Italien braucht mehr Energie aus Algerien

Italien und Algerien wollen ihre Zusammenarbeit bei Energie, Sicherheit und Wirtschaft weiter ausbauen. Bei dem Treffen von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Präsident Abdelmadjid Tebboune in Algier standen Gaslieferungen, gemeinsame Investitionsprojekte, Migration sowie die Lage im Sahel und in Nahost im Mittelpunkt. Am Mittwoch, 25. März, bekräftigten beide Seiten den strategischen Charakter ihrer Beziehungen.

Meloni traf in Algier zunächst Premierminister Sifi Ghrieb und nahm am Märtyrerdenkmal an einer Kranzniederlegung teil. Danach kam sie im Präsidentenpalast El Mouradia mit Tebboune zu einem bilateralen Gespräch zusammen. Im Anschluss traten beide vor die Presse.

Energie bleibt der Kern der Partnerschaft

Im Zentrum der Beziehungen steht weiter die Energiepolitik. Tebboune bekräftigte, Algerien wolle seinen Verpflichtungen als strategischer und verlässlicher Partner Italiens und Europas nachkommen. Gerade in einer Phase angespannter Märkte und unsicherer Lieferketten hob er die Bedeutung stabiler Öl- und Gaslieferungen hervor.

Meloni unterstrich die besondere Rolle Algeriens für Italien. Beide Länder wollten ihre enge Kooperation im Energiesektor weiter verstärken. Dabei ging es auch um neue Felder wie Schiefergas und Offshore-Exploration, die den Gasfluss nach Italien langfristig ausweiten könnten.

Zugleich soll die Zusammenarbeit breiter werden. Algerien und Italien wollen nach Angaben beider Seiten auch bei erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff, Forschung, Ausbildung, Start-ups, moderner Technologie, innovativer Landwirtschaft und Ernährungssicherheit enger zusammenarbeiten.

Mattei-Plan und Agrarprojekte gewinnen an Gewicht

Ein wichtiger Teil der Gespräche betraf die italienischen Vorhaben in Algerien im Rahmen des Mattei-Plans für Afrika. Tebboune hob zwei gemeinsame Projekte besonders hervor: die Produktion von Getreide und Hülsenfrüchten in der Provinz Timimoun sowie ein algerisch-italienisches Zentrum für Ausbildung, Forschung und Innovation im Agrarbereich in Sidi Bel Abbès.

Meloni nannte auch konkrete Fortschritte. Bei dem landwirtschaftlichen Vorhaben sollen mehr als 36.000 Hektar Wüstenland erschlossen werden. 2026 soll die bewirtschaftete Fläche von 7.000 auf 13.000 Hektar wachsen.

Auch das Ausbildungszentrum in Sidi Bel Abbès ist nach ihren Angaben in die operative Phase eingetreten. Die Leitung soll in Kürze benannt werden. Die ersten Ausbildungsangebote sollen noch vor dem Sommer anlaufen.

Neue Impulse für Handel und Investitionen

Neben Energie und Landwirtschaft rückte auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker in den Vordergrund. Beide Seiten wollen die Gründung einer Handelskammer beschleunigen. Sie soll Unternehmen aus beiden Ländern enger vernetzen und den wirtschaftlichen Austausch erleichtern.

Meloni verwies auf Chancen in der Agrarindustrie, in der Verteidigungsindustrie, in der Pharmaindustrie, im Transport- und Logistikbereich, bei Infrastruktur sowie im digitalen Sektor. Zudem soll ein neues Regierungsgipfeltreffen vorbereitet werden.

Enge Abstimmung bei Migration und Sicherheit

Breiten Raum nahm auch die Zusammenarbeit im Mittelmeerraum ein. Beide Regierungen wollen ihre Koordination im Kampf gegen irreguläre Migration, Menschenhandel, Terrorismus und grenzüberschreitende Kriminalität fortsetzen.

Meloni bezeichnete die Kooperation mit Algerien in Migrationsfragen als Modell für die Region. Gemeinsame Priorität bleibe die Bekämpfung krimineller Netzwerke, die vom Menschenhandel profitierten. Den Rückgang irregulärer Ankünfte und der Todesfälle im Mittelmeer führte sie auch auf die enge Zusammenarbeit mit Algerien zurück.

Uneinigkeit zu Sahel, Libyen und Westsahara

Auch regionale Krisen spielten eine wichtige Rolle. Tebboune sprach von einer deutlichen Annäherung in mehreren internationalen Fragen. Mit Blick auf den Sahel äußerten beide Seiten Sorge über die Sicherheitslage und betonten die Bedeutung der Terrorismusbekämpfung in einer Region, die für Afrika und den Mittelmeerraum gleichermaßen wichtig ist.

Tebboune erklärte zudem, die Beziehungen Algeriens zu Niger hätten sich normalisiert. Er verwies auf jüngste Kontakte zwischen beiden Ländern sowie auf die Unterzeichnung ausstehender Vereinbarungen in Niamey.

Zur Lage in Libyen betonte er die Notwendigkeit rascher Lösungen, die die Einheit des Landes und die Souveränität des libyschen Volkes sichern. Zugleich erneuerte Algerien seine Unterstützung für die Bemühungen der Vereinten Nationen.

In der Westsahara-Frage bekräftigte Tebboune die Forderung nach einer politischen Lösung, die dem sahrauischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung garantiere. Meloni sagte, Italien unterstütze die laufenden Verhandlungen über eine „nachhaltige, dauerhafte und für beide Seiten akzeptable“ Lösung im Einklang mit dem Rahmen der Vereinten Nationen.

Nahost bleibt gemeinsamer Gesprächspunkt

Ausführlich ging es zudem um die Lage im Nahen Osten. Tebboune forderte ein sofortiges Ende jeder weiteren Eskalation und warb für Dialog und Diplomatie. Mit Blick auf die palästinensische Frage bekräftigte Algerien seine Unterstützung für eine Lösung, die zur Verwirklichung eines unabhängigen palästinensischen Staates führt.

Meloni nannte mögliche Gespräche zwischen den USA und Iran ein positives Signal. Italien wolle jede Initiative unterstützen, die zur Stabilisierung der Region beitrage. Zugleich äußerte sie Besorgnis über die militärische Eskalation im Libanon und bekräftigte die Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung.

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