerhalten. Schmuggelrouten aus dem Tschad, Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und Kamerun versorgten Rebellengebiete und machten Treibstoff zu einer strategischen Ressource.
Mit der militärischen Rückeroberung wichtiger Versorgungsachsen durch die nationalen Streitkräfte und ihre ausländischen Verbündeten verlagerte sich diese Kontrolle zunehmend in staatliche Hände. Gleichzeitig blieb Treibstoff ein Machtfaktor, nun jedoch eingebettet in formelle Strukturen.
Rolle russischer Sicherheitsakteure
Der Bericht beschreibt den Aufbau paralleler Treibstoff-Lieferketten durch die russische Wagner-Struktur, die inzwischen als Africa Corps firmiert. Diese Netzwerke sichern die Versorgung gemeinsamer militärischer Operationen mit den zentralafrikanischen Streitkräften und unterstützen gleichzeitig den illegalen Bergbau.

Nach Recherchen der Autoren werden Teile des Treibstoffs über Frontfirmen importiert, die privilegierten Zugang zu staatlichen Genehmigungen besitzen. Eine dieser Firmen fungiert inzwischen als Hauptlieferant für militärische Einheiten und ist von bestehenden Importmonopolen ausgenommen.
Staatliche Kontrolle und Marktverzerrungen
Parallel dazu hat die Regierung den formellen Treibstoffsektor stark zentralisiert. Ein einzelnes Unternehmen erhielt exklusive Importrechte, während andere Marktakteure verdrängt wurden. Trotz einer Erholung der Importmengen blieben die Preise hoch. Der Bericht führt dies auf künstlich erhöhte Referenzpreise, hohe Importaufschläge und steuerliche Ausnahmen zurück.
Nach Berechnungen der Autoren entstanden dadurch im Jahr 2024 zusätzliche Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe, die über ein hierarchisches System an Sicherheitsdienste, politische Entscheidungsträger und wirtschaftliche Akteure verteilt wurden.
Schmuggel und parallele Märkte bestehen fort
Trotz der formellen Zentralisierung bestehen parallele Märkte weiter. Unter dem Vorwand der Versorgung abgelegener Regionen dürfen nicht lizenzierte Händler Treibstoff importieren. In der Praxis, so der Bericht, wird dieses System genutzt, um geschmuggelten Treibstoff aus Nigeria und Kamerun in den offiziellen Markt einzuschleusen.

Kontrollmechanismen seien schwach, Zoll- und Anti-Betrugsstellen personell unterbesetzt und anfällig für Korruption. Beschlagnahmter Treibstoff werde häufig gegen informelle Zahlungen wieder freigegeben, ohne dass Einnahmen in den Staatshaushalt flössen.
Treibstoff als Einnahmequelle politischer Netzwerke
Besonders lukrativ ist laut Bericht der Betrieb beschlagnahmter Tankstellen in Bangui. Diese werden von politisch gut vernetzten Personen kontrolliert und verkaufen Treibstoff zu regulären Preisen, obwohl dieser häufig steuerbefreit oder aus inoffiziellen Quellen stammt.
Ein Teil der Gewinne fließt nach Angaben von Insidern über Gutscheinsysteme zurück an staatliche Stellen und Sicherheitskräfte. Treibstoff werde so nicht nur zur logistischen Ressource, sondern auch zum Finanzierungsinstrument politischer Macht.