Weniger als zwei Wochen nach der offiziellen Anerkennung Somalilands durch Israel ist der israelische Außenminister Gideon Saar zu einem Besuch in die selbsternannte Republik gereist. Die Visite in Hargeisa markiert den ersten hochrangigen offiziellen Besuch eines israelischen Regierungsmitglieds seit der einseitigen Anerkennung vom 26. Dezember 2025. Der Schritt hat regional wie international deutliche Reaktionen ausgelöst, insbesondere von Somalia, afrikanischen Staaten und multilateralen Organisationen.
Ankunft in Hargeisa und offizieller Empfang
Nach Angaben der Präsidentschaft Somalilands traf Außenminister Gideon Saar am Dienstag in der Hauptstadt Hargeisa ein. Er wurde am Flughafen von Vertretern der somaliländischen Regierung empfangen. Die Präsidentschaft teilte mit, Saar reise mit einer Delegation und werde Gespräche mit Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi führen. Gemeinsame Presseauftritte seien vorgesehen.
Es handelt sich um den ersten offiziellen Besuch eines israelischen Ministers in Somaliland seit der Anerkennung des Gebiets als unabhängiger und souveräner Staat durch Israel.
Anerkennung Somalilands durch Israel
Israel hatte am 26. Dezember 2025 offiziell erklärt, Somaliland als Staat anzuerkennen. Das Gebiet hatte 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia ausgerufen, wird jedoch international bislang nicht als souveräner Staat anerkannt. Israel ist damit der erste Staat, der diesen Schritt vollzogen hat.

Die israelische Regierung begründete die Entscheidung mit langjährigen Kontakten und verwies darauf, dass Somaliland seit Jahrzehnten stabile staatliche Strukturen aufgebaut habe. Premierminister Benjamin Netanyahu hatte die Anerkennung öffentlich bekanntgegeben.
Reaktionen aus Somalia und der Region
Die somalische Bundesregierung verurteilte die Anerkennung scharf und bezeichnete sie als Verletzung ihrer Souveränität und territorialen Integrität. Somalia erklärte sämtliche Abkommen oder Anerkennungen, die den Status Somalilands betreffen, für nichtig. Zudem bekräftigte Mogadischu, keine ausländischen Militärbasen oder Vereinbarungen zuzulassen, die das Land in regionale Stellvertreterkonflikte hineinziehen könnten.
Auch zahlreiche regionale und internationale Akteure äußerten Bedenken. Mehrere afrikanische und arabische Staaten sowie Organisationen wie die Afrikanische Union, die Arabische Liga, die Organisation für Islamische Zusammenarbeit und die Europäische Union warnten vor einer Destabilisierung am Horn von Afrika.
Debatte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
Die Anerkennung Somalilands durch Israel war Ende Dezember 2025 Gegenstand einer ausführlichen Debatte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Vertreter Somalias bezeichneten den Schritt als Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen und gegen grundlegende Prinzipien des Völkerrechts. Unterstützung erhielten sie von mehreren Mitgliedstaaten, die die Einheit und territoriale Integrität Somalias betonten.
Andere Staaten, darunter die Vereinigten Staaten, verteidigten Israels Entscheidung. Die US-Vertretung erklärte, Israel habe das Recht, diplomatische Beziehungen zu gestalten. Zugleich stellte Washington klar, dass es selbst keine Anerkennung Somalilands ausgesprochen habe und es keine Änderung der US-Politik gebe.
Israel argumentierte im Sicherheitsrat, Somaliland erfülle die Kriterien staatlicher Souveränität nach dem Völkergewohnheitsrecht und verwies auf die Montevideo-Konvention. Die Anerkennung sei weder provokativ noch neu, sondern Ausdruck einer bestehenden Realität.
Bedeutung des Besuchs für Somaliland
Für Somaliland wird der Besuch des israelischen Außenministers als politisches Signal gewertet. Die dortigen Behörden sehen in der Anerkennung durch Israel und der anschließenden diplomatischen Visite eine Bestätigung ihrer seit Jahrzehnten angestrebten internationalen Anerkennung. Die Regierung in Hargeisa erklärte, man strebe den Aufbau vollständiger diplomatischer Beziehungen zu Israel sowie eine Vertiefung der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen an.
זכות גדולה לקיים את הביקור המדיני הרשמי הראשון בסומלילנד בהזמנת הנשיא אבדירחמן מוחמד עבדילאהי.
— Gideon Sa'ar | גדעון סער (@gidonsaar) January 6, 2026
הביקור הוא גם מסר – אנו נחושים לקדם בתנופה את היחסים בין ישראל לסומלילנד. קיימנו היום דיונים משמעותיים עם הנשיא ובכירי ממשלו הנוגעים למכלול היחסים בינינו.
ההכרה ההדדית וכינון היחסים… pic.twitter.com/w1w4WPIJLh
Berichten zufolge prüfen weitere Staaten, darunter Kenia, Marokko und Indien, ihre Haltung zu Somaliland. Offizielle Anerkennungen wurden bislang jedoch nicht bestätigt.
Geopolitische Einordnung
Der Besuch Saars erfolgt in einem sensiblen regionalen Umfeld. Das Horn von Afrika ist geprägt von politischen Übergangsprozessen, Sicherheitsfragen und internationalen Interessen. Mehrere Staaten warnten, dass einseitige Anerkennungen separatistischer Gebiete bestehende Spannungen verschärfen und den Kampf gegen bewaffnete Gruppen wie Al-Shabaab beeinträchtigen könnten.
Zugleich betonten Vertreter einiger Länder, dass innersomalische Fragen ausschließlich im Rahmen eines Dialogs zwischen allen somalischen Akteuren gelöst werden sollten. Die Vereinten Nationen unterstrichen die Bedeutung der Wahrung bestehender Grenzen für Stabilität und internationale Sicherheit.