Die Beziehungen zwischen Niger und Libyen sind nach der Übergabe zweier libyscher Staatsbürger an die von Khalifa Haftar kontrollierten Behörden im Osten Libyens angespannt. Am 28. Februar 2026 legte die in Tripolis ansässige Regierung der Nationalen Einheit formell Protest gegen Niamey ein.
Die beiden Männer waren Mitte 2025 von nigrischen Behörden in einer gemeinsamen Grenzregion festgenommen worden. Sie gelten als Gegner von General Khalifa Haftar, der weite Teile Ostlibyens kontrolliert, und wurden später an die dortigen Behörden überstellt.
Protestnote aus Tripolis
Das Außenministerium der Regierung der Nationalen Einheit bezeichnete die Übergabe als „offenkundige Verletzung des Völkerrechts“. In der offiziellen Mitteilung heißt es, „nur die von den Vereinten Nationen anerkannte libysche Regierung ist befugt, den Staat offiziell zu vertreten“.
Tripolis erklärte, man habe „alle anerkannten administrativen und diplomatischen Wege“ eingehalten und zeigte sich „überrascht“ über die Entscheidung Niameys. Die Regierung kündigte an, juristische Schritte zu prüfen und Verantwortlichkeiten gegenüber den beteiligten Entscheidungsträgern geltend zu machen. Dabei berief sie sich ausdrücklich auf „das Prinzip der Gegenseitigkeit“.
Zugleich machte Tripolis Niger „vollständig verantwortlich“ für die körperliche Unversehrtheit und Sicherheit der beiden libyschen Staatsbürger.
Hintergrund: Geteiltes Libyen

Der Vorfall steht im Zusammenhang mit der anhaltenden politischen Spaltung Libyens. Das Land ist seit Jahren zwischen zwei Machtzentren geteilt. In Tripolis regiert die international anerkannte Regierung der Nationalen Einheit. Im Osten kontrolliert eine von Khalifa Haftar geführte Militärstruktur große Teile des Territoriums.
Diese institutionelle Doppelstruktur umfasst getrennte Sicherheitsapparate und konkurrierende Verwaltungsstrukturen. Die Übergabe der beiden Männer an die ostlibyschen Behörden berührt daher unmittelbar die Frage der internationalen Anerkennung und der Zuständigkeit staatlicher Vertretung.
Die nigrischen Behörden äußerten sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen oder zu den Gründen der Übergabe.