Mauretanien hat mit dem amerikanischen Energiekonzern Murphy Oil zwei Verträge zur Erkundung und möglichen Förderung von Öl und Erdgas vor seiner Atlantikküste geschlossen. Die Vereinbarungen wurden am Dienstag, dem 3. November 2026, in der Hauptstadt Nouakchott unterzeichnet. Sie betreffen die beiden Offshore-Gebiete C10 und Tiof im mauretanischen Küstenbecken. Die Regierung will damit die Suche nach neuen Energievorkommen wieder verstärken und zusätzliche internationale Investitionen in ihren Öl- und Gassektor gewinnen.
Die Verträge wurden von Energieminister Mohamed Ould Abdel Vettah und Christopher Charles Olson, dem für Exploration und Geologie zuständigen Senior Vice President von Murphy Oil, unterzeichnet. Zuvor hatte Präsident Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani eine Delegation des US-Unternehmens im Präsidentenpalast empfangen.
Die Vereinbarungen sind als Produktionsbeteiligungsverträge ausgestaltet. Solche Verträge regeln die Bedingungen, unter denen ein Unternehmen Rohstoffvorkommen erkunden und bei erfolgreichen Funden erschließen kann. Der Staat erhält dabei vertraglich festgelegte Anteile an der möglichen Produktion.
Die finanziellen Bedingungen, Beteiligungsverhältnisse und geplanten Explorationsprogramme wurden zunächst nicht veröffentlicht. Auch konkrete Investitionssummen und Zeitpläne für mögliche Bohrungen sind noch nicht bekannt.
Mauretanien will Offshore-Exploration wieder ausbauen
Das mauretanische Energieministerium bezeichnete die Vertragsunterzeichnung als strategischen Schritt zur Wiederaufnahme und Ausweitung der Rohstofferkundung im Küstenbecken.
Die Regierung sieht darin eine Bestätigung der Attraktivität Mauretaniens für internationale Öl- und Gasunternehmen. Insbesondere die rechtlichen Rahmenbedingungen, die politische Stabilität und der direkte Zugang zum Atlantik sollen weitere Investoren anziehen.
Bereits im Juli hatten Murphy Oil und das britische Energieunternehmen Chariot Oil bei der Regierung Interesse am Zugang zu drei Offshore-Gebieten angemeldet. Mit der Unterzeichnung der Verträge für C10 und Tiof erhält Murphy Oil nun die vertragliche Grundlage für entsprechende Aktivitäten in zwei Gebieten.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Houston im US-Bundesstaat Texas ist international in der Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas tätig. Neben Aktivitäten in Nord- und Südamerika sowie Asien ist Murphy Oil bereits in Afrika engagiert.
Im Oktober meldete der Konzern positive Ergebnisse bei der Bewertung eines Rohstoffvorkommens vor der Küste der Elfenbeinküste.
Mit dem neuen Engagement in Mauretanien erweitert Murphy Oil seine Aktivitäten entlang der westafrikanischen Atlantikküste.
Gasprojekt mit Senegal bildet Grundlage für weitere Investitionen
Mauretanien verfügt bereits über ein bedeutendes Offshore-Gasprojekt an seiner südlichen Seegrenze zum Senegal.
Das gemeinsam mit dem Nachbarstaat entwickelte Fördergebiet Greater Tortue Ahmeyim (GTA) wird vom britischen Energiekonzern BP betrieben. Weitere Partner sind Kosmos Energy sowie die staatlichen Energieunternehmen beider Länder.
Die erste Projektphase nahm Anfang 2025 die Erdgasförderung auf. Das Gas wird auf See aufbereitet und zu Flüssigerdgas (LNG) verarbeitet, das anschließend per Schiff auf internationale Märkte transportiert werden kann.
Mit dem Projekt haben Mauretanien und Senegal die Grundlage für eine gemeinsame LNG-Exportindustrie geschaffen. Zugleich wollen beide Staaten einen Teil ihrer Gasressourcen für die heimische Energieversorgung und die industrielle Entwicklung nutzen.
Die neuen Verträge mit Murphy Oil betreffen andere Offshore-Gebiete und stehen nicht für eine Beteiligung des US-Konzerns am GTA-Projekt.
Ob in den Blöcken C10 und Tiof wirtschaftlich förderbare Öl- oder Gasvorkommen erschlossen werden können, muss erst durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
Regierung setzt auf Gasförderung und neue Kraftwerkskapazitäten
Parallel zur Suche nach zusätzlichen Offshore-Vorkommen investiert Mauretanien in die Nutzung von Erdgas für seine eigene Stromversorgung.
Im Juli 2026 erteilte die Regierung dem saudi-arabischen Energieunternehmen ACWA Power eine Konzession mit einer Laufzeit von 25 Jahren für den Bau eines neuen Gaskraftwerks.
Die Anlage soll eine Leistung von 230 Megawatt erreichen und zusätzliche Elektrizität für den nationalen Bedarf bereitstellen.
Das Projekt ist Teil der Bemühungen, die Stromversorgung auszubauen und günstigere Voraussetzungen für Industrie und wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen.

Die Regierung verfolgt dabei zwei Ziele: Einerseits soll Flüssigerdgas zusätzliche Exporterlöse ermöglichen, andererseits soll Erdgas stärker für die heimische Stromerzeugung und industrielle Wertschöpfung genutzt werden.
Mit den neuen Explorationsverträgen erweitert Mauretanien die Zusammenarbeit mit internationalen Energieunternehmen über die bisherigen Partnerschaften mit BP und Kosmos Energy hinaus.
Die Vereinbarungen mit Murphy Oil schaffen zunächst die Grundlage für neue Untersuchungen möglicher Öl- und Gasvorkommen. Angaben zu verbindlichen Bohrprogrammen, Fördermengen oder einem möglichen Produktionsbeginn liegen bislang nicht vor.

