Sicherheitsrat berät auf Ministerebene über Eskalation im Sudan

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen befasst sich am 19. Februar 2026 in einer offenen Sitzung mit der Lage im Sudan. Das Vereinigte Königreich, im Februar Ratspräsident und Federführer für das Sudan-Dossier, hat das Treffen auf Ministerebene angehoben. Die britische Außenministerin Yvette Cooper soll den Vorsitz führen.

Erwartet werden Briefings von Rosemary DiCarlo, Untergeneralsekretärin für politische und friedenskonsolidierende Angelegenheiten, sowie von Edem Wosornu vom United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs. Zudem soll eine Vertreterin der Zivilgesellschaft über die Lage von Frauen im Konflikt berichten, insbesondere über konfliktbezogene sexualisierte Gewalt.

Verschärfte Kämpfe vor drittem Kriegsjahr

Der Krieg zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces dauert seit April 2023 an und nähert sich seinem dritten Jahr. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen befindet sich der Konflikt in einer gefährlichen Phase mit intensivierten Gefechten, dem Einsatz zunehmend komplexer Waffensysteme und sich verschiebenden Frontlinien.

Die Kämpfe haben staatliche Strukturen weiter geschwächt und zu massiver Vertreibung sowie akuter Ernährungsunsicherheit geführt. Berichte über grenzüberschreitende Unterstützungsnetzwerke, Waffenlieferungen und Rückzugsräume in Nachbarstaaten nähren Sorgen über eine weitere regionale Destabilisierung.

Mehrere Ratsmitglieder dürften eine sofortige Waffenruhe fordern und auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte drängen.

Bericht zu El Fasher und mutmaßlichen Kriegsverbrechen

Am 13. Februar veröffentlichte das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte einen Bericht zur Offensive der Rapid Support Forces im Oktober 2025 in El Fasher, der Hauptstadt von Nord-Darfur. Den dokumentierten Mustern zufolge führten die RSF und verbündete Milizen einen weitreichenden und systematischen Angriff auf die Zivilbevölkerung durch.

Dem Bericht zufolge könnten Handlungen vorliegen, die als Kriegsverbrechen einzustufen sind, darunter gezielte Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte, wahllose Angriffe sowie Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt. Eine unabhängige internationale Untersuchungsmission soll ihre Ergebnisse ebenfalls vorlegen.

Diplomatische Initiativen ohne Durchbruch

Parallel zu den Kämpfen laufen regionale und internationale Vermittlungsbemühungen. Der Persönliche Gesandte des UN-Generalsekretärs für den Sudan, Ramtane Lamamra, hatte regelmäßig im Rat berichtet. Medienberichten zufolge soll er seine Funktion Ende des Monats beenden.

Bei einer Geberkonferenz Anfang Februar in Washington wurde laut US-Angaben ein Entwurf für einen Friedensplan zwischen Ägypten, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den Vereinigten Staaten abgestimmt. Ziel sei eine humanitäre Waffenruhe und die Einrichtung sicherer Korridore für Hilfslieferungen. Der Plan könnte dem Sicherheitsrat zur Annahme vorgelegt werden.

Auch eine sogenannte Quintett-Gruppe aus Afrikanischer Union, Europäischer Union, IGAD, Liga der Arabischen Staaten und den Vereinten Nationen rief zu einem sofortigen Ende der militärischen Eskalation auf.

Sudans Übergangsministerpräsident Kamil El-Tayeb Idris wirbt international für seinen Vorschlag eines sofortigen Waffenstillstands und des Rückzugs der RSF aus kontrollierten Gebieten. Gleichzeitig bemüht sich Khartum um eine Wiederaufnahme in die Afrikanische Union, nachdem das Land 2021 suspendiert worden war.

Sanktionsdebatte im Rat

Die Vereinigten Staaten, Frankreich und das Vereinigte Königreich haben vorgeschlagen, vier RSF-Kommandeure im Rahmen des Sanktionsregimes nach Resolution 1591 zu listen. Der Vorschlag wurde im sogenannten „No-Objection“-Verfahren eingebracht. Mehrere Ratsmitglieder, darunter afrikanische Staaten sowie China und Russland, lehnen eine Ausweitung ab.

Zudem verhandeln die Ratsmitglieder über eine Erklärung, die die Eskalation der Gewalt, die humanitäre Lage und den Schutz von Zivilisten adressieren soll. Ein erster Entwurf wurde nach Einwänden überarbeitet, eine Einigung steht noch aus.

Humanitäre Lage verschärft sich

Edem Wosornu dürfte dem Rat eine weitere Verschlechterung der humanitären Situation schildern, insbesondere in den Regionen Kordofan und Darfur. Die Kämpfe erschweren den Zugang für Hilfsorganisationen und erhöhen die Risiken für Zivilisten sowie für humanitäres Personal.

Nach Angaben von OCHA hat ein UN-Konvoi mit Hilfsgütern für mehr als 130.000 Menschen die Städte Dilling und Kadugli in Süd-Kordofan erreicht. Es handelt sich um die erste Lieferung seit über drei Monaten. Die Regionen gelten als besonders von Ernährungsunsicherheit betroffen.

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