Außenminister Wadephul in Äthiopien

Der Besuch des deutschen Außenministers Johann Wadephul in Addis Abeba hat die strategische Bedeutung Äthiopiens und Afrikas für Deutschland und Europa hervorgehoben. Im Mittelpunkt standen Gespräche mit der äthiopischen Regierung, der Afrikanischen Union sowie deutschen Abgeordneten zu bilateraler Zusammenarbeit, regionaler Sicherheit und wirtschaftlichen Perspektiven. Dabei unterstrich die deutsche Seite zudem ihre Unterstützung für Afrikas stärkere Rolle in multilateralen Institutionen.

Gespräche mit Regierung und Afrikanischer Union

Nach Angaben der Fana Media Corporation traf Außenminister Johann Wadephul in Addis Abeba mit hochrangigen Vertretern der äthiopischen Regierung sowie der Afrikanische Union zusammen. Im Gespräch mit Abiy Ahmed standen die Vertiefung der bilateralen Beziehungen und Äthiopiens Rolle für Stabilität am Horn von Afrika im Fokus. Die Bundesregierung verwies dabei auf Äthiopiens regionale Bedeutung und auf Chancen für deutsche Unternehmen.

Parallel dazu erörterte Wadephul mit Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos sowie mit dem Vorsitzenden der AU-Kommission Mahmoud Ali Youssouf Fragen der Friedensförderung, der regionalen Sicherheit und der Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union. Deutschland bekräftigte seine Unterstützung für äthiopische Vermittlungsbemühungen und kündigte an, gemeinsam mit Partnern eine internationale Sudan-Konferenz am 15. April in Berlin auszurichten. Zudem soll ein strategischer Dialog zu Frieden, Klimawandel und Migration aufgenommen werden.

Historische Bezüge und politische Einordnung

In einer Rede an der Deutschen Botschaft in Addis Abeba stellte Wadephul die historischen Grundlagen der deutsch-äthiopischen Beziehungen heraus. Er erinnerte daran, dass Kaiser Haile Selassie 1954 der erste ausländische Staatsgast der jungen Bundesrepublik gewesen sei und Äthiopien eine zentrale Rolle bei der Gründung multilateraler Institutionen gespielt habe. Addis Abeba habe sich dadurch früh als politisches und diplomatisches Zentrum Afrikas etabliert.

Vor dem Hintergrund globaler Krisen betonte der Außenminister die Bedeutung des Multilateralismus. Er verwies auf sicherheitspolitische Herausforderungen durch Terrorismus, irreguläre Migration und Desinformation sowie auf die Folgen des Klimawandels. Deutschland sehe Investitionen in Partnerschaften mit afrikanischen Staaten als zentrale Antwort auf diese Entwicklungen.

Sicherheitspolitik und regionale Konflikte

Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche lag auf der Sicherheitslage in der Region. Wadephul bezeichnete den Krieg im benachbarten Sudan als größte humanitäre Krise der Welt und kündigte an, Vermittlungsformate weiter voranzubringen. Äthiopiens Beitrag zu regionalen Friedensmissionen, unter anderem durch Truppenstellungen, wurde von deutscher Seite ausdrücklich hervorgehoben.

Zugleich bekräftigte Deutschland seine Unterstützung für die Ukraine und verwies auf die Bedeutung der UN-Charta als Grundlage der internationalen Ordnung. In diesem Zusammenhang sprach sich Wadephul erneut für eine Reform des Sicherheitsrats aus und unterstützte die Forderung Afrikas nach zwei ständigen Sitzen.

Wirtschaftliche Kooperation und Infrastrukturprojekte

Während seines Aufenthalts besuchte der Außenminister die Ethiopian Airlines sowie das Cargo-Terminal des Bole International Airport. Das Terminal wurde von einem deutschen Unternehmen mit Exportgarantien der KfW IPEX-Bank errichtet. Darüber hinaus informierte sich die Delegation über Planungen zum Bishoftu International Airport, der als eines der größten Flughafenprojekte weltweit gilt.

Wadephul verwies auf die laufenden makroökonomischen Reformen in Äthiopien und bezeichnete das Land als zunehmend attraktiven Markt für deutsche Investoren. Die Entwicklung hin zu einer marktbasierten Wirtschaft und die Perspektiven einer panafrikanischen Freihandelszone wurden als Faktoren genannt, die privates Engagement begünstigen könnten.

Parlamentarischer Austausch und die COP32

Mitglieder des Deutschen Bundestages trafen während des Besuchs äthiopische Abgeordnete sowie Vertreter der nationalen Menschenrechtskommission. Dabei ging es um politische Entwicklungen in der Region und um Fragen der Menschenrechte. Der Austausch sollte nach Angaben der deutschen Seite den parlamentarischen Dialog vertiefen und den Blick auf regionale Dynamiken schärfen. Unklar ist, ob bei den Gesprächen die Sperrung des, von dem Auswärtigen Amt finanzierten, Mediums Deutsche Welle eine Rolle gespielt haben.

Abschließend verwies der Außenminister auf Äthiopiens Auswahl als Gastgeber der UN-Klimakonferenz COP32 im Jahr 2027. Die Ausrichtung der Konferenz unterstreiche die wachsende Rolle des Landes in globalen Fragen. Deutschland bekräftigte in diesem Zusammenhang seine Bereitschaft, multilaterale Zusammenarbeit zu stärken und globale Herausforderungen gemeinsam mit afrikanischen Partnern anzugehen.

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