Nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vom 16. September 2025 steht Malawi im Fokus politischer Beobachter in Afrika. Der Machtwechsel vom bisherigen Präsidenten Lazarus Chakwera zur neuen Staatsführung unter Peter Mutharika verlief friedlich und ohne größere Zwischenfälle. Während Wahlbeobachter und Teile der Wissenschaft darin ein Zeichen gefestigter demokratischer Prozesse sehen, verweisen andere Stimmen auf strukturelle Defizite und ungelöste Herausforderungen.
Wahlausgang und offizielles Ergebnis

Die malawische Wahlkommission Malawi Electoral Commission erklärte Peter Mutharika von der Democratic Progressive Party zum Sieger der Präsidentschaftswahl. Er erhielt rund 57 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen 15 weitere Kandidaten durch. Insgesamt entfielen 3.035.249 Stimmen auf Mutharika, während Amtsinhaber Chakwera 1.765.170 Stimmen erreichte und die absolute Mehrheit verfehlte.
Internationale Wahlbeobachtermissionen, darunter die Afrikanische Union, der Commonwealth, die EU sowie die SADC, stuften den Wahlprozess überwiegend als frei und fair ein. Auch politische Analysten verwiesen auf den geordneten Ablauf und das Ausbleiben nachwahlbedingter Gewalt.
Vergleich mit regionalen Entwicklungen
Der friedliche Machtwechsel hebt sich aus Sicht vieler Beobachter von jüngsten Wahlverläufen in anderen Teilen des südlichen Afrikas ab. In Mosambik und Tansania hatten politische Akteure und Menschenrechtsorganisationen Unregelmäßigkeiten beanstandet. Vor diesem Hintergrund wird Malawi zunehmend als Referenzfall für institutionelle Stabilität genannt.
Gleichzeitig bleibt die Wahlbeteiligung ein Thema. Trotz des geordneten Ablaufs war eine gewisse Wahlmüdigkeit spürbar, was Fragen nach politischer Teilhabe und Vertrauen in staatliche Institutionen aufwirft.
Wissenschaftliche Debatte über demokratische Konsolidierung
Der Politikwissenschaftler Ernest Thindwa von der University of Malawi verweist darauf, dass demokratische Reife nicht allein an friedlichen Wahlen gemessen werden könne. Zwar habe es im Vorfeld der Wahl Spannungen gegeben, insbesondere wegen Misstrauens gegenüber der Führung der Wahlkommission unter der damaligen Vorsitzenden Annabel Mtalimanja. Dennoch sei bemerkenswert, dass selbst Kritiker den verkündeten Ergebnissen letztlich vertraut hätten und es zu keiner Gewalt gekommen sei.
Thindwa argumentiert, dass eine belastbare Demokratie auch politische Führungspersönlichkeiten erfordere, die das institutionelle Gefüge respektierten und die Erwartungen der Bevölkerung an staatliches Handeln verstünden. Friedliche Machtwechsel seien ein wichtiger, aber nicht hinreichender Indikator.
Eine andere Einschätzung vertritt Happy Kayuni, ebenfalls von der Universität Malawi. Er sieht in der jüngsten Machtübergabe einen klaren Beleg für demokratische Konsolidierung. Entscheidend sei weniger die Anzahl aufeinanderfolgender Wahlen als vielmehr die tatsächliche Möglichkeit eines Regierungswechsels zwischen konkurrierenden Parteien.
Frühere Präzedenzfälle und institutionelle Risiken

Kayuni verweist in diesem Zusammenhang auf die Präsidentschaftswahl von 2020, als ein vom Gericht angeordneter Urnengang zum Sieg Chakwera führte und die damalige Regierung Mutharikas ablöste. Dass Chakwera nun seinerseits die Niederlage anerkannt und einen geordneten Übergang zugesagt habe, wertet er als institutionell bedeutsam.
Gleichzeitig macht Kayuni auf strukturelle Risiken aufmerksam. Der Austausch von Führungspersonal nach Regierungswechseln sei im Sicherheitsapparat üblich, könne jedoch problematisch werden, wenn diese Praxis auf staatliche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen ausgeweitet werde. Ein solcher Personalumbruch könne das Vertrauen in staatliche Institutionen untergraben und langfristig zu Instabilität führen.
Einordnung im afrikanischen Kontext
Der Machtwechsel in Malawi fand in einem Jahr statt, das zunächst als afrikanischer „Superwahlzyklus“ galt. In mehreren Staaten, darunter Botswana, Ghana, Liberia und Senegal, verliefen Wahlen geordnet, während Südafrika erstmals eine Regierungskoalition bildete. Parallel zeigen Umfragen des Afrobarometer, dass eine Mehrheit der Bevölkerung demokratische Regierungsformen unterstützt, jedoch mit deren praktischer Umsetzung unzufrieden ist.
Gleichzeitig bleiben militärische Machtübernahmen ein Risikofaktor, wie jüngere Entwicklungen und Umsturzversuche in verschiedenen Ländern verdeutlichen. Vor diesem Hintergrund wird der politische Übergang in Malawi von vielen Beobachtern als relevanter Referenzpunkt für demokratische Prozesse auf dem Kontinent wahrgenommen.