Boualem Sansal kündigt juristische Schritte gegen Algerien an

Der französisch-algerische Schriftsteller Boualem Sansal will juristisch gegen den algerischen Staat vorgehen und wirft dem Regime vor, ihn zu Unrecht inhaftiert zu haben. Am Freitag machte er öffentlich, dass er den Fall bis vor internationale Gerichte bringen will. Sansal war im November 2025 nach einem Jahr Haft in Algerien freigelassen worden. Seine neuen Aussagen verleihen dem Fall nun eine neue politische und rechtliche Dimension.

Der 81-jährige Autor erklärt, er wolle Rechenschaft vom algerischen Staat verlangen. Im Zentrum stehen für ihn zwei Fragen: warum er festgenommen wurde und warum ihm ein Jahr seines Lebens genommen worden sei. Damit richtet Sansal den Blick nicht mehr nur auf seine Freilassung, sondern auf eine mögliche internationale Aufarbeitung seines Falls.

Sansal spricht von einem Angriff durch das Regime

Sansal formulierte seine Vorwürfe in ungewöhnlich scharfer Form. „Ich wurde von einer Regierung, einem Regime angegriffen“, sagte er. Zugleich stellte er klar, dass er den Fall nicht auf sich beruhen lassen wolle.

Wörtlich kündigte er an: „Ich will bis zum Ende gehen und eines Tages vor der internationalen Justiz stehen und von der algerischen Regierung Rechenschaft verlangen.“ Nach seinen Angaben will er dort mindestens zwei Fragen stellen: „Warum haben Sie mich verhaftet? Warum haben Sie mir ein Jahr meines Lebens genommen?“

Ein Jahr Haft nach Kritik am Staat

Sansal war im vergangenen Jahr in Algier zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Justiz warf ihm vor, die nationale Einheit untergraben zu haben. Hintergrund waren Äußerungen in einem Interview mit dem Medium Frontières, in dem er das algerische Regime und dessen Politik kritisiert hatte.

Im November 2025 kam er nach einem Jahr Haft frei. Seine Freilassung erfolgte nach intensiven diplomatischen Bemühungen und wachsendem internationalen Druck auf Algier. Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune begnadigte Ihn, auf Bitte des Bundespräsidenten Steinmeier, am 12. November 2025.

Schriftsteller will selbst weiterkämpfen

Bei seinem öffentlichen Auftritt erklärte Sansal, er wolle den nächsten Schritt nun selbst gehen. Er sprach von einer „entscheidenden“ Entscheidung, seinen langjährigen Verlag Gallimard zu verlassen und zu Grasset zu wechseln.

Dabei machte er deutlich, dass er sich nach seiner Freilassung nicht weiter in einer Lage sehen wollte, in der andere über seinen Fall bestimmten. Frankreich, Deutschland und sein Unterstützungskomitee hätten zu seiner Freilassung beigetragen, sagte er. Den weiteren Kampf wolle er nun selbst führen.

Fall steht im größeren Kontext der Repression in Algerien

Sansals Vorwürfe fallen in eine Phase, in der Algerien seit längerem wegen des Umgangs mit kritischen Stimmen in der Kritik steht. Beobachter, Menschenrechtsorganisationen und Experten der Vereinten Nationen werfen den Behörden seit Jahren vor, Gesetze gegen Terrorismus zu nutzen, um gegen Aktivisten, Journalisten und Menschenrechtsverteidiger vorzugehen.

Bereits 2021 äußerte eine Gruppe von UN-Experten Sorge über die wiederkehrende Anwendung und den Missbrauch von Antiterrorgesetzen in Algerien. Sie kritisierten damals, dass solche Bestimmungen gegen Personen eingesetzt würden, die sich für Menschenrechte engagieren oder öffentlich Kritik äußern.

Sansal verweist auf persönliche und politische Folgen

Der Schriftsteller schilderte seine Haft als eine Erfahrung, die nicht hinnehmbar sei. „Ich habe den Eindruck, dass mich alle dazu drängten, die Situation zu akzeptieren, indem sie von geostrategischen Überlegungen sprachen, aber das ist mir völlig egal“, sagte er. Es gehe um ihn selbst, seine Frau und seine Freunde. „Ich will kämpfen.“

Bislang hatte Sansal seine öffentliche Kritik am algerischen Staat nach seiner Freilassung nur begrenzt formuliert. Nach seinen Angaben wollte er damit auch vermeiden, die Lage anderer in Algerien inhaftierter Personen weiter zu belasten.

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