Ghana bringt UN-Resolution zum transatlantischen Sklavenhandel ein

Ghana will bei den Vereinten Nationen eine Resolution einbringen, die den transatlantischen Sklavenhandel und die Versklavung verschleppter Afrikaner als das schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit einstufen soll. Am 25. März soll die Vorlage der Generalversammlung in New York zur Annahme vorgelegt werden. Für Ghana ist der Schritt Teil seiner Rolle als Reparations-Beauftragter der Afrikanischen Union und ein Signal in der Debatte über historische Verantwortung und Wiedergutmachung.

Nach Angaben des ghanaischen Außenministeriums wurde der Resolutionsentwurf gemeinsam mit der Karibischen Gemeinschaft CARICOM vorbereitet und von der Afrikanischen Union unterstützt. Vorgesehen ist, dass die Generalversammlung die Verschleppung versklavter Afrikaner und die rassistisch begründete Versklavung von Afrikanern formell als das schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennt.

Abstimmung am internationalen Gedenktag geplant

Die Abstimmung ist für den 25. März angesetzt. An diesem Tag erinnern die Vereinten Nationen jedes Jahr an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels.

Sollte die Resolution angenommen werden, wäre es nach Darstellung der ghanaischen Regierung die erste umfassende UN-Resolution zu Sklaverei und transatlantischem Sklavenhandel in der 80-jährigen Geschichte der Vereinten Nationen. Die Vorlage begründet die Einstufung mit dem historischen Einschnitt, dem Ausmaß, der langen Dauer, der systematischen Gewalt und den bis heute spürbaren Folgen.

Ghana verknüpft die Resolution mit Reparationsdebatte

Die ghanaische Regierung stellt die Initiative ausdrücklich in den Zusammenhang mit der internationalen Debatte über Reparationen. Die Resolution solle historische Wahrheit sichern und eine Grundlage für Gerechtigkeit und Versöhnung schaffen. Zugleich verweist Accra auf anhaltende strukturelle Ungleichheiten, die mit der Geschichte von Sklaverei und Kolonialismus in Verbindung gebracht werden.

In der Mitteilung heißt es, die Benennung dieses Unrechts sei nicht nur ein symbolischer Akt. Sie betreffe auch heutige Fragen wie Entwicklungsunterschiede, Schuldenungleichgewichte, Klimaverwundbarkeit und die Regeln der globalen Finanzordnung.

Afrikanische Union und Karibikstaaten ziehen an einem Strang

Ghana handelt in dieser Frage als Reparations-Champion der Afrikanischen Union. An der Vorbereitung beteiligt waren laut Außenministerium außerdem CARICOM, die Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten, die Afrikanische Unionskommission, die UNESCO sowie Fachgremien, Wissenschaftler, Aktivisten und Diplomaten.

Die Afrikanische Union hat den Entwurf nach ghanaischen Angaben bereits gebilligt. Damit erhält die Initiative zusätzliches politisches Gewicht, weil sie nicht nur von einem einzelnen Staat, sondern mit Rückhalt afrikanischer Institutionen in die UN-Generalversammlung eingebracht wird.

Veranstaltungen in New York vor der Vorlage

Vor der Behandlung in der Generalversammlung sind in New York zwei offizielle Veranstaltungen geplant. Am 24. März soll zunächst eine Kranzniederlegung am African Burial Ground stattfinden. Anschließend ist im Konferenzraum 3 der Vereinten Nationen eine hochrangig besetzte Veranstaltung zur Wiedergutmachung für den Handel mit versklavten Afrikanern und ihre rassistisch begründete Versklavung vorgesehen.

Das ghanaische Außenministerium dankte in diesem Zusammenhang dem eigens eingesetzten Fachkomitee zur Ausarbeitung der Resolution sowie internationalen Partnern und Experten für ihre Mitarbeit. Zugleich rief Ghana alle UN-Mitgliedstaaten dazu auf, die Initiative zu unterstützen.

Teil einer neuen Reparationsagenda der Afrikanischen Union

Accra kündigt an, die multilaterischen Bemühungen um Wiedergutmachung nach einer möglichen Annahme der Resolution weiter voranzutreiben. Das soll im Rahmen der von der Afrikanischen Union ausgerufenen Dekade des Handelns zu Reparationen und afrikanischem Erbe von 2026 bis 2036 geschehen.

Damit verbindet Ghana die Abstimmung in New York mit einer breiter angelegten politischen Linie. Im Zentrum steht die Forderung, die Folgen des transatlantischen Sklavenhandels nicht nur als historisches Thema zu behandeln, sondern auch als Gegenstand internationaler Anerkennung und politischer Verhandlung.

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