Iran-Krieg setzt Somalia unter Druck: Treibstoffpreise verdoppeln sich

Die humanitäre Lage in Somalia verschärft sich weiter, weil die Preise für Treibstoff und lebenswichtige Güter innerhalb weniger Tage stark gestiegen sind. Der Literpreis für Treibstoff sprang zuletzt von 0,60 auf 1,50 US-Dollar. Die Vereinten Nationen warnen, dass sich dadurch Lebensmittel, Wasser und Hilfslieferungen verteuern und eine ohnehin schwere Versorgungskrise weiter zuspitzt.

Zeitlich fällt diese Entwicklung mit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten zusammen, die von somalischen Behörden und humanitären Partnern als Hauptursache für den Preisschub genannt wird. Somalia importiert mehr als 90 Prozent seiner grundlegenden Güter. Verzögerungen bei Lieferungen von Nahrungszusätzen, Medikamenten, Wasser- und Sanitärmaterialien treffen das Land deshalb besonders hart.

Hilfseinsätze werden deutlich teurer

Mit den höheren Treibstoffkosten steigen auch die Transportkosten für humanitäre Einsätze. Nach Angaben aus dem UN-Umfeld haben sich diese Kosten inzwischen verdoppelt. Das erschwert die Versorgung in einem Land, das bereits unter schwerer Dürre leidet.

Besonders kritisch ist die Lage, weil mehrere Krisen gleichzeitig aufeinandertreffen. Mindestens 6,5 Millionen Menschen in Somalia leiden unter hohem Hunger. Mehr als 1,8 Millionen Kinder sind von akuter Mangelernährung betroffen. Die seit dem späten vergangenen Jahr anhaltende Dürre hat fast fünf Millionen Menschen getroffen, also rund ein Viertel der Bevölkerung.

Geldmangel bremst die Hilfe

Die Vereinten Nationen und ihre Partner verweisen zugleich auf eine große Finanzierungslücke. Für den diesjährigen humanitären Bedarfs- und Reaktionsplan werden 852 Millionen US-Dollar benötigt, um 2,4 Millionen Menschen zu unterstützen. Bislang sind jedoch nur 97 Millionen US-Dollar eingegangen. Das entspricht 11 Prozent des Bedarfs.

Damit fehlt nicht nur Geld für zusätzliche Hilfe. Es fehlen auch Mittel, um auf die jetzt noch teureren Transport- und Versorgungskosten zu reagieren. Gerade in einem Land, das bei Grundgütern so stark von Importen abhängt, wirkt sich jeder neue Kostenschub direkt auf den Alltag der Bevölkerung und auf die Reichweite humanitärer Hilfe aus.

Präsident ruft zu Einheit und Unterstützung auf

Vor diesem Hintergrund hat Präsident Hassan Sheikh Mohamud in seiner Ansprache zum Eid al-Fitr zu nationalem Zusammenhalt und größerer Unterstützung für besonders betroffene Bevölkerungsgruppen aufgerufen. Er forderte Geschäftsleute, Diaspora-Netzwerke und leistungsfähige Teile der Gesellschaft auf, finanzielle und logistische Hilfe für Menschen zu mobilisieren, die unter den jüngsten Klimaschocks und wirtschaftlichen Belastungen leiden.

Der Präsident verband diese soziale Mobilisierung mit der Sicherheitslage des Landes. Er stellte die laufenden Operationen gegen extremistische Gruppen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar und warb für die Unterstützung der Bevölkerung. Gleichzeitig betonte er, dass soziale Stabilität und Hilfe für verletzliche Gruppen Teil der nationalen Widerstandskraft seien.

Mogadischu positioniert sich auch außenpolitisch

Parallel dazu hat die somalische Regierung die iranischen Angriffe auf kritische Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten scharf verurteilt. Mogadischu sprach von einem schweren Verstoß gegen das Völkerrecht und einer Bedrohung für Sicherheit und Stabilität in der Region.

Somalia stellte sich dabei ausdrücklich an die Seite Saudi-Arabiens, Katars und der Emirate. Die Regierung in Mogadischu rief zu Deeskalation und Dialog auf und verwies auf die Bedeutung sicherer Energiekorridore. Für Somalia ist das auch eine eigene strategische Frage, weil das Land an wichtigen Seerouten liegt und von stabilen Handels- und Lieferwegen besonders abhängig ist.

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