Deutsche Botschafterin Annett Günther will mehr Koordination beim Schutz der Menschenrechte in Nigeria

Die deutsche Botschafterin in Nigeria, Annett Günther, hat zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und digitalen Plattformen im Bereich des Menschenrechtsschutzes aufgerufen. Anlass war das DEVATOP TALKAM Human Rights Dialogue and Case Management Forum in Abuja, organisiert vom Devatop Centre for Africa Development.

Ziel der Veranstaltung war die Stärkung bestehender Schutzmechanismen, der Austausch über Best-Practice-Modelle und die Verbesserung von Fallmanagement und Überweisungsstrukturen. Günther betonte, dass Koordination und klare Zuständigkeiten entscheidend seien, um Betroffene wirksam zu unterstützen.

Würdigung der TALKAM-Plattform

Die Botschafterin hob die Rolle der TALKAM-Plattform hervor, die es Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, Menschenrechtsverletzungen zu melden, Fälle zu verfolgen und Zugang zu Unterstützungsdiensten zu erhalten. TALKAM wurde international ausgezeichnet, unter anderem von der United Nations Alliance of Civilisations, Accenture und BMW.

Deutschland unterstützt die technische Weiterentwicklung der Plattform weiterhin über BMW. Günther erklärte, dass die Verbindung von Technologie, Dokumentation und Fallbegleitung ein bedeutender Fortschritt für die Menschenrechtsarbeit sei.

Zusammenarbeit mit nigerianischen Institutionen

Günther würdigte die Arbeit der National Agency for the Prohibition of Trafficking in Persons. Die Behörde sei ein zentraler Akteur im Kampf gegen Menschenhandel und bei der Betreuung von Betroffenen. Digitale Meldewege wie TALKAM erweitern nach Einschätzung der Botschafterin die Möglichkeiten der Behörden, Hinweise schneller aufzunehmen und Koordination zu verbessern.

Auch die National Human Rights Commission wurde für ihre landesweite Arbeit hervorgehoben. Günther betonte, dass die Verknüpfung von institutionellen Strukturen mit digitalen Plattformen sicherstellen könne, dass gemeldete Fälle systematisch nachverfolgt werden.

Bestehende Herausforderungen

Trotz Fortschritten gebe es weiterhin strukturelle Probleme. Günther nannte fehlende Abstimmung zwischen Behörden und Zivilgesellschaft, unzureichende Überweisungssysteme, logistische Hürden sowie Maßnahmen, die nicht immer konsequent an den Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtet seien.

Das Forum solle dazu beitragen, Lücken zu identifizieren und Kooperationswege zu stärken. Der Fokus liege auf praxisnahen Lösungen, die Meldeketten, Dokumentation und institutionelle Reaktionen verbessern.

Die Botschafterin bedankte sich bei den Teilnehmenden für deren Engagement und äußerte Zuversicht, dass der Austausch neue Partnerschaften anstoßen wird. Sie betonte, dass Menschenrechte nicht nur rechtlich geschützt sein sollten, sondern durch funktionierende Strukturen auch praktisch durchsetzbar sein müssen.

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