Die togolesischen Behörden haben den ehemaligen burkinischen Übergangspräsidenten Paul-Henri Sandaogo Damiba an Burkina Faso ausgeliefert. Die Übergabe erfolgte am 17. Januar 2026 nach einem förmlichen Auslieferungsverfahren und auf Grundlage einer offiziellen Anfrage aus Ouagadougou. Damiba wird in Burkina Faso wegen mehrerer schwerer Straftaten verfolgt, darunter Korruption, Veruntreuung öffentlicher Gelder und Geldwäsche. Wie aus offiziellen Mitteilungen hervorgeht, sicherte die burkinische Seite dem Togo rechtsstaatliche Garantien zu.
Ende eines Exils nach dem Sturz 2022
Damiba war im September 2022 durch einen Militärputsch entmachtet worden, nachdem er selbst im Januar desselben Jahres durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen war. Nach seinem Sturz verließ der damalige Oberstleutnant Burkina Faso und ließ sich in Lomé nieder, wo er seit Oktober 2022 lebte. Die Militärführung in Ouagadougou warf ihm wiederholt vor, aus dem Exil heraus an Destabilisierungsversuchen beteiligt gewesen zu sein.

Nach Angaben des togolesischen Justizministeriums ging am 12. Januar 2026 ein formelles Auslieferungsersuchen der burkinischen Justiz ein. Dieses richtete sich gegen Damiba wegen mutmaßlicher Straftaten, darunter kriminelle Veruntreuung öffentlicher Gelder, illegale Bereicherung, Korruption, Anstiftung zu Verbrechen, schwerer Hehlerei und Geldwäsche.
Rechtliches Verfahren in Lomé
Die togolesischen Behörden erklärten, die Rechtmäßigkeit des Ersuchens geprüft und anschließend das nationale Auslieferungsverfahren eingeleitet zu haben. Damiba wurde am 16. Januar 2026 auf Grundlage eines beigefügten Haftbefehls festgenommen und in Gewahrsam genommen. Noch am selben Tag befasste sich die Untersuchungskammer des Berufungsgerichts von Lomé mit dem Fall.
#Togo🇹🇬#Justice#EtatDeDroit
— Ministère de la Communication (@CommunicationTg) January 20, 2026
Dans le cadre de la coopération judiciaire entre États et du respect de l’État de droit, le gouvernement togolais communique sur la procédure ayant conduit à l’extradition de M. DAMIBA Paul-Henri Sandaogo.
Lire le communiqué ci-joint. pic.twitter.com/8vjmwSqbv6
Nach einer öffentlichen Anhörung gab das Gericht ein positives Votum zur Auslieferung ab. Zur Begründung verwies das Justizministerium auf die Gegenseitigkeitszusage Burkina Fasos, einschlägige internationale Rechtsinstrumente sowie auf formelle Garantien aus Ouagadougou. Diese bezögen sich auf die Achtung der körperlichen Unversehrtheit, der Menschenwürde und der Verteidigungsrechte Damibas, insbesondere auf das Recht auf ein faires Verfahren und den Ausschluss der Todesstrafe.
Übergabe an Burkina Faso
Auf Grundlage dieses gerichtlichen Votums wurde Damiba am 17. Januar 2026 an die burkinischen Behörden überstellt. Öffentliche Stellungnahmen aus Ouagadougou blieben zunächst aus. Bereits Ende 2024 hatte der amtierende Machthaber Ibrahim Traoré erklärt, er hoffe auf eine Auslieferung seines Vorgängers. Damiba war zuvor aus der Armee entlassen worden, unter anderem wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit mit ausländischen Akteuren oder bewaffneten Gruppen zur Destabilisierung des Landes.

Seit der Machtübernahme Traorés meldeten die Behörden mehrfach vereitelte Umsturzversuche. Damiba wurde dabei regelmäßig als mutmaßlicher Drahtzieher genannt. Anfang Januar 2026 hatte die Staatsführung im staatlichen Fernsehen Aussagen mutmaßlicher Mitwisser verbreiten lassen, die angaben, auf Anweisung des Ex-Präsidenten gehandelt zu haben.
Regionale Dimension und geopolitischer Kontext
Die Auslieferung erfolgt vor dem Hintergrund veränderter regionaler Bündnisse in der Sahelzone. Burkina Faso gehört gemeinsam mit Mali und Niger zur Alliance des États du Sahel, die sich sicherheitspolitisch enger zusammenschließt und sich von westlichen Partnern, insbesondere Frankreich, distanziert hat. Die drei Staaten haben zudem die ECOWAS verlassen und ihre Kooperation untereinander vertieft.
Togo ist weiterhin Mitglied der ECOWAS, unterhält jedoch nach Einschätzung regionaler Beobachter pragmatische Beziehungen zu den Staaten der Sahel-Allianz. Aufgrund seines Seezugangs kommt dem Land eine strategische Rolle für die Binnenstaaten Burkina Faso, Mali und Niger zu.
Debatte über politische Signalwirkung in Togo
In Togo selbst löste die Auslieferung eine öffentliche Debatte aus. Der Oppositionspolitiker Nathaniel Olympio bezeichnete den Schritt als Bruch mit der bisherigen diplomatischen Praxis des Landes. In sozialen Netzwerken stellte er die Frage, ob Präsident Faure Gnassingbé mit der Auslieferung politische Signale in Richtung der Sahel-Allianz senden wolle.
Olympio verwies darauf, dass Togo in der Vergangenheit mehrfach gestürzten Staatschefs Asyl gewährt habe, ohne diese an ihre Herkunftsländer auszuliefern. Genannt wurden unter anderem Mobutu Sese Seko, Ange-Félix Patassé und Henri Konan Bédié. Vor diesem Hintergrund bewertete er die Übergabe Damibas als möglichen Hinweis auf eine strategische Neuausrichtung der togolesischen Außen- und Sicherheitspolitik.