Algerien bestellt französischen Geschäftsträger ein und droht mit Folgen für die Beziehungen

Algerien hat den Geschäftsträger der französischen Botschaft in Algier einbestellt und damit den jüngsten Annäherungsversuch zwischen beiden Staaten abrupt überschattet. Am Donnerstag, 26. März 2026, protestierte das algerische Außenministerium in scharfer Form gegen die Verlängerung der Untersuchungshaft eines algerischen Konsularbeamten in Frankreich um ein weiteres Jahr. Das Ministerium erklärte, diese Entscheidung werde „unweigerlich Folgen für den normalen Verlauf der algerisch-französischen Beziehungen“ haben. 

Im Zentrum der neuen Spannung steht ein Fall, der die Beziehungen zwischen Paris und Algier seit Monaten belastet. Die französische Justiz verdächtigt den algerischen Konsularbeamten, an der Entführung des in Frankreich lebenden Regimekritikers Amir DZ beteiligt gewesen zu sein. Algerien weist die Haft seit Langem zurück und verweist auf den geschützten Status des Beamten nach dem Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen. 

Scharfer Protest aus Algier

Das algerische Außenministerium erklärte, der französische Diplomat sei einbestellt worden, um den Protest „in den entschiedensten Worten“ zu übermitteln. Zugleich kritisierte Algerien die Haftbedingungen des Konsularbeamten und sprach von einer „nicht hinnehmbaren Behandlung“ seit seiner Inhaftierung. Die algerische Seite hob hervor, dass der Mann bereits seit April 2025 in Untersuchungshaft sitzt und erst am 17. März einen ersten Konsularbesuch erhalten habe. 

Damit verschärft sich der Ton in einem Moment, in dem beide Seiten zuletzt wieder aufeinander zugegangen waren. Mitte März hatten die Außenminister Jean-Noël Barrot und Ahmed Attaf erstmals seit Monaten wieder telefoniert. Dabei sprachen sie über die Wiederaufnahme der bilateralen Zusammenarbeit. 

Neuer Rückschlag nach vorsichtiger Annäherung

Die Einbestellung des französischen Geschäftsträgers trifft Paris und Algier in einer Phase vorsichtiger Entspannung. Zuvor hatte der französische Innenminister Laurent Nuñez Algerien besucht, um die wieder angelaufene Kooperation in Sicherheits- und Migrationsfragen voranzubringen. Frankreichs Außenminister Barrot sprach wenige Tage vor der neuen Eskalation von „ersten Ergebnissen“, die sich bei diesem schwierigen Dialog bereits zeigten und verstärkten. 

Gerade deshalb wiegt die neue Konfrontation schwer. Sie zeigt, wie schnell die Affäre um Amir DZ wieder zum zentralen Störfaktor zwischen beiden Regierungen werden kann. Schon im Frühjahr 2025 hatte der Fall zu wechselseitigen Ausweisungen von Diplomaten und zur zeitweiligen Rückberufung des französischen Botschafters geführt. 

Fall Amir DZ bleibt politisch brisant

Die Affäre reicht über den eigentlichen Justizfall hinaus. Amir DZ, mit bürgerlichem Namen Amir Boukhors, ist ein algerischer Influencer und Oppositionsaktivist, der in Frankreich lebt. Seine mutmaßliche Entführung hatte die ohnehin belasteten Beziehungen zusätzlich verschärft. Diese waren bereits im Sommer 2024 unter Druck geraten, nachdem Paris die marokkanische Souveränität über die Westsahara unterstützt hatte

Mit der erneuten diplomatischen Vorladung macht Algerien nun deutlich, dass der Fall aus seiner Sicht nicht von der allgemeinen bilateralen Agenda getrennt werden kann. Der Versuch, Migration, Sicherheit und politische Gespräche wieder auf eine stabilere Grundlage zu stellen, steht damit erneut unter Vorbehalt. 

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