Kritische Mineralien: USA gründen FORGE als neues Bündnis für sichere Lieferketten

Die USA haben am 4. Februar 2026 in Washington das erste „Critical Minerals Ministerial“ ausgerichtet und Vertreterinnen und Vertreter von 54 Staaten sowie der Europäischen Kommission zusammengebracht. Außenminister Marco Rubio eröffnete das Treffen gemeinsam mit Vizepräsident JD Vance und weiteren Kabinettsmitgliedern. Ziel ist der Aufbau sicherer, diversifizierter und resilienter Lieferketten für kritische Mineralien und Seltene Erden, die für Technologien wie KI, Robotik, Batterien und autonome Systeme als zentral gelten.

Sieben afrikanische Staaten beim Ministerialtreffen vertreten

Unter den teilnehmenden Delegationen waren sieben afrikanische Staaten: Angola, Demokratische Republik Kongo, Guinea, Kenia, Marokko, Sierra Leone und Sambia. Die Runde stellte den Zusammenhang zwischen Rohstoffversorgung, Transport- und Logistiknetzwerken sowie geopolitischer Verwundbarkeit eines stark konzentrierten Marktes in den Mittelpunkt.

Neue US-Linie: Bilaterale Abkommen und Preis-Mechanismen

Die USA unterzeichneten am Tag des Treffens neue bilaterale Rahmenwerke oder Memorandums of Understanding zu kritischen Mineralien, darunter mit Guinea und Marokko. Zusätzlich kündigte die US-Regierung weitere Finanzierungsoptionen für strategische Rohstoffprojekte an und verwies auf bereits mobilisierte Unterstützungsinstrumente in Milliardenhöhe.

Ein Schwerpunkt liegt auf Mechanismen, die Investitionen in Bergbau, Verarbeitung und Weiterverarbeitung planbarer machen sollen. In den Redebeiträgen wurde die Problembeschreibung mehrfach wiederholt: Projekte geraten ins Stocken, wenn Marktpreise abrupt einbrechen und Finanzierungen ausbleiben. Die US-Seite stellte Referenzpreise und Schutzmechanismen in Aussicht, um Investitionsrisiken zu begrenzen und Lieferketten widerstandsfähiger zu machen.

FORGE ersetzt die Minerals Security Partnership

Rubio kündigte die Gründung des „Forum on Resource Geostrategic Engagement“ (FORGE) an. FORGE folgt auf die Minerals Security Partnership (MSP) und soll Partnerstaaten auf Policy- und Projektebene zusammenführen. Den Vorsitz übernimmt zunächst die Republik Korea bis Juni. FORGE soll nach US-Darstellung Lücken in prioritären Lieferketten schließen, faire Märkte unterstützen und den Zugang zu Finanzierung ausweiten.

Privatwirtschaft als zweites Standbein: „Pax Silica“ und Industrie-Task-Force

Die USA betonten, dass der Aufbau neuer Rohstoff- und Verarbeitungskapazitäten ohne die Privatwirtschaft nicht umgesetzt werden könne. „Pax Silica“ wurde als Plattform genannt, die Investitionen entlang der Wertschöpfungskette mobilisieren soll, von Bergbau über Raffination und Verarbeitung bis zu Recycling und Reprocessing.

Am 3. Februar wurde zudem ein Treffen mit Akteuren aus der Privatwirtschaft angesetzt. Dabei stand auch eine Vereinbarung zwischen Glencore und dem US-gestützten Orion Critical Mineral Consortium im Raum, bezogen auf einen möglichen Erwerb von Vermögenswerten in der Demokratischen Republik Kongo. Anschließend kündigten US-Vertreter eine Task Force von Industrievertretern an, um prioritäre Projekte zu beschleunigen.

Finanzierung und strategische Reserven: Project Vault und weitere Instrumente

Im Mittelpunkt der angekündigten Finanzierung steht „Project Vault“, eine Initiative der Export-Import Bank (EXIM) zur Schaffung einer strategischen Reserve für kritische Mineralien in den USA. Genannt wird ein Direktkreditrahmen von bis zu 10 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus wurden weitere Finanzierungen und Absichtserklärungen für Rohstoff- und Verarbeitungsprojekte angeführt, ergänzt um Programme des Department of Energy sowie Aktivitäten der U.S. International Development Finance Corporation (DFC).

Rolle afrikanischer Staaten: Rohstoffe, Verarbeitung, Wertschöpfung

In der Pressebegegnung betonte Rubio, dass jedes Land strategische Beiträge leisten könne, über Vorkommen, Verarbeitungskapazitäten oder industrielle Nachfrage. Für Marokko nannte er neben Ressourcen auch die Bereitschaft zu Investitionen in Verarbeitung als möglichen Beitrag.

Marokkos Außenminister Nasser Bourita stellte Afrika als zentralen Baustein künftiger Wertschöpfungsketten dar. Er verwies auf den Anteil des Kontinents an globalen Rohstoff- und strategischen Mineralienreserven und forderte Investitionen in Infrastruktur, Kapazitäten und Governance, damit Rohstoffreichtum in Wachstum und Beschäftigung übersetzt werden könne.

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