CAF wertet Afrika-Cup-Finale für Marokko – Senegals Regierung kritisiert scharf

Die Afrikanische Fußballkonföderation hat das Finale des Afrika-Cups 2025 nachträglich mit 3:0 für Marokko gewertet und Senegal damit den Titel aberkannt. Das Berufungsgremium der CAF erklärte die senegalesische Nationalmannschaft nach Artikel 84 des Turnierreglements zum Verlierer der Endspielpartie. Der Schritt löst weit über den Sport hinaus politische Folgen aus, weil Senegals Regierung die Entscheidung scharf zurückweist und weitere Rechtsmittel ankündigt.

Die Entscheidung wurde am 17. März veröffentlicht. Zwei Tage später verteidigte CAF-Präsident Patrice Motsepe das Vorgehen der Kontinentalorganisation und verwies auf die Unabhängigkeit ihrer Rechtsorgane. Senegal spricht dagegen von einer grob rechtswidrigen Entscheidung und verlangt eine internationale unabhängige Untersuchung wegen Korruptionsverdachts innerhalb der CAF-Führung.

Berufungsgremium kippt frühere Entscheidung

Das CAF Appeal Board gab einem Rechtsmittel des marokkanischen Fußballverbands FRMF statt und hob die Entscheidung des Disziplinargremiums auf. Zugleich erklärte das Gremium, das Verhalten der senegalesischen Mannschaft falle unter die Artikel 82 und 84 des Afrika-Cup-Reglements. Das Finale werde deshalb als verloren gewertet, das offizielle Ergebnis laute 3:0 für Marokko.

Neben der Neuwertung des Endspiels traf das Berufungsgremium weitere Entscheidungen rund um die Partie. Im Fall des marokkanischen Nationalspielers Ismaël Saibari bestätigte es ein Fehlverhalten nach Artikeln 82 und 83 Absatz 1 des CAF-Disziplinarcodes. Die Sanktion wurde auf eine Sperre von zwei offiziellen CAF-Spielen festgesetzt, davon ein Spiel auf Bewährung. Die Geldstrafe von 100.000 US-Dollar wurde aufgehoben.

Auch mehrere Vorfälle rund um die Organisation des Finales blieben Teil der Entscheidung. Die Verantwortung des marokkanischen Verbands für das Verhalten der Balljungen wurde bestätigt, die Geldstrafe dafür aber auf 50.000 US-Dollar reduziert. Die Strafe von 100.000 US-Dollar wegen Eingriffen im Bereich der Videoüberprüfung blieb bestehen. Die Geldstrafe im Zusammenhang mit einem Laser-Vorfall wurde auf 10.000 US-Dollar gesenkt.

Regierung in Dakar spricht von schwerem Eingriff

Die Regierung in Dakar reagierte mit scharfer Kritik. In einer offiziellen Erklärung sprach sie von großer Bestürzung über die Entscheidung, Senegal den Titel des Afrikameisters 2025 zu entziehen und ihn Marokko zuzuerkennen. Der Vorgang verletze aus Sicht der Regierung grundlegende Prinzipien der Sportethik, darunter Fairness, Loyalität und die Achtung des auf dem Platz erzielten Ergebnisses.

Senegal spricht von einer offenkundig falschen Auslegung des Reglements und von einer schwer rechtswidrigen und tief ungerechten Entscheidung. Ein administrativer Beschluss dürfe nicht Einsatz, Leistung und sportlichen Erfolg auslöschen. Dakar kündigte an, alle geeigneten Rechtsmittel auszuschöpfen, auch vor internationalen Gerichten.

Zugleich forderte die Regierung eine internationale unabhängige Untersuchung wegen Korruptionsverdachts innerhalb der CAF-Führung. Außerdem verwies sie auf senegalesische Staatsangehörige, die nach den Zwischenfällen rund um das Finale in Marokko festgehalten werden. Die Regierung erklärte, sie verfolge auch dieses Dossier weiter.

Motsepe verweist auf Rechtsweg bis zum CAS

CAF-Präsident Patrice Motsepe verteidigte die Entscheidung und betonte, kein afrikanisches Land werde bevorzugt behandelt. Er verwies darauf, dass das Disziplinargremium und das Berufungsgremium in derselben Sache zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen seien. Gerade das zeige die Unabhängigkeit der Justizorgane innerhalb der CAF.

Motsepe sagte, Senegal werde Berufung einlegen, und das sei wichtig. Jede der 54 afrikanischen Nationen habe das Recht, ihre Interessen auf höchster Ebene innerhalb der CAF und auch vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS geltend zu machen. Die CAF werde die endgültige Entscheidung respektieren.

Zugleich räumte Motsepe anhaltende Sorgen über Schiedsrichterwesen und Governance ein. Das seien seit langem bekannte Probleme auf dem Kontinent. Er betonte, die CAF habe bei der Auswahl der Mitglieder ihrer Rechtsorgane inzwischen ein anderes Verfahren eingeführt und setze auf anerkannte Richter und angesehene Juristen aus den Mitgliedsverbänden und Regionalzonen.

Streit überschattet Rekordzahlen des Turniers

Der juristische und politische Konflikt trifft die CAF in einem Moment, in dem sie sportlich und wirtschaftlich mit starken Reichweitenzahlen für das Turnier wirbt. Nach vorläufigen Daten, die von unabhängigen Forschungsagenturen erhoben und von der CAF weitergegeben wurden, legte die weltweite Reichweite des Afrika-Cups Marokko 2025 um 61 Prozent zu.

Die Kontinentalorganisation spricht von der am weitesten verbreiteten Ausgabe in der Geschichte des Wettbewerbs. Das Turnier wurde erstmals auch in Märkten wie Japan, China, Südkorea, Mexiko, Griechenland und Kolumbien ausgestrahlt. In Deutschland verfolgten laut CAF mehr als vier Millionen Menschen das Finale bei Sportdigital, in Großbritannien waren es mehr als drei Millionen bei Channel 4. Aus Brasilien meldete die CAF mehr als 24 Millionen Zuschauer für das Turnier, aus Indien 800.000 Streaming-Nutzer allein für das Endspiel.

Auch wirtschaftlich verweist die Organisation auf deutliche Zuwächse. Die mediale Sichtbarkeit kommerzieller Partner sei in Europa und Südamerika um mehr als 65 Prozent gestiegen. Die Medienwerte für Partner seien in Europa um 32 Prozent gewachsen, die Erlöse aus TV-Rechten in Europa, Asien und Südamerika um 35 Prozent.

Verfahren dürfte weitergehen

Mit der Entscheidung des Berufungsgremiums ist der Streit nicht beendet. Senegal hat bereits angekündigt, weitere juristische Schritte einzuleiten. Motsepe verwies ausdrücklich auf den CAS als nächste mögliche Instanz.

Damit bleibt offen, ob der Fall nur ein sportrechtlicher Konflikt bleibt oder sich weiter zu einer breiteren Auseinandersetzung über Regelauslegung, Institutionenvertrauen und die Glaubwürdigkeit des afrikanischen Fußballs entwickelt.

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