UN-Generalsekretär António Guterres hat zum Internationalen Tag zur Bekämpfung von Islamfeindlichkeit vor einer wachsenden Welle antimuslimischen Hasses gewarnt und Regierungen zu konkretem Handeln aufgefordert. Er sprach am Montag in New York von Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass, die für viele Musliminnen und Muslime den Alltag prägten. Zugleich verlangte er mehr Schutz durch Gesetze, politische Führung und einen entschlosseneren Umgang mit Hetze im Netz. Die Vereinten Nationen stellen das Thema damit erneut ins Zentrum einer breiteren Debatte über Menschenrechte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und digitale Radikalisierung.
UN-Veranstaltung zum internationalen Tag gegen Islamophopie
Guterres äußerte sich am 16. März bei einer hochrangigen Veranstaltung zum Internationalen Tag zur Bekämpfung von Islamfeindlichkeit. In seiner Rede schlug er einen ernsten Ton an. „Wir erleben eine wachsende Flut antimuslimischer Hetze und von Hass“, sagte der UN-Generalsekretär.
Er verwies darauf, dass sich der Druck auf viele muslimische Gemeinschaften nicht nur in offenen Angriffen zeige. Auch subtilere Formen von Benachteiligung prägten den Alltag. Guterres sprach von institutioneller Diskriminierung, sozialer Ausgrenzung, ungerechtfertigter Überwachung und Profiling. Zugleich nannte er „still verweigerte Chancen, unhinterfragte Annahmen oder Fragen, die von Misstrauen geprägt sind“ als Beispiele für jene Formen von Vorurteilen, die oft weniger sichtbar seien, aber das Leben vieler Menschen nachhaltig beeinflussten.
Guterres rückt Regierungen in die Pflicht

Im Zentrum seiner Botschaft stand die Verantwortung der Staaten. „Regierungen tragen eine klare Verantwortung“, sagte Guterres. Gesetze und politische Maßnahmen müssten Gleichheit schützen und dürften Vorurteile nicht verfestigen. Sicherheitsmaßnahmen müssten Menschen schützen und die Menschenrechte achten, „nicht ganze Gemeinschaften stigmatisieren“.
Der UN-Generalsekretär warnte außerdem davor, dass Vorurteile politisch normalisiert werden können, wenn sie von Entscheidungsträgern aufgegriffen oder verstärkt werden. „Wenn diskriminierende Narrative von Personen in Machtpositionen aufgegriffen werden, wird Vorurteil normalisiert“, sagte er. Blieben Stereotype unwidersprochen, verhärteten sie sich zu Politik.
Annalena Baerbock will digitale Islamfeindlichkeit bekämpfen
Guterres verband seine Warnung ausdrücklich mit der Rolle digitaler Räume. Antimuslimische Rhetorik, Falschinformationen und offener Hass würden die bestehenden Vorurteile antreiben und gefährlich verstärken. Deshalb nahm er auch Technologieunternehmen in die Pflicht. „Online-Räume sollten Menschen zusammenbringen, nicht sie auseinander treiben“, sagte er. Die Unternehmen müssten deutlich mehr tun, um Hassrede und Belästigung zu erkennen, zu verhindern und zu bekämpfen.
Across the world, Muslims continue to face discrimination, hostility, and even violence because of their faith. This must change.
— Annalena Baerbock (@UN_PGA) March 16, 2026
Discrimination or hatred directed at any community because of its religion has no place in our society.
Today, marking the International Day to… pic.twitter.com/yS58Y8RDMS
Auch die Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, griff diesen Punkt auf. Vorurteile würden im digitalen Zeitalter zusätzlich verstärkt, sagte sie. Technologien, die eigentlich Verbindung schaffen sollten, beschleunigten stattdessen die Verbreitung von Desinformation und Vorurteilen in bisher ungekanntem Tempo.
Guterres machte deutlich, dass es nicht nur um spektakuläre Angriffe geht, sondern auch um alltägliche Erfahrungen von Ausschluss. Viele dieser Erlebnisse tauchten weder in Schlagzeilen noch in Statistiken auf. „Aber mit der Zeit prägen sie Leben, untergraben Vertrauen und senden eine klare Botschaft darüber, wer als zugehörig gilt und wer nicht“, sagte er.
Muslims worldwide often face institutional discrimination, socio-economic exclusion, biased immigration policies & unwarranted surveillance & profiling.
— António Guterres (@antonioguterres) March 15, 2026
This International Day to Combat Islamophobia, let’s re-commit to the equality, human rights & dignity of every person, no… pic.twitter.com/UCJ6WhvtSw
Die Folgen seien längst konkret spürbar. Der UN-Generalsekretär nannte Belästigung, Einschüchterung, Vandalismus, Drohungen und Angriffe auf Menschen und Moscheen. Das sei nicht nur ein Angriff auf Muslime, sondern auch auf die Werte friedlicher und inklusiver Gesellschaften.
Vereinte Nationen wollen ihre Reaktion ausbauen
Guterres kündigte an, dass die Vereinten Nationen ihre Koordinierung gegen Islamfeindlichkeit weiter stärken wollen. Er verwies darauf, dass er den Hohen Repräsentanten der Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen zum Sondergesandten zur Bekämpfung von Islamfeindlichkeit ernannt habe. Damit solle die Zusammenarbeit verbessert, Partnerschaften vertieft und die gemeinsame Reaktion gestärkt werden.

Zum Abschluss seiner Rede verband Guterres das Thema mit den Grundwerten der UN-Charta und mit dem Ende des Ramadan. Musliminnen und Muslime bekräftigten in dieser Zeit Werte wie Mitgefühl für Schutzbedürftige, Großzügigkeit gegenüber Nachbarn und Verantwortung für die Gemeinschaft. Diese Prinzipien müssten auch die globale Antwort auf Hass und Spaltung leiten.
„Schweigen angesichts von Hass erlaubt ihm nur, sich weiter zu verbreiten“, sagte Guterres. Deshalb müssten sich Regierungen, internationale Institutionen, Technologieunternehmen und die Gesellschaft insgesamt klar und dauerhaft gegen Fanatismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung stellen.

